GA-Serie "Augustiner Köpfe"

Das Ehepaar Irgel ist seit 60 Jahren verheiratet

Sankt Augustin. Das Unternehmerpaar Inge und Lutz Irgel ist seit 60 Jahren verheiratet und feiert diamantene Hochzeit. Seit Jahrzehnten leitet Lutz Irgel die Bornheimer Firma Collo - auch noch mit 83 Jahren.

Zunächst standen die Zeichen nicht unbedingt auf Sympathie, als Inge Irgel beim sonntäglichen Tanztee ein junger Mann auffiel, der seine Haare in einem mitgebrachten Spiegel richtete. „Ich fand ihn unheimlich arrogant und sagte das auch zu meiner Freundin, die mir daraufhin erwiderte, dass es ihr Bruder Lutz sei.“ Eine Begegnung mit Folgen, denn an diesem Mittwoch feiert das Unternehmerpaar Inge (82) und Lutz Irgel (83), das in Sankt Augustin-Birlinghoven lebt, seine diamantene Hochzeit.

Wenn man Lutz Irgel und seiner Frau Inge gegenübersitzt, kommt einem vor allem ein Attribut in den Sinn und das ist „stilvoll“. Diese Aura umgibt die beiden ebenso wie das Haus hoch oben auf dem Birlinghovener Hang, in dem sie leben. Jeden Tag steht der 83-Jährige Lutz Irgel um 5.30 Uhr auf, geht in den Keller zum Schwimmen, setzt sich danach in seinen Daimler und fährt Richtung Bornheim, wo er spätestens um 8 Uhr am Schreibtisch sitzt, um seine Firma, die Collo GmbH, zu leiten – so wie er das seit 55 Jahren tut.

Lutz Irgel startete seine Karriere mit 19 Jahren in Bremen

„Collo ist 100 Prozent Irgel“, lautet sein Credo. Das war natürlich nicht immer so. In seiner Jugend verschlug es ihn kreuz und quer durch die Republik. In Bremen startete er mit 19 Jahren als Korrespondent der Firma Philips seine Karriere. Irgel blieb drei Jahre in der Hansestadt und lernte dort auch seine Frau kennen, eine gebürtige Bremerin. „Ich wurde gezwungen, meine drei Jahre jüngere Schwester zur Tanzschule zu begleiten“, meint er schmunzelnd. „Die Schwester meines Mannes war damals eine gute Freundin von mir“, ergänzt Inge Irgel. Nach dem ersten Tanz fand Inge Irgel, die damals als Schreibdame bei Siemens arbeitete, ihren Lutz schon nicht mehr so arrogant und die beiden tanzten später sogar Turniere.

Das Jawort gaben sie sich am 20. Februar 1959 in Hagen. Lutz Irgel wechselte von Philips zu Braun, übernahm den Bezirk Düsseldorf und zog mit seiner Frau ins Rheinland. Danach arbeitete er in der Werbeagentur Hegemann. „Die Agentur war für die Firma Collo tätig, und dort trat ich dann 1964 meinen Posten als Vertriebsdirektor an.“ Eineinhalb Jahre später wurde er Geschäftsführer des Vertriebs, danach Sprecher der Geschäftsleitung, dann Vorsitzender der Geschäftsleitung und 1979 schließlich geschäftsführender Gesellschafter und Inhaber der Firma. „Ich bin so mit der Collo verbunden, dass ich vorzugsweise in Bornheim meine Heimat sehe“, formuliert es Irgel. Im vergangenen Jahr hatte er Pläne geäußert, sein Unternehmen zu verkleinern und den Herseler Firmensitz zu verlagern (der GA berichtete).

1968 waren die Irgels das Prinzenpaar des Bonner Festausschusses

„Wir sind immer unserer Zeit voraus gewesen“, begründet Irgel seine enge Verbundenheit zu Collo, die bis heute anhält. Ein Schwerpunkt des Unternehmens sind Reinigungsprodukte für elektrische Geräte wie Waschmaschinen, Kaffeeautomaten oder Spülmaschinen. „Birlinghoven läuft unter der Rubrik Inge“, meint Lutz Irgel scherzhaft und sie ergänzt: „Ich bin quasi der Hausmeister“, denn was immer am Haus zu tun sei, müsse von ihr organisiert werden. Dass der Berliner und die Bremerin 1968 das Prinzenpaar des Bonner Festausschusses stellten, dazu kamen sie eher spontan und vielleicht auch etwas unüberlegt, denn beide hatten keinen blassen Schimmer, was alles mit dieser Aufgabe verbunden sein würde.

Tatsächlich sei die ungewöhnliche Inthronisation eher eine Integrationsmaßnahme gewesen. „Man wollte den vielen Zugezogenen, die mit dem Bonner Karneval fremdelten, eine Möglichkeit zur Integration geben“, so Irgel. Auf ihn aufmerksam geworden sei man, als er im Großen Senat, in dem viele Vertreter aus der Wirtschaft als potenzielle Geldgeber für den Karneval organisiert waren, als Repräsentant von Collo eine Rede hielt. Erwin Baldauf, der Präsident des Festausschusses Bonner Karneval, fragte ihn anschließend, ob er nicht Prinz werden wolle. „Die spontane Zusage habe ich nie bereut, denn es hat sehr viel Spaß gemacht.“ Allerdings gesteht Lutz Irgel auch: „Wenn wir gewusst hätten, was da auf uns zukommt, dann wären wir vorher sicher mal als Gäste bei der ein oder anderen Veranstaltung gewesen.“

Ausgezeichnet mit dem Bundesverdienstkreuz

So ließ sich Inge Irgel, während sie beim Friseur saß, die Stichworte von ihrem Mann geben, um entsprechend auf der Bühne aufzutreten. Ihre Kinder Markus und Pamela haben es ihnen gleich getan und waren 1988 Bonner Prinzenpaar. Heute haben die Irgels allerdings nicht mehr viel mit dem Fastelovend zu tun. Neben seinem Engagement für die Firma Collo schreibt Lutz Irgel Fachbücher und hat verschiedene Fachartikel veröffentlicht. Themen, die ihn beschäftigen, gibt der Unternehmer gerne in Reimen in kleinen Heftchen zum Besten. Ausgezeichnet wurde sein berufliches Schaffen mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst und dem Gabler Award.

Ans Aufhören denkt Lutz Irgel eigentlich nur, wenn er darauf angesprochen wird. „Vielleicht wäre sogar dieses Jahr nach 55 Jahren in der Firma ein guter Zeitpunkt.“ Richtig dran glauben, dass kann er jedoch auch selbst noch nicht.