Zukunft des Sankt Augustiner Stadtteils Buisdorf

Buisdorfer Vereine wollen Bürgerhaus retten

22.02.2016 Sankt Augustin. Die Buisdorfer Vereine sind sauer, dass das Bürgerhaus zum Jahresende aufgegeben werden soll. Deshalb haben sie nun an Bürgermeister Klaus Schumacher geschrieben. In dem Brief finden sie deutliche Worte.

Die Buisdorfer Vereine wollen das Haus Buisdorf retten. Deshalb können sie sich mittlerweile auch vorstellen, es zu übernehmen und es so weiter für Veranstaltungen offen zu halten. Stand jetzt steht das Gebäude im Zentrum ab nächstem Jahr nicht mehr als Bürgerhaus zur Verfügung, das hat der Haupt- und Finanzausschuss (Hafa) wie berichtet am 19. Januar beschlossen. Das wollen die Vereine verhindern.

Deshalb haben sie in der vorigen Woche an Bürgermeister Klaus Schumacher geschrieben, das Schreiben liegt dem General-Anzeiger vor. Darin heißt es: „Wir stellen daher den Antrag, die endgültige Entscheidung über die Schließung von Haus Buisdorf zunächst zurückzustellen, um unsererseits ein tragfähiges Konzept zur Fortführung des Haus Buisdorf als Bürgerhaus vorlegen zu können.“ Und: „Wir sehen mit dem Wegfall des Haus Buisdorf als zentralen Veranstaltungsort im Stadtteil Buisdorf einen beträchtlichen Verlust des gesellschaftlichen Lebens und Zusammenhalts innerhalb der Ortsgemeinschaft.“

Der Ausschuss hatte das Gebäude als Bürgerhaus aufgegeben, weil der vergleichsweise geringen wöchentlichen Auslastung jährliche Kosten von 38 800 Euro für die Stadt gegenüberstehen. Und angesichts der finanziellen Misere will die Stadt Geld sparen. Das Jugendcafé Eden und die Schützenbruderschaft St. Georg sowie ihr Schießstand – beide im Keller untergebracht – sollen aber bestehen bleiben. Das kündigte Kämmerer Stephan Rupp in der Ausschusssitzung an. Die weitere Nachnutzung ist derzeit noch offen. Der Rat befasst sich mit dem Thema auch noch mal in seiner nächsten Sitzung am 9. März anlässlich der Diskussion über den Haushaltsentwurf.

Zu den Unterzeichnern des Briefes an den Bürgermeister gehören folgende Vereine und Organisationen: die Freiwillige Feuerwehr sowie ihr Förderverein, die Schützenbruderschaft St. Georg, der TuS Buisdorf und sein Förderkreis, die Siegpiraten und der Junggesellenverein. „Wir fühlen uns von der Stadt vergessen und nicht ernst genommen. Wir haben kein gutes Standing und sind eben der Stadtteil hinter der Müllkippe“, sagte Thomas Bächer, Vorsitzender des TuS Buisdorf. Man sei von der Stadt nicht informiert worden über die Entscheidungen zum Haus Buisdorf.

Die beteiligten Vereine haben sich seit der Ausschusssitzung im Januar schon einige Male getroffen, um zu überprüfen, ob beispielsweise ein Kauf von Haus Buisdorf für sie zu stemmen ist. Deshalb fordern sie in dem Schreiben von der Stadt zeitnah Informationen, etwa zu den Betriebskosten, um abschätzen zu können, ob ihre Pläne umsetzbar sind.

Laut Schreiben strebt das Bündnis aber die „Fortführung im Rahmen eines kostendeckenden Pachtverhältnisses mit der Stadt an“. Dazu sieht Bächer zwei Möglichkeiten: Die Vereine beteiligen sich an der Pacht. Und: Die Pächterin – aktuell Gisela Bomheuer – müsste mehr Pacht zahlen. Bomheuer organisiert seit 2006 beispielsweise Feiern anlässlich von Trauungen im Erdgeschoss. Die Stadt hatte ihr vorsorglich zum Jahresende gekündigt. „Die präferierte Strategie wäre, dass es jemand betreibt und nicht wir“, sagte Bächer. Ist das nicht umsetzbar, ist der Kauf eine Alternative. Auch dann wäre die Optimallösung aus Sicht des Bündnisses, dass ein Pächter es betreibt. Nur im Notfall möchten die Vereine es selbst führen. „Noch sind das rein theoretische Planspiele“, sagte Bächer.

Die Buisdorfer Vereine haben sich auch schon beim Männerchor Birlinghoven erkundigt. Wie berichtet, hatte er vor drei Jahren das Haus Lauterbach von der Horstmann'schen Verwaltung gekauft. Er betrieb es zuvor schon, seit 2013 hat er es nun komplett in eigener Hand. In Birlinghoven war der Stadt damals die Miete zu teuer geworden, deshalb unterstützte sie den Kauf unter anderem auch mit einem Investitionskostenzuschuss von 100 000 Euro. „Das war damals schon ein ganz schönes Hin und Her, aber letztendlich war es eine gute Lösung“, sagte der Technische Beigeordnete Rainer Gleß dem GA.

Laut Geschäftsführer Klaus Mai läuft der Betrieb gut. Im Idealfall könnte Birlinghoven als Vorbild für Buisdorf dienen. Denn dort gibt es in nächster Zeit einige große Veränderungen: Nach der Sparkasse schließt nun auch der Buisdorfer Hof Ende März und der Netto-Markt am 7. Mai. „Ich sehe die Entwicklung mit Sorge“, sagte Ortsvorsteher Bernhard Müller. (Matthias Hendorf)