Stadtbücherei Sankt Augustin

Georg Divossen stellte seinen dritten Mundartfilm "Et Jehöösch" vor

Peter Schulte-Nölke (l.), Leiter der Stadtbücherei, begrüßt Mundart-Freund Georg Divossen.

SANKT AUGUSTIN. Dass eine "Futzkuhl" oder "Fluhkist" nicht immer bequem und die Begegnung mit dem "Tröönche" oder der Mitternachtsvase nicht immer komfortabel war, wissen jene, die die rheinische Mundart noch in Kindestagen sprechen und lieben gelernt haben, ganz genau.

Denn das Bett und der Nachttopf waren vor zwei oder drei Generationen nicht mit heutigem Schlaf- und Toilettenkomfort vergleichbar. Dafür beschrieben die Wörter ganz praktisch, genau und oft auch mit einer kräftigen Portion Humor, was die Menschen von ihren Alltagsgegenständen hielten.

Einen ebenso vielfältigen wie humorvollen Einblick in die rheinische Mundart gab am Dienstagabend der Sankt Augustiner Filmemacher Georg Divossen in der Stadtbücherei. "Et Jehöösch - on alles dröm eröm" lautet der Titel seines nunmehr dritten Filmes aus der Reihe "Rheinische Mundart - Bönnsche Tön" (für 15,90 Euro im Buchhandel erhältlich).

Was ein Jehöösch ist, das weiß Georg Divossen nun ganz genau: "Das Jehöösch ist die Wohnung, das Haus, das Zuhause. Und wie es geschrieben wird, das weiß keiner genau. Die Sprachexperten vom Landschaftsverband Rheinland sagten: Schreib es, wie du es willst." So vielfältig die Auswahl an Wörtern für das Haus seien - von der schmucklosen "Mietskasern" über den "Kasten" bis zum kleinsten Häuschen, der "Kauh" - abgeleitet von Kajütte - oder dem Kotten, angelehnt ans englische Cottage - , so uneinheitlich seien die Schreibweisen, sagte Divossen: "Es gibt ein paar Päpste, die behaupten, einen entsprechenden Duden geschrieben zu haben, aber Sprech- und Schreibweisen unterscheiden sich von Region zu Region, ja sogar von Ort zu Ort. In Siegburg, einer typischen Arbeiterstadt, war die Mundart etwas derber als etwa im Bonner Zentrum."

Begriffe der Mundart und deren Sprechweisen stöbert der freischaffende Filmemacher Divossen bei 60 bis 70 Zeitzeugeninterviews im Jahr auf. Immer mit dabei ist seine Kamera, die auch dieses Jahr Hunderte Stunden Film aufgezeichnet hat. "Ich habe auch ein eigenes Wortverzeichnis, das ist endlos lang, weit über 250 Seiten. Da stehen alle mir bekannten Mundart-Begriffe drin und wer sie mir wann erzählt hat." So wie die Themen für einen Mundartfilm festgelegt sind, schreibt Divossen ein Drehbuch, sortiert die Aufnahmen und schneidet sie gekonnt zusammen.

Für den dritten Film zum "Jehöösch" bediente sich der Filmemacher des Moderators, Bonner Nachtwächters und Sprachliebhabers Karl-Friedrich Schleier: Er begleitet und erklärt die kurzen und unterhaltsamen Spielsequenzen von Liesel Lorscheidt und Heinz Linden, die für den Film ins authentisch eingerichtete Beueler Heimatmuseum "eingezogen" waren. "Das Medium Film bietet sich für das Rheinische besonders an, weil das Rheinische eine gesprochene Sprache ist. Im Film sieht man, was gemeint ist, hört die Sprache, sie wird durch Moderation begleitet und für die 'Immis' auch mit hochdeutschem Untertitel übersetzt," erklärt Divossen und betont: "Das Wichtigste ist aber, dass Film und Sprache Spaß machen müssen."