Neubauprojekt in Sankt Augustin-Hangelar Bürger kritisieren mangelnde Verkehrssicherheit

Zu eng: Anlieger kritisieren das Neubauprojekt an der schmalen Möldersstraße in Hangelar.

Sankt Augustin. Die Anwohner der Möldersstraße in Hangelar sind sauer: Der Neubau eines Hauses mit zehn Wohneinheiten wird die Sicherheit in der engen Spielstraße weiter beeinträchtigen, kritisieren sie. Schon der Baustellenverkehr jetzt sei eine Belastung.

An der Möldersstraße in Hangelar wird gebaut. Beworben als „Wohnen vor den Toren Bonns“, entsteht am Ende der Straße am Gehweg zur Bundesstraße 56, dort, wo einst ein großzügiges Einfamilienhaus mit Tierarztpraxis stand, ein moderner Neubau mit zehn Wohneinheiten. Eigentumswohnungen mit zwei bis vier Zimmern, eine Tiefgarage mit elf Stellplätzen, vier Außenstellplätze, Aufzug, Barrierefreiheit, Niedrigenergiestandard, nur wenige Gehminuten zur Bahn: Was nach attraktivem Wohnraum für Hangelar klingt, erhitzt derzeit in der Möldersstraße die Gemüter und hat bereits zu Einsätzen von Polizei und Ordnungsamt, Briefen an die Stadtverwaltung und an den Bürgermeister sowie für viel Aufregung gesorgt.

Anwohner der Straße meinen, dass es in Sachen Baustelle „nicht mit rechten Dingen zugeht“. Ihre Namen wollen die Anwohner aus Sorge vor späterem Ärger nicht in der Zeitung lesen, doch ihrem Ärger wollen sie schon Luft machen: Der Umgang mit den Anwohnern durch Stadt, Bauträger und Vertrieb sei „eine Rücksichtslosigkeit in jeglicher Hinsicht“, sagt ein Anlieger.

Die Verkehrssicherheit in der Möldersstraße, die eine enge Spielstraße ist und täglich von vielen Fußgängern und Radfahrern durchquert werde, sei schon immer fragwürdig gewesen. Die Regelung des Baustellenverkehrs sei eine Zumutung, und zukünftig werde es noch gefährlicher, so eine Anwohnerin, da statt einer Wohneinheit gleich zehn Wohneinheiten und damit entsprechend viele Autos zu erwarten seien.

Parkdruck wird zunehmen

Auch eine andere Anwohnerin befürchtet einen zunehmenden Parkdruck: „Ein Auto je Wohneinheit reicht nicht, das weiß doch jeder.“ Insgesamt verfolgt sie die Situation weniger aufgeregt, betont auch den „netten Kontakt“ zu den Bauleuten, der fast freundschaftlich sei. Ihre Kritik: „Dort stand früher ein Einfamilienhaus. Jetzt kommen zehn Wohnungen dort hin. Das passt einfach nicht.“ Tatsächlich ist der Neubau deutlich größer als das frühere Einfamilienhaus. Letzteres hatte allerdings den im Bebauungsplan 2013/2 „Mühlenweg“ vom September 1980 für eine Wohnbebauung vorgesehenen Bereich bei weitem nicht ausgenutzt.

Auch die Festsetzung von höchstens zwei Vollgeschossen erfüllt das neue Bauprojekt – das dritte Geschoss ist ein kleineres Staffelgeschoss. Tatsächlich habe man dem Beiträger eine „geringfügig planungsrechtliche Befreiung“ eingeräumt, bestätigte die Stadt Sankt Augustin, die den Baufortschritt mit regelmäßigen Besichtigungen kontrolliert, auf Nachfrage: „Diese Befreiungen begründen sich auf geringfügigen Überschreitungen der Baugrenzen.“ Das betreffe unter anderem den „schrägen Verlauf der Baugrenze, die den Bauherrn ansonsten bei stringenter Berücksichtigung der Baugrenzen unangemessen benachteiligt hätte“.

Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht

Doch es werde nicht nur zu eng gebaut, so die Anwohner, auch die Baustellenzufahrt sei viel zu schmal. Als die Bodenplatte gegossen worden sei, habe ein Laster über Stunden eine Anwohnerin einfach zugeparkt. Ordnungsamt und Polizei wären gerufen worden, hätten aber nichts unternommen. „Absichtlich“, so eine Anwohnerin, die eine Dienstaufsichtsbeschwerde bei der Stadt eingereicht hat.

Tatsächlich sei die Verkehrssituation in der Möldersstraße „schwierig“, weiß auch Frank Emons vom ausführenden Bauträger Emons aus Siegburg. „Die Möldersstraße ist in dem Bereich sehr eng. Um einen reibungslosen Baustellenverkehr ohne zu große Belastungen für Anwohner zu ermöglichen, haben wir nach einer besseren Lösung gesucht und auch gefunden: In Abstimmung mit Ordnungsamt und Polizei fährt der Baustellenverkehr nun in die Möldersstraße rein und über die Bundesstraße 56 aus der Straße raus.“

Temporäre Ausfahrt soll Entlastung bringen

Dazu wurde eine temporäre Ausfahrt angelegt, die Bushaltestelle temporär verlegt, die Fahrbahn markiert und die Zufahrt zur Lindenstraße vorübergehend gesperrt. „Das sind Maßnahmen, die uns natürlich Geld kosten, die aber allen Beteiligten Vorteile bringen.“

Dass es an Baustellen zu Einschränkungen für Nachbarn komme, sei grundsätzlich in Ordnung, sagt ein weiterer Anwohner, der die Informationspolitik in der Sache aber kritisiert: „Wir haben in den letzten Monaten immer wieder bei der Stadt nachgefragt, waren auch selbst mehrmals persönlich dort, um zu erfahren, was dort geplant ist. Am 13. Juni haben wir per Post dann eine Kopie der Baugenehmigung bekommen, die das Datum vom 15. Juni trägt. Da ärgert und wundert man sich dann doch ein wenig.“

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