GA-Serie "Was steckt eigentlich hinter..."

Ein bisschen Rio auf der Hangelarer Heide

Mit ausgearbeiteten Armen steht der 9,50 Meter hohe Christus am Gelände der Steyler Missionare. FOTOS: HOLGER ARNDT

Mit ausgearbeiteten Armen steht der 9,50 Meter hohe Christus am Gelände der Steyler Missionare. FOTOS: HOLGER ARNDT

SANKT AUGUSTIN. Er erinnert an den 30 Meter hohen „Cristo Redentor“ in Rio de Janeiro auf dem Berg Corcovado: Mit weit ausgebreiteten Armen steht eine Christus-Figur hinter dem Missionshaus der Steyler Missionare in Sankt Augustin, Arnold-Janssen-Straße 32. Im Gegensatz zu dem Vorbild in Rio ist die Ausführung im Rhein-Sieg-Kreis jedoch nicht begehbar.

Trotz einer Höhe von 9,50 Metern wissen nicht viele, dass dieses Monument über den Sankt Augustiner Ortsteil wacht. Verweise gibt es in der Nähe nämlich nicht.

Nach Sankt Augustin kam die Statue im April 2009 durch das Engagement von Pater Konrad Liebscher, zu der Zeit Missionsprokurator der Steyler. Und zwar völlig zufällig, denn der gebürtige Recklinghäuser entdeckte die riesige Statue in einem Gebüsch in seiner Heimatstadt. Mehr als 20 Jahre stand der Christus dort auf dem Dach eines Krankenhauses. Angefertigt hatte die Statue der kunsthandwerkliche Betrieb Hans Hegenberg in Essen nach den Plänen des Bildhauers Fidelis Bentele aus Oberstaufen. Fertiggestellt war die Stahlkonstruktion mit einem Mantel aus Kupferplatten im Jahr 1960. Als das Recklinghäuser Krankenhaus im Jahr 1980 renoviert werden musste, wurde die Figur ins Gebüsch gelegt – und jahrelang dort vergessen.

Ein Steyler-Pater initiierte den Umzug

„Ich habe im Krankenhaus nachgefragt, ob noch Bedarf an der Christus-Figur besteht“, sagt Liebscher. „Denn für Christen ist sie natürlich ein bedeutendes Symbol.“ Deswegen habe er sie unbedingt nach Sankt Augustin bringen wollen. Unterstützung bekam der heute 62-Jährige von der Stiftung des Krankenhauses und von Privatleuten, die den Umzug und die nötigen Renovierungsarbeiten in Höhe von rund 20 000 Euro finanzierten. Denn einige Stellen waren rostig und manche Kupferplatten fehlten oder waren beschädigt. So restaurierte ein Metallbaubetrieb die bekannte Statue, bevor es für sie nach Sankt Augustin ging. Für die Figur selbst mussten die Steyler nichts zahlen: Die Stiftung des Krankenhauses hatte sie der Mission geschenkt.

Als gar nicht so einfach gestaltete sich der anschließende Umzug nach Sankt Augustin. Der eiserne Christus wiegt nämlich 3,5 Tonnen und ist mit einer Spannweite von 7,20 Metern recht sperrig. Außerdem mussten die Steyler Missionare über einen geeigneten Platz für das Monument abstimmen. Knapp fiel die Entscheidung auf die Fläche hinter dem Steyler Missionshaus. Nicht aber mit Blick auf die Einrichtung: Die Statue hat nämlich einen weiten Blick auf die Hangelarer Heide.

Eigens für die Einweihung am 2. Mai 2009 war Missionsbischof Gaspard Mundla Mudiso von Kenge aus dem Kongo gekommen. Pünktlich dazu war der Sockel fertiggestellt worden, auf den ein Autokran den großen Christus hievte. Gegossen aus Beton misst der Quader 1,50 Meter in Höhe, Breite und Tiefe mit einem Volumen von elf Kubikmetern. Darauf ist die Figur auf 16 Zugankern fest verschraubt. Sogar eine Beleuchtung haben die Steyler installieren lassen, die ihren Christus in der Morgen- und Abenddämmerung in sanftes Licht taucht.

Das Besondere an dem Monument ist für Liebscher, dass kein gekreuzigter Jesus dargestellt ist, sondern ein Jesus mit wie zur Umarmung ausgebreiteten Armen. „Der Christus als Erlöser soll die Arbeit der Missionare symbolisieren“, sagt Liebscher. „Unser Anliegen ist es, den Menschen Christus nahe zu bringen.“ Die Ähnlichkeit zum Christus in Rio stehe außerdem für das internationale Wirken der Steyler sowie für die Verbundenheit aller Christen miteinander.

Fördern möchten die Steyler diese Verbundenheit außerdem damit, dass Passanten die Möglichkeit haben, an der Figur zu beten. Spaziergänger sind seit der Aufstellung dazu eingeladen, Steine oder andere Fundstücke, die sie auf ihrem Weg gesammelt haben, an der Christus-Statue abzulegen. Der Ort soll zur Besinnung und zum Innehalten dienen. Und das Angebot haben laut der Steyler schon einige Menschen wahrgenommen. Zu den Morgen- und Abendgebeten suchen viele Christen das Gelände auf – und werden dabei von Christus symbolisch in die Arme geschlossen.