Gesamtschule in Sankt Augustin

Die erste Oberstufe überhaupt startet

Schüler und Lehrer der Gesamtschule Menden freuen sich auf die Oberstufe. Damit der Platz ausreicht, entsteht ein neuer Fachraumtrakt.

Schüler und Lehrer der Gesamtschule Menden freuen sich auf die Oberstufe. Damit der Platz ausreicht, entsteht ein neuer Fachraumtrakt.

Sankt Augustin. Nach den Sommerferien nimmt die Sekundarstufe II ihren Betrieb auf. Schule in Menden erhält einen neuen Fachraumtrakt.

Für Stephani Overhage rückt ein Moment immer näher, den sie schon seit dem Start der Gesamtschule in Menden im Blick hat. Nach den Sommerferien geht die gymnasiale Oberstufe an den Start. „Das ist jetzt das intensivste Jahr“, sagt die Schulleiterin im Gespräch mit dem GA.

Denn es bringt noch einen weiteren Meilenstein an der jungen Schule: Zuvor machen die Schüler der ersten zehnten Klassen ihren Abschluss. „Wir machen jetzt den Schritt zum Erwachsensein“, ergänzt der didaktische Leiter Alexander Clémeur.

Die Vorbereitungen dafür laufen schon eine ganze Weile. Als die ersten Schüler im achten Jahrgang waren, gründete Overhage eine Oberstufenplanungsgruppe. „Wir haben uns natürlich auch angeschaut, wie andere Gesamtschulen oder Gymnasien das machen“, erzählt die Schulleiterin. Daraus hat die Schule ein eigenes Konzept entwickelt, unter dem Motto „Wir kümmern uns“. „Wir haben vor, in Projektschwerpunkten zu arbeiten“, sagt Overhage.

Dazu sind drei Schwerpunktklassen geplant, die jeweils einen eigenen Tutor aus dem Lehrerkollegium haben und verschiedene Fächer kombinieren: Kunst und Deutsch für den Schwerpunkt Kunst und Ästhetik, Geschichte und Englisch (Gesellschaft/Internationales) sowie Biologie und Sport (Mensch und Umwelt). Zusätzlich zum Abteilungsleiter der Oberstufe soll jeder Jahrgang einen eigenen Beratungslehrer bekommen. Außerdem sind Einführungs- und Berufsorientierungstage sowie Kooperationen mit Universitäten und Hochschulen angedacht.

Damit möchte sich die Gesamtschule von anderen Oberstufen abheben – auch wenn die Abiturbestimmungen sehr eng sind. „Viele Dinge müssen mit der Bezirksregierung abgestimmt werden“, sagt Overhage. „Aber wo wir Spielraum haben, wollen wir ihn auch nutzen.“ Ein Beispiel: Die Schüler haben sich Sport als viertes Prüfungsfach gewünscht. „Wir wollen versuchen, dass für sie hinzubekommen“, erzählt die Schulleiterin.

Sie geht derzeit davon aus, dass die Oberstufe in Menden mit etwa 20 Kindern pro Schwerpunktklasse starten wird. Rund 50 Prozent der Zehntklässler würden die Qualifikation erreichen. „Das ist für den Gründungsjahrgang einer Gesamtschule sehr viel“, sagt die Schulleiterin. Sie kennt andere Gesamtschulen, bei denen der erste Oberstufenjahrgang nur 24 Mädchen und Jungen umfasste – bei einer ebenfalls fünfzügigen Struktur. „Klar ist, dass wir mehr Schüler in die Sekundarstufe II bringen als nach der Grundschule eine Empfehlung dazu hatten“, ergänzt Clémeur. Dazu wechseln die Mädchen und Jungen „quasi die Schulform im Haus. Das ist schon eine Hürde“, sagt Overhage. Im Großen und Ganzen müssten die Schüler mindestens drei Erweiterungskurse mit der Note 3 abschließen, im Gymnasium reiche hingegen eine einfache Versetzung aus. Dabei müsse die Schule auch die anderen 50 Prozent im Blick behalten, die kein Abitur machen möchten, sagt der stellvertretende Schulleiter Patrick Werneburg.

Die ersten Anmeldegespräche hat die Schulleitung bereits geführt, auch mit Schülern anderer Schulen. „Wir haben Schüler, die haben extra gewartet, dass wir hier mit der Oberstufe starten“, erzählt Werneburg. „Die haben nach dem Abschluss erst ein Jahr ausgesetzt und wollen jetzt hier einsteigen.“ Auch die Mendener Gesamtschüler freuen sich auf „ihre“ Oberstufe. Für viele war von Anfang an klar, dass sie auch das Abitur machen möchten. Der 17-jährige Sajad hat sich die Schule extra deshalb ausgesucht. Er kommt aus Afghanistan und lebt seit drei Jahren in Deutschland. „Vorher war ich in Niederpleis auf der Schule“, erzählt er. „Ich freue mich sehr auf die Oberstufe.“ So geht es auch Miri: „Ich freue mich auf die neuen Kurse, Fächer und unseren Oberstufenraum“, sagt die 15-Jährige. Lydia (16) ist gespannt, was auf sie zukommen wird. „Aber es wird bestimmt entspannter, weil die Klassen kleiner sind.“ Für die Oberstufe hat sich auch der 16-jährige Fabian entschieden. „Bei mir stand nicht von Anfang fest, dass ich Abitur machen will“, erzählt er. „Aber ich bin jetzt auf dem besten Weg dazu.“ Und Nils (15) sagt: „Wir müssen die Messlatte immer hochlegen als erster Jahrgang.“

Für die Oberstufe wächst auch das Lehrerkollegium weiter an. Fünf oder sechs Referendare sollen hinzukommen, damit werden im Mai mehr als 70 Kollegen an der Gesamtschule Menden arbeiten. Stephani Overhage und ihr Team freuen sich auf die kommenden Jahre: „Ich war mir immer sicher, dass es gelingt“, sagt die Schulleiterin. Es sei aber wichtig, genau zu wissen, was man wolle. „Man muss immer Abstriche machen, aber man darf die Grundidee nie aus den Augen verlieren.“