Anklage am Landgericht

Drogenhandel am Fast-Food-Schalter in Sankt Augustin

Symbolfoto.

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Bonn/Sankt Augustin. Vier Männer und eine Frau aus Sankt Augustin müssen sich wegen Drogenhandels vor dem Bonner Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt den Angeklagten insgesamt 135 Straftaten zu Last.

Jahrelang gingen die Drogenkäufe problemlos über die Bühne – und manchmal auch über den Drive-in-Schalter eines Schnellrestaurants in Sankt Augustin. Denn einer der Käufer arbeitete dort, und wenn sein Dealer ihm Drogen brachte, reichte der 43-Jährige ihm am Schalter statt Fast Food das Drogengeld in der Tüte, bevor er anschließend auf dem Parkplatz die bestellten Drogen erhielt. Nun sitzt der 43-Jährige zusammen mit seiner Verlobten und drei weiteren Angeklagten vor dem Bonner Landgericht und gibt zu, dass er bis zu seiner Verhaftung am 7. März bei dem 33-jährigen Bonner Dealer Amphetamine und Ecstasy gekauft hatte. Der Dealer muss sich demnächst ebenfalls vor dem Bonner Landgericht verantworten. Als er gefasst wurde, gestand er alles – auch die Namen seiner Kunden. Darunter die Angeklagten.

Den vier Männern und der 41-jährigen Frau, die sich nun seit Mittwoch vor der 10. Großen Strafkammer verantworten müssen, wirft die Staatsanwaltschaft insgesamt 135 Straftaten vor, die sie in unterschiedlicher Anzahl und Besetzung begangen haben sollen. Laut Anklage sollen zig Kilo Amphetamin, Ecstasy und Schokoladentafeln mit Marihuana im Wert von mehr als 100.000 Euro bei den Deals verkauft und gekauft worden sein.

Am häufigsten soll der dritte im Bunde, ein Schulfreund des 43-Jährigen und wie dieser begeisterter Musiker in derselben Band, bei dem Bonner Dealer und einem weiteren eingekauft haben. Auch der 39-Jährige gibt die Drogenkäufe zwischen 2013 und März dieses Jahres zu, beteuert aber genauso wie sein Schulfreund: Es seien häufig Sammelbestellungen für weitere Freunde gewesen, die sie wegen der größeren Menge mit Rabatt erhalten hätten. Eine ganze Menge aber habe er auch für sich selbst gekauft, um es auf Festivals oder auch am Wochenende zu konsumieren. Seit seiner Verhaftung nehme er diese Drogen nicht mehr. Er rauche nur noch Marihuana wegen der Rückenschmerzen, die er seit einen Unfall mit Wirbelbrüchen 2009 habe. Die Taten, an denen er im Übrigen nichts verdient habe und die seinen niedrigen Lebensstandard nicht verbessert hätten, täten ihm sehr leid.

Auch der 43-Jährige hat den Konsum der harten Drogen nach seiner kurzzeitigen Inhaftierung aufgegeben, wie er erklärt. Wie sein Freund rauche er nur noch Marihuana gegen die Schmerzen seines kaputten Rückens. Und er beteuert: Seine Verlobte habe mit den Drogendeals nichts zu tun. Sie habe zwar auch davon konsumiert, sei aber nur ins Visier der Ermittler geraten, weil sie mit ihm zusammenlebe. Alle Angeklagten waren am 7. März festgenommen worden, die 41-Jährige hatten Beamte aus der Badewanne herausgeholt. Im Polizeigewahrsam hatte die Krankenpflegerin wegen ihrer Platzangst Panikattacken.

Die beiden übrigen Angeklagten sind laut Anklage nur kleine Fische: Eine 36-Jährige, Fan des 39-jährigen Musikers, soll diesen zu dessen Dealer kutschiert haben. Ein 29-Jähriger soll dort nur einmal Drogen gekauft haben.