GA-Serie: Augustiner Köpfe

Ehrenamt im Ronald McDonald Haus

Lisa Marie Keller, Ehrenamtliche, Ronald McDonald Haus, Sankt Augustin

Lisa Marie Keller, Ehrenamtliche, Ronald McDonald Haus, Sankt Augustin

SANKT AUGUSTIN. Die 23-jährige Lisa Marie Keller arbeitet ehrenamtlich im Ronald McDonald Haus in Sankt Augustin. Das Haus bietet Familien von schwer kranken Kindern eine kliniknahe Unterkunftsmöglichkeit.

Vergangenes Sommerfest gab es Cupcakes mit Muschel-Verzierung, dieses Jahr wird es ein Fußballfeld geben – passend zur WM. Lisa Marie Keller ist für ihre Backkünste im Sankt Augustiner Ronald McDonald Haus weitaus bekannt. Die 23-Jährige ist eine der rund 40 Ehrenamtlichen im Haus und bereits von Anfang an dabei. „Eigentlich wollte ich mich um Geschwisterkinder kümmern“, sagt sie, und da es zahlreiche verschiedene Angebote rund um die Kinderklinik gebe, sei sie dort gelandet.

Aus der Zeitung erfuhr sie vom 2014 neu eröffneten Ronald McDonald Haus und einer Informationsveranstaltung für interessierte Ehrenamtliche. Nach einigen absolvierten Schnupperterminen nimmt sie sich seit Januar 2015 die gewünschten drei Stunden pro Woche Zeit, um zu helfen. Die ehrenamtlichen Helfer zeichnen sich meist durch verschiedene Fähigkeiten aus – beim Backen zählt eine „Dekofee“ dazu, um die Gartenarbeit kümmern sich „Zeitspender“.

Keller studiert Soziale Arbeit in Köln und arbeitet seit Februar im katholischen Kindergarten in Hangelar. Nach ihrem Bachelorabschluss wird sie erst noch ein Jahr in der Kita bleiben. „Ich lasse es auf mich zukommen“, sagt die gelernte Erzieherin gelassen. Ihre Bachelorarbeit wird sie über Trauerarbeit schreiben. Offen ist noch, ob sie dies auf Kinder oder Eltern bezieht. „Später würde ich gerne in der Trauerbegleitung tätig werden“, so die junge Frau.

Bis dahin sammelt sie jede Menge Erfahrungen: Bei ihrer Arbeit in der Kita, der früheren Beschäftigung im Jugendzentrum Matchboxx und einem absolvierten Praxissemester in der Siegburger Schwangerenberatung Esperanza. Und nun im Ronald McDonald Haus, wo es ihr sehr gut gefällt. Zu ihren Aufgaben zählt, für anreisende Familien die Apartments herzurichten. Aber auch die Ankömmlinge zu empfangen, ihnen das Haus zu zeigen sowie verschiedene hauswirtschaftliche Tätigkeiten.

Keller backt gerne und ist damit im Haus sehr gefragt. In ihrer Freizeit kreiert sie schon einmal über mehrere Tage Motivtorten – meistens für Familie, Freunde und Bekannte. Bald macht sie zum Beispiel eine Hochzeitstorte für eine Freundin, im vergangenen Jahr durfte sie sogar die fünfstöckige Torte zum Empfang des 30-jährigen Bestehens der McDonald's Kinderhilfe Stiftung backen. „Lisa Marie ist bei vielen Events dabei“, so Hausleiterin Claudia Musal. Gerade die kreativen Ideen der Ehrenamtlichen versucht Musal stets mit einzubinden. „Es ist Sache der Absprache“, betont sie in Bezug auf Zeit und Fähigkeiten der Helfer.

24 Familien können im Ronald McDonald Haus eine Unterkunft finden, während ihre Kinder in der Klinik nebenan behandelt werden. Häufig käme viel „Input“ von den aktiven Ehrenamtlichen, nach denen die Familien gerne fragen. Sie habe zwar nicht so einen engen Kontakt zu den Familien, wie die Hausleitung, doch „Familien, die sehr lange hier sind, die kennt man natürlich“, sagt Keller. Mit einem 16-jährigen Mädchen, das an Krebs erkrankte und diesen nicht besiegte, freundete sie sich an. „Für sie zünde ich immer eine Kerze an ihrem Geburtstag und ihrem Todestag an.“ Da gebe es einige, die in Erinnerung bleiben würden. Viele ehemalige Bewohner kommen gerne zurück, um die Sommerfeste zu feiern. „Das sind schöne Momente“, sagt Keller.

„Im Laufe des Ehrenamts verändert sich die Ansicht zur Gesundheit“, sagt die Studentin. Die Wertschätzung ändere sich. „Mit dem Thema Tod habe ich bisher zum Glück noch nicht viel Erfahrung gemacht, aber wenn ich hier rausgehe, bin ich dankbar, dass ich gesund bin, ein Dach über dem Kopf habe und es allen gut geht.“

Mit 21 Jahren begann die junge Frau ihr Ehrenamt und musste dabei auch lernen, Grenzen zu ziehen. Das sei eine Typsache, nicht jeder schaffe das: „Glücklicherweise kann ich die Situationen gut verarbeiten“. Die einzelnen Schicksale würden sie zwar berühren, aber sie habe gelernt, sich klarzumachen, dass es nicht ihres ist. „Es klingt brutal, aber sonst helfe ich niemandem.“

Halt geben ihr vor allem ihr Freund und ihre Familie. Auch wenn ihre Eltern und ihre Schwester aktuell in Berlin leben. Mit einem Berufssoldaten als Vater zog die Familie jahrelang von einem Ort zum nächsten, sodass die Kinder in Oberbayern, Niederbayern, Schleswig-Holstein und sogar ein Jahr in England aufwuchsen. Doch mit Oma und Opa, die aus Sankt Augustin stammen, war Lisa Marie Keller jedes Jahr zu Karneval sowie in den Ferien häufig im Rheinland zu Besuch. In Siegburg ist sie geboren und seit 2008 wohnt sie in Sankt Augustin. Und so ist Keller mit der Stadt eng verbunden. „Es ist doch Zuhause.“