GA-Serie "Eine Stunde mit..."

Der Chef im Tower am Flugplatz Hangelar

Alles im Blick: Bernd Schön war von 1969 bis 2011 selbst Pilot und bis zum Ruhestand im Jahr 2008 bei der Luftaufsicht tätig. FOTOS: THOMAS HEINEMANN

Alles im Blick: Bernd Schön war von 1969 bis 2011 selbst Pilot und bis zum Ruhestand im Jahr 2008 bei der Luftaufsicht tätig. FOTOS: THOMAS HEINEMANN

Sankt Augustin. Blauer Himmel, ein paar kleine Wolkenflocken in 22 000 Fuß Höhe, leichte Thermik und ein Hauch von Nordwestwind mit sechs Knoten aus 300 Grad – bestes Flugwetter am Flugplatz Hangelar. Der 73-jährige Bernd Schön regelt für die Luftaufsicht den Flugverkehr am Verkehrslandeplatz.

Blauer Himmel, ein paar kleine Wolkenflocken in 22 000 Fuß Höhe, leichte Thermik und ein Hauch von Nordwestwind mit sechs Knoten aus 300 Grad – so sieht bestes Flugwetter an einem Wochentag am Flugplatz Hangelar aus. Es ist 10 Uhr, das erste Drittel der Schicht von Bernd Schön im Tower des Flugplatzes ist bald rum.

Der 73-jährige Siegburger ist ein echtes Flieger-Urgestein und kennt den Platz seit 1957. Damals wurde sein Vater Fluglehrer in „Bonn-Hangelar“. Die Asphaltpiste, Hochhäuser, Schulen und Wohngebiete um den Flugplatz gab es damals noch nicht. 1969 machte er selbst den Flugschein. Nach verschiedenen Stationen bei der Luftaufsicht ist er nun im „Unruhestand“ und regelmäßig als Flugleiter im Tower Hangelar zu finden. „Niemand hat mehr Erfahrung in diesem Job“, sagt Flugplatzchef Jürgen Unterberg.

Bernd Schön nimmt das mit vornehmer Zurückhaltung zur Kenntnis, greift zum Handmikrofon und antwortet auf einen Ruf an „Hangelar Info“. Ein Pilot einer kleinen Maschine kündigt seinen Start und einen Flugplan an. Mit zwei Passagieren geht es nach Frankreich. „Die 29. Wind ist 6 Knoten aus 300, das QNH ist 1014“, gibt Bernd Schön durch, tippt Informationen in das digitale Flugbuch ein und wünscht einen guten Flug. Bernd Schön erklärt es: „Wir sagen, in welche Richtung gestartet wird. Es wird immer gegen den Wind gestartet, bei Westwind ist das die Bahn 29 – also 292 Grad auf dem Kompass. Bei Ostwind geht es andersherum auf die Bahn elf, was abgekürzt für 112 Grad auf dem Kompass steht.“

Das QNH ist eine Umrechnung des Luftdrucks auf Meereshöhe. Mit ihm justieren die Piloten ihre mit Luftdruck arbeitenden Höhenmesser im Cockpit. Vor jedem Start und jeder Landung muss er abgefragt werden. Bernd Schön erfährt die Werte von der Wetterstation des Flugplatzes, deren Daten im Tower auf einem großen Monitor angezeigt werden. „Das und unser Funkpeiler sind im Alltag unsere wichtigsten Instrumente“, zeigt Schön: „Der Peiler zeigt an, aus welcher Richtung der letzte Funkspruch kam.“

Die kleine Cessna Richtung Frankreich rollt gerade zum Start, da kündigt sich ein ADAC-Hubschrauber zu einem Wartungsflug an. Auch ein Fluglehrer samt Schüler und ein Motorflieger, der Segelflieger in die Luft schleppen will, melden sich. Vier oder fünf Anfragen gleichzeitig, das bringt Bernd Schön nicht aus der Ruhe: „Wenn hier richtig gutes Wetter am Wochenende ist und sich 20 oder 30 gleichzeitig melden, ist das was anderes. An Spitzentagen hatten wir hier bis zu 300 Flugbewegungen am Tag.“

Klar und präzise ist der Flugfunk, der über ein eigenes Vokabular, standardisierte Infos und genaue Regeln verfügt. „Weltweit ist das so“, sagt Schön, der hochkonzentriert die Bewegungen auf und rund um die Start- und Landebahn im Blick hat. „Wir haben hier, anders als etwa in Köln-Bonn, einen unkontrollierten Luftraum. Die Piloten regeln die Reihenfolge bei Start und Landung unter sich, wir geben nur Informationen. Wir können eingreifen, indem wir zum Beispiel einer Maschine im Anflug sagen, dass jemand anderes gerade auf die Bahn gerollt ist.“

Ein Flugradar hat der Tower nicht, Positionen geben die Piloten per Funk durch. Landmarken wie der Drachenfels oder „die rote Schule“, die Gesamtschule Beuel, helfen bei der Navigation auf Sicht. „Ich schaue immer auf den Funkpeiler, ob das auch stimmen kann“, spricht Bernd Schön aus Erfahrung. „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Man muss immer bei der Sache sein, zum Beispiel wenn sich nach dem Start auf der 29 der Wind gedreht hat und man auf der elf landen soll – das kann durch Gewohnheit schiefgehen.“

Schön greift immer mal wieder zum Fernglas und schaut raus. Die leicht getönten Panoramafenster des Towers sind lupenrein geputzt. Leichter Wind weht durch eine offene Glastür. Die Klimaanlage lässt der Flugleiter meist ausgeschaltet. „Die Segelflieger sind gleich fertig. Die melden gleich ihren eigenen Flugleiter an.“ Per Fernsteuerung schalten sie vor ihren Starts mit Schleppwinde oder Schleppflugzeug gelbe Blinklichter an, die den Motorfliegern signalisieren, jetzt nicht zu starten. Segelflieger und auch die Flüge der Bundespolizei kommen nicht ins Flugbuch des Towers, das nicht nur wichtige Dokumentation ist. Mit ihm werden Landungen erfasst, für die in Hangelar Landegebühren erhoben werden. Geben Piloten zudem einen Flugplan mit Start, Ziel und geplanter Route auf, wird dieser von der Luftaufsicht kontrolliert. „Meldet der Pilot zum Beispiel am Ende seine Landung nicht, fragt die Luftaufsicht zunächst am Zielort nach und löst dann Alarm mit Suchmannschaften aus.“ Das komme Gott sei Dank nur sehr selten vor, sagt der Flugleiter, der im Minutentakt Informationen ins Flugbuch schreibt.

Während sich die nächsten Flugbewegungen am Funk ankündigen und Piloten Informationen zum Platzwetter und Betrieb auf der Bahn 29 erfragen, bringt Bernd Schön seine bald 50-jährige Erfahrung rund um die Fliegerei auf den Punkt: „Sicherheit steht beim Fliegen an allererster Stelle.“