Heimatstube in Menden

Elisabeth und Karl-Friedrich Schleier erzählen auf "herrlisch" rheinische Art

Den Buchstaben "g" gibt es im rheinischen Dialekt nicht. Dafür aber "sch", "ch" und "j" wie Elisabeth und Karl-Friedrich Schreiers am Beispiel "Flugzeugträger" demonstrierten.

SANKT AUGUSTIN. Die Schüler waren schon etwas älter, der Klassenraum hatte das Flair des vorigen Jahrhunderts und die beiden Pädagogen an der Tafel hatten ihren Spaß, der sich dann auch flugs auf die Besucher des "Rheinischen Unterrichts" übertrug. Es war die zweite Stunde, zu der Elisabeth und Karl-Friedrich Schleier in die Heimatstube in Menden einluden.

Organisiert vom Vorsitzenden der Altstadtgemeinschaft, Karl-Heinz Baumanns. Die beiden Themen waren Erntedank und Kirmes - der Jahreszeit entsprechend.

Dass zwischendrin auch mal die vielfältige Aussprache des rheinischen "j" erläutert wurde oder so sinnige Sprüche wie "Et hätt aanjefange opzehüere ze rähne" unter Lachern als absolut sinnstiftend und wichtig empfunden wurden, spiegelte nur die rheinische Mentalität wider, die bei Gelegenheit oder auch einfach so schon mal ein wenig vom Thema abschweift - natürlich immer in der gebotenen Art und Weise.

Diese traf das Ehepaar Schleier stets, die rund 20 Zuhörer hatten ihren Spaß, schwelgten in Erinnerungen und freuten sich, Altbekanntes, aber vielleicht schon halb Vergessenes wieder neu zu entdecken. Nur zu gerne bestätigten die Anwesenden, dass die Kirmeszeit von Freitag bis einschließlich Dienstag früher Feiertagen gleich kam. "Man nahm sich Urlaub", um gebührend zu feiern. Zunächst musste jedoch die gute Stube blinken. Es wurde gründlich geputzt, vielleicht sogar noch weiß gekalkt und dann im "Backes", dem Gemeindebackofen, "Appeltaat" (Apfelkuchen), "Reemchesappel" (Riemchenapfelkuchen) oder "Prommetaat" (Pflaumenkuchen) gebacken.

Auch an das Essen am Kirmessonntag konnten sich viele Gäste genau erinnern. "Fleeschzupp" oder "jode Zupp" (Fleischsuppe oder gute Suppe, "Suebrode" (Sauerbraten) und "Jät zu Schnöse füe dat söße Schnüssje" (Nachtisch) wurden serviert. Das Mittagessen stand um Punkt zwölf Uhr auf dem Tisch. Vorher ging es in "Huhamp" (Hochamt) und "zom Fröhschoppen". Außerdem ging man am Kirmessonntag die "Duude iere" (die Toten ehren). Dieses umfangreiche Programm schrie dann auch förmlich nach Anekdötchen.

So erinnerte sich Elisabeth Schleier, dass ihr Vater eigentlich nicht viel trank, aber doch einmal zu viel zu sich genommen hatte. Ihr Kommentar: "De Stimmung wor net jood, un mengem Vater wor et schlecht." Die "Schüler" waren ganz bei der Sache, Anregungen sprudelten nur so, und immer wieder hörte man "Ja genau" oder "Stimmt", wenn Schleiers von den Bräuchen der Vergangenheit berichteten.

Eine Menge lernen und Spaß dabei haben, wie das geht, wissen die beiden Bonner ganz genau. Sie erklärten auch den Ursprung von Pützchens Markt und erinnerten sich mit ihren "Schülern" mit ein bisschen Wehmut daran, wie sie Liliputaner, die Frau ohne Unterleib oder "de Boxbud" besuchten. Vergaß Karl-Friedrich ein Detail, ergänzte es seine Elisabeth.

Nachschauen mussten sie nur selten, denn das Rheinische Brauchtum und vor allem der Bönnsche Dialekt, der 100 Begriffe für die Stachelbeere kennt, sind ihnen in Fleisch und Blut übergegangen. Ihr zweiter Besuch in der Heimatstube sorgte für Kurzweil und Wissensvermehrung. Weitergehen soll es im Januar. Dann werden sie von den Rauhnächten - der magischen Zeit der Geister, erzählen und von den Regeln die es zu befolgen galt, wie zum Beispiel das strikte Verbot, zwischen den Jahren Wäsche zu waschen.