Naturschutz im Rhein-Sieg-Kreis

Ein Zentrum für Wiesen und Weiden in Birlinghoven

Im Wanderstübchen bei Birlinghoven sollen künftig wechselnde Ausstellungen zum Thema Wiesen und Weiden zu sehen sein.

Im Wanderstübchen bei Birlinghoven sollen künftig wechselnde Ausstellungen zum Thema Wiesen und Weiden zu sehen sein.

Sankt Augustin. Naturschützer der BUND Rhein-Sieg starten ein neues Projekt im Sankt Augustiner Wanderstübchen. Die Stiftung Umwelt und Natur stellt dafür 195.000 Euro zur Verfügung. Ein Biotop-Pfleger und weitere Honorarkräfte sollen eingestellt werden.

Mit dem Gedanken hat der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) im Rhein-Sieg-Kreis schon lange gespielt: ein regionales Wiesen- und Weidenzentrum in Sankt Augustin einzurichten. Nun hat er auch die finanzielle Ausstattung dazu. Denn: Die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen fördert das Projekt mit 195 000 Euro. Damit sei der Startschuss zum Aufbau gefallen, teilte der nordrhein-westfälische Landesverband des BUND mit.

„Es ist ein total spannendes Vorhaben“, sagt Achim Baumgartner, Sprecher der Kreisgruppe Rhein-Sieg, dem General-Anzeiger. „Wir möchten das Thema Wiesen und Weiden nach vorne bringen.“ Dabei gehe es darum, die „wunderschönen alten Kulturwiesen wieder sichtbar zu machen und den Menschen zu zeigen, was früher eigentlich der Standard war mit 40 Blumenarten und Tausenden Schmetterlingen“ – und zwar an allen Standorten, die die Naturschützer bereits pflegen. Sie verteilen sich über den gesamten Kreis, beispielsweise vom Naafbachtal bis nach Bornheim. Derzeit bewirtschaftet der BUND Rhein-Sieg 18 Hektar Fläche. Insgesamt betreut er rund 100 Hektar, darunter auch Flächen des Vogelschutzkomitees.

Einkehr im Wanderstübchen soll möglich werden

Für das Projekt sollen möglichst weitere Wiesen hinzukommen, wobei die Naturschützer laut Baumgartner aber nicht in Konkurrenz zur Landwirtschaft treten wollen. Ziel sei, entsprechende Referenzflächen zu sichern und sie mit Umweltbildungsaktivitäten zu verknüpfen, Partnerschulen zu gewinnen sowie Ausstellungen und Flyer zu verfassen, teilt der Landesverband mit. So möchten sich die Naturschützer dem Problem des massiven Artensterbens und Flächenverlustes gerade im Grünland stellen.

Dafür hat der BUND weitere Teile des Wanderstübchens im Pleisbachtal bei Birlinghoven angemietet, das seit ein paar Jahren geschlossen ist. Dort nutzen die Naturschützer bereits eine Halle, um ihren Umweltbus und landwirtschaftliche Geräte unterzustellen. Die Besitzer des Wanderstübchens freut das neue Projekt. „Es ist eine schöne Sache, die der BUND vorhat“, sagt Dietmar Besgen auf Anfrage. „Das passt uns als Eigentümer sehr gut.“ Die Umweltbildung zum Thema Wiesen soll sich aber nicht nur in Sankt Augustin abspielen. „Sie soll auf verschiedene Stellen im Kreis verteilt werden“, sagt Baumgartner. „Im Wanderstübchen soll es dazu dann wechselnde Ausstellungen geben.“

Und noch eine Idee hat der BUND: „Am Wochenende wollen wir möglichst auch Kaffee und Kuchen anbieten“, so Baumgartner. Damit Besucher die Möglichkeit hätten, im Wanderstübchen auch einzukehren. Das Naturschutzprojekt ist mit Hilfe des Stiftungsgelds zunächst bis Ende 2019 gesichert. Insgesamt fallen Kosten von 240 000 Euro an, der BUND stemmt 45 000 Euro davon über eigene finanzielle Mittel und Ehrenamtsstunden.

Der Grundförderantrag ist bereits gestellt

„Aber ich bin mir sicher, dass es danach auch weitergeht“, sagt Baumgartner. „Wir wollen den Beweis antreten, dass wir es danach selbstständig weiterführen können.“ In einem nächsten Schritt könnten die Naturschützer zudem von weiteren Fördergeldern profitieren. Denn das Projekt ist auch Teil des Integrierten Handlungskonzepts Grüne Infrastruktur, mit dem die Kommunen Alfter, Bonn, Bornheim, Niederkassel, Sankt Augustin, Troisdorf, Königswinter und Hennef die Landschaft in der Region attraktiver gestalten wollen. Der Grundförderantrag ist dazu bereits gestellt.

Doch das ist laut dem Kreisgruppensprecher noch Zukunftsmusik. Bis zum Jahresende liefen nun zunächst die Vorbereitungen. So seien noch einige Umbauten zu machen. Außerdem möchte der Verein für zwei Jahre einen Biotop-Pfleger und weitere Honorarkräfte einstellen, die sich vor Ort um das Wiesen- und Weidenzentrum kümmern. Baumgartner: „Wir wollen nun alles in Ruhe entwickeln.“