Hochbetrieb am Flugplatz Hangelar

Anwohner sind genervt vom Fluglärm am Wochenende

Flugzeuge parken rund um den Tower: Hangelar ist ein reiner Sichtflughafen – das heißt nachts und bei Regen wird nicht geflogen.

Flugzeuge parken rund um den Tower: Hangelar ist ein reiner Sichtflughafen – das heißt nachts und bei Regen wird nicht geflogen.

BEUEL. Während die Sportflieger und Flugschüler am Flugplatz Hangelar die gute Sicht nutzen, müssen die Anwohner den unvermeidlichen Lärm ertragen, besonders an den Wochenenden. Lärmgegner schlagen Kontingente und höhere Gebühren vor.

Alle 20 Minuten startet vom Flugplatz Hangelar ein Motorflieger in den Himmel – rein statistisch gesehen. Es gab aber auch Zeiten, in denen im Schnitt jede Viertelstunde eine Propellermaschine abhob. Das war kurz vor der Wende, 1989. „Es gibt immer wieder Spitzenjahre, es ist ein Auf und Ab“, sagt Jürgen Unterberg. Der Chef des Verkehrslandeplatzes Bonn-Hangelar, wie er offiziell heißt, kennt die Statistiken genau. Und das Problem mit dem Lärm, das fast turnusmäßig zu Saisonbeginn die Gemüter erhitzt.

Die Kritik ist dabei immer dieselbe, zuletzt zu hören bei einer Bürgerversammlung. „Der Lärm ist unerträglich“, sagte eine Anwohnerin aus Vilich. „Man kann noch nicht einmal in Ruhe draußen frühstücken“, so eine andere. Ein Mann beschwerte sich darüber, dass die Flugzeuge viel zu niedrig fliegen würden. „Ich kann sogar die Nummern an den Flugzeugen erkennen.“

Einer der prominentesten Kritiker ist Detmar Jobst, der Allgemeinmediziner an der Uni Bonn war sowie Mitglied im Lärmschutzbeirat und Anwohner ist. In den vergangenen Jahren hatte er versucht, verschiedene Bürgerinitiativen zusammenzubringen, um dafür zu sorgen, dass es in den Wohngebieten rund um den Flugplatz leiser wird – vergeblich. „Die Interessenlagen waren einfach zu unterschiedlich“, sagt er. Insgesamt gab es vier Bürgerinitiativen – darunter der Pleiser Wald und der Flughafen Köln/Bonn – die sich jeweils für andere Ortsteile eingesetzt hatten. „Die speziellen Probleme ließen sich nicht vereinheitlichen.“

Großer Teil des Verkehrs durch Flugschüler

Unterberg blickt in seinem Büro, das unter dem Flugplatztower liegt, auf ein historisches Plakat. Darauf wird in altdeutscher Schrift Anfang des 20. Jahrhunderts eine Flugshow beworben. Dieses Jahr feiert der Flugplatz 110-jähriges Bestehen – so lange lebt kein Anwohner in der Nachbarschaft. „Wir sind einer der ältesten Flugplätze Europas, der ohne Unterbrechung betrieben wird“, sagt Unterberg. Die Fliegerei scheint auf dem Grenzgebiet zwischen Bonn und Sankt Augustin fest verankert. Die umliegenden Straßen sind nach berühmten Fliegerassen wie Ernst Udet, Manfred von Richthofen und Max Immelmann benannt.

Hier starten die Hubschrauber der Bundespolizei, der ADAC wartet in den Hallen seine Rettungshubschrauber. Ein großer Teil des Verkehrs entstehe laut Unterberg allerdings durch die Flugschüler. Sie sind auch diejenigen, die die für Anwohner oft nervigen Platzrunden drehen. „Aber die Flieger müssen ausgebildet werden“, sagt Unterberg. Und sie tragen zur Wirtschaftlichkeit des Flugplatzes bei, dessen Trägergesellschaft von den Stadtwerken Bonn (49,6 Prozent), dem Rhein-Sieg-Kreis (38,4 Prozent), der Stadt Sankt Augustin (zehn Prozent) und der Fliegergemeinschaft Hangelar (zwei Prozent) betrieben wird.

Oft wird Unterberg und seinen Fliegerkollegen vorgeworfen, nichts gegen den Lärm zu unternehmen. „Aber das stimmt nicht, wir versuchen immer, darauf einzugehen.“ Die sogenannte Platzrunde, die oft mehrfach geflogen wird, ist mit zwei Knicken abgeändert worden, damit sie über weniger Wohnhäuser führt. Die Abflugrouten wurden über Wiesen und Wälder gelegt. Zudem seien viele Maschinen der Flugschulen umgerüstet worden, damit sie leiser seien. Im Landeanflug seien die Piloten dazu angehalten, den Motor nur mit niedriger Drehzahl laufen zu lassen. Zudem gälten Flughöhen von mehr als 300 Metern.

Flugverkehr meist an freien Tagen

Etwas, worauf Unterberg keinen Einfluss habe, seien die Starts und Landungen. „Wir haben eine öffentliche Aufgabe, wir müssen jeden annehmen“, erzählt er. Was das Lärmproblem noch verschärft: Hangelar ist ein reiner Sichtflughafen. „Hier wird also nicht nachts und bei Regen, sondern nur bei gutem Wetter geflogen.“ Und weil der meiste Flugverkehr an freien Tagen abgewickelt wird – denn dann kommen die Schüler zu den Flugstunden und haben Privatleute Zeit zu fliegen – herrscht an den sonnigen Wochenenden Hochkonjunktur. „Aber auch die wirtschaftliche Lage hat Auswirkungen auf den Flugverkehr“, sagt Unterberg. Nur wenn die Menschen Geld hätten, könnten sie sich die vergleichsweise teure Fliegerei leisten. So und durch Wettereinflüsse würden sich die jährlichen Schwankungen erklären.

Die Vermutung, dass an den Wochenenden deutlich mehr Flieger starten als an anderen Tagen, hatte Detmar Jobst schon lange. Sein Vorschlag: Kontingente für die Wochenenden schaffen und Gebühren erhöhen. „Dadurch leidet zwar die Attraktivität des Flugplatzes, aber die Einnahmen würden gleich bleiben.“ Die angepasste Platzrunde sei grundsätzlich eine gute Sache, werde aber von den Piloten oftmals missachtet. Der stärkste Lärm entstehe durch Hubschrauber, die meist von der ADAC-Werft und der Bundespolizei stammten. „Hier müssen wir Lärmschützer mehr Druck ausüben“. Allerdings sei das auch ein Standortfaktor: An der ADAC-Werft hingen viele Arbeitsplätze. Daran hätten die Kommunen, die Träger der Flugplatz-GmbH sind, mehr Interesse als am Lärmschutz.