Naturschützer finden Spuren

Der Biber ist zurück im Rhein-Sieg-Kreis

Sankt Augustin. Naturschützer entdecken eindeutige Fraßspuren des größten Nagetiers Europas am Sankt Augustiner Siegufer. Ob der Biber an der Sieg ausgesetzt wurde oder von alleine gekommen ist, ist noch nicht klar.

Die Spuren in der Sankt Augustiner Siegaue sind eindeutig. Das Holz ist gleichmäßig abgefressen, der Baumstumpf ragt wie der untere Teil einer Sanduhr am Ufer empor. Ein wenig weiter sieht Justus Siebert weitere Bissstellen, manche frisch, manche schon etwas älter. Für den 49-Jährigen zeigt das: Der Biber ist zurück im Rhein-Sieg-Kreis. Siebert gehört der Biber-Arbeitsgemeinschaft (AG) des Bundes für Natur und Umweltschutz Deutschland (BUND) an. „Es ist an Sieg und Agger die erste Sichtung“, sagt er. Doch die Spuren sagen ihm noch mehr. „Die Bissstelle zeigt, dass der Biber nicht erst jetzt hier aufgetaucht ist, sondern bereits im vergangenen Jahr.“

Lange Zeit war der Biber in Nordrhein-Westfalen nicht mehr zu finden, obwohl er ursprünglich auf der kompletten nördlichen Erdhalbkugel heimisch war. Im 19. Jahrhundert hatten Jäger das größte Nagetier Europas fast ausgerottet – wegen des Fleisches, des Fells und des Sekrets aus seinen Analdrüsen. Laut BUND wurde im Rheinland zuletzt 1877 ein Biber gesichtet. 1981 setzten Förster eine Population in der Eifel aus. „Das ist die Keimzelle in NRW“, sagt Siebert. „Er breitet sich allmählich weiter aus.“ Derzeit leben in NRW die größten Populationen in der Eifel, im Kreis Düren, am unteren Niederrhein und im Kreis Soest.

Frage, woher Biber kommt, ist ungeklärt

Ob der Biber an der Sieg ausgesetzt wurde oder von alleine gekommen ist, kann der Fachmann nicht sagen. Er könnte etwa über den Rhein aus Holland oder Hessen gekommen sein, sagt Siebert. „Der Rhein ist eine Autobahn für ihn.“ Als Siedlungsraum seien hingegen kleinere Flüsse besser, weil sie mehr Freiraum böten. Unklar ist laut Siebert auch, wie viele Tiere sich angesiedelt haben und ob sie sofort am Standort Fuß fassen werden. Er hofft, dass es mindestens ein Pärchen ist, damit sich eine Population entwickeln könne.

Die Spuren hatte Anfang Februar ein Privatmann entdeckt. „Er hat etwas im Wasser gesehen und dann das für Biber charakteristische Aufklatschen des Schwanzes auf dem Wasser gehört“, erzählt Siebert. Daraufhin habe der Mann nach Bissstellen geschaut – und sei fündig geworden. „Bäume mit einem Umfang von mindestens einer Armdicke können nur Biber fällen.“ Das mache der Pflanzenfresser aber eher im Winter, wenn das Grün knapp sei.

Für Siebert ist der Nachweis an der Sieg „ganz spannend“. Von dort könne sich das Nagetier bis ins Bergische verbreiten. Faszinierend sei auch, was alles an der Ansiedlung des Bibers hänge, ergänzt er. Denn die Rückkehr der Nagetiere wirke sich positiv auf die Artenvielfalt aus – etwa an den Biberteichen, die sich an Biberdämmen aufstauen könnten. Laut den Umweltschützern steigt dort im Vergleich zu anderen Teichen die Anzahl der Fisch- und Libellenarten. „Wir Naturschützer hoffen, dass eine Population entsteht“, sagt Siebert, ergänzt aber auch: „Es gibt bestimmt auch Menschen, die das nicht wollen.“

Biber könnte Probleme verursachen

Denn der Biber kann auch Konflikte mit sich bringen. Die Nager fressen zum Teil Feldfrüchte wie Zuckerrüben und Mais von Äckern. Da sei in der Landwirtschaft aber eher das Wildschwein ein Problem, so Siebert. Es könne auch sein, dass Dämme an Bächen oder Kanälen zu Überschwemmungen führten, es durch die Uferhöhlen zu Problemen komme oder die Tiere Bäume anfressen würden, die nicht gefällt werden sollen. „Bäume kann man aber gut mit einer Drahtumwickelung schützen.“

Um Präventionsmaßnahmen zu entwickeln, soll es in NRW demnächst einen „Bibermanagementplan“ geben. Bis Ende 2019 solle er erarbeitet werden, sagt Wilhelm Deitermann, Sprecher des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. Denn man müsse damit rechnen, dass der Biber sich in der Fläche weiter ausbreite. Konflikte gebe es meist dort, wo die Landschaft intensiv genutzt und dicht besiedelt sei. Bevor es zu Schäden komme, sei es sinnvoll zu schauen, wie man präventiv vorgehen könne, so Deitermann.

Auch in der Biber-AG des BUND geht es laut Siebert darum, ein Bewusstsein für den Nager aufzubauen und mit den Kommunen in Dialog zu treten. „Damit man weiß, was zu tun ist, wenn er da ist und erste Fragen auftauchen“, so der Naturschützer. An der Sieg sollen die Spuren des Bibers nun erst einmal weiterverfolgt werden. Justus Siebert: „Wir schauen mal, was noch kommt.“