Flugplatz Hangelar

Gesellschaft will weniger Lärm und höhere Gebühren

Mit einer neuen Strategie soll der Flugplatz in Hangelar zukunftsfähig werden.

SANKT AUGUSTIN. Rosig sind die Zeiten für die Flugplatzgesellschaft Hangelar gerade nicht. Sie sind defizitär. An die 100.000 Euro steckt die Gesellschaft im Minus, wenngleich in guten Zeiten Rücklagen gebildet worden sind, die jetzt helfen. Die wirtschaftlich wirklich guten Zeiten sind vorbei. Da ist es jetzt an der Zeit, sich zu überlegen, wohin die Reise mit dem Flugplatz in Hangelar geht.

Darüber hat sich eine Arbeitsgruppe Gedanken gemacht und ein Strategiepapier erarbeitet, um den Flugplatz zukunftsfähig zu entwickeln. Gestern legten die beiden Geschäftsführer, Rainer Gleß und Walter Wiehlpütz, sowie Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Joisten und Landrat Frithjof Kühn das Konzept vor.

Das Wichtigste vorweg: Der Flugplatz bleibt unverzichtbarer und identitätsstiftender Bestandteil der Region, dessen Erhalt gesichert werden soll. "Dabei geht es darum, wirtschaftlich wieder eine schwarze Null zu erzielen", sagte Gleß. Man müsse jetzt reagieren, weil die Zahl der Flugbewegungen und damit Einnahmen zurückgegangen, die Ausgaben aber gleich geblieben seien. "Im Vergleich zu den 70er Jahren haben wir einen Rückgang der Flugbewegungen um 40 Prozent", ergänzte Wiehlpütz.

Die Start- und Landegebühren sind indes die Haupteinnahmequelle für die Flugplatzgesellschaft. Deshalb sollen die Gebühren und Pachten generell erhöht werden. Auch die Energieeffizienz spielt eine Rolle. Derzeit steht die Gesellschaft in Verhandlungen mit einem privaten Unternehmen, das sich für die Dachflächen der Hangars interessiert und dort Photovoltaik-Anlagen installieren will.

Überdies soll eine stärkere Differenzierung der Start- und Landegebühren eingeführt werden mit dem Ziel, laute Fluggeräte stärker zu belasten. Die Nutzerstruktur soll sich laut Gleß an der Kernkompetenz des Flugplatzes orientieren. Womit Segel- und Motorflieger gemeint sind. Gyrocopter sollen auf die derzeit sieben Geräte begrenzt bleiben. Wird einer abgezogen, wird er nicht ersetzt.

Als Diskussionsforum will die Gesellschaft eine Gesprächsplattform einrichten, auf der sich Vereine, Flugplatzgesellschaft und Unternehmen auf die weitere Entwicklung des Platzes verständigen. Wichtiges operatives Ziel dabei ist, die Flugbewegungszahlen zu stabilisieren und durch gezielte Maßnahmen Lärm zu minimieren und damit eine größere Akzeptanz in der Bevölkerung zu erreichen. Auch der Rahmenplanungsbeirat des Augustiner Stadtrates soll nach Kräften unterstützt werden.

Nicht nur die Wirtschaftlichkeit spielt in dem Strategiekonzept eine Rolle. Weitere drei Handlungsfelder sollen beackert werden: Mensch und Umwelt, Öffentlichkeitsarbeit mit Kultur und Veranstaltungen sowie die übergeordnete Planung. "Wir dürfen nicht unterschätzen, dass der Flugplatz nicht nur ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor, sondern auch als Naturschutzgebiet ein Erholungsfaktor für die Menschen in der Region ist", sagte Landrat Kühn. Mit Blick auf das Freihalten von Landschaftsräumen sei der Flugplatz unverzichtbar.

Festgestellt haben die Akteure am Flugplatz auch ein Kommunikationsproblem: "Wir haben immer nur reagiert, wir wollen künftig agieren", sagte Wiehlpütz. Die Öffentlichkeitsarbeit soll verbessert werden. So seien etwa die Bemühungen um eine Verbesserung des Schallschutzes von der Öffentlichkeit nicht angenommen worden. Es gehe künftig auch darum, die unternehmerischen Aktivitäten am Flugplatz auszuweiten, etwa mit Blick auf die Kultur und den Sport. "Da müssen wir die Kräfte bündeln für eine bessere, gemeinsame Außendarstellung", so Wiehlpütz.

Die beiden Geschäftsführer sollen das Strategiepapier nun mit Leben füllen und die operativen Ziele umsetzen. "Das hat der Aufsichtsrat einstimmig so beschlossen", so Vorsitzender Helmut Joisten. Klar ist schon mal, dass sich die 13 Beschäftigten der Flugplatzgesellschaft auf die Dinge konzentrieren sollen, die ihr Geschäft sind. "Die Kontrolle des Flugraums etwa ist keine Aufgabe der Flugplatzgesellschaft", sagte Gleß. Dafür sei die Luftaufsicht in Düsseldorf zuständig.