2000 Sorten und drei Schafe

1900 Besucher beim Saatgut-Festival in Sankt Augustin

Eine reiche Auswahl gibt es beim Saatgutfestival in Sankt Augustin.

Eine reiche Auswahl gibt es beim Saatgutfestival in Sankt Augustin.

Sankt Augustin. 1900 Besucher kamen zum Saatgutfestival nach Sankt Augustin. Neben Sämereien gab es auch Kräuter und Schafwolle zu kaufen.

Gelbes Birnchen, Frauenminze und Handschuhsheimer sind nur drei der rund 2000 Sorten Saatgut, die beim Saatgutfestival des Vereins zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt angeboten wurden. Bei strahlendem Sonnenschein war der Schulhof der Waldorfschule in Sankt Augustin prall gefüllt. Mittendrin: drei Schafe. Genauer gesagt: zwei Bentheimer Landschafe und ein Braunes Bergschaf. Während ihr Besitzer, Schäfer Thomas Schumacher, Produkte wie Schafsseife, Felle oder Schuheinlagen von der Bio Schäferei Eichenhof verkaufte, streichelten die kleinen Besucher begeistert die Tiere.

„Die haben ja ein dickes Fell“, riefen die Kinder. Den Trubel ließen sich die Vierbeiner nicht anmerken. Schaf Nummer zwölf, wie Schumacher das Braune Bergschaf liebevoll nennt, war aber auch „eine coole Socke“. Neben dem kleinen Schafsgehege stand ein Bus des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Der Boden war mit Holzspänen ausgelegt, und auf den Tischen standen Mikroskope. Dort konnten verschiedene Samenarten begutachtet und verglichen werden, damit sich auch Saatgut-Neulinge vorstellen konnten, was sich in den zahlreichen braunen Saatgut-Tütchen befindet. Drinnen herrschte reges Treiben.

Neben dem regulären Verkauf von Saatgut gab es auf dem Festival unter anderem eine Tauschbörse für Saat- und Pflanzengut, einen „Eine-Welt-Markt“ und einen Kompost- Workshop. Besonders gefragt waren diverse Sorten Tomaten. Susanne Gura, Organisatorin des Saatgutfestivals, nennt Tomaten die „Botschafter der Vielfalt“. „Oft sind die Sorten im Handel nicht die, die man gerne hätte. Wir verkaufen traditionelle Gemüsesorten, die ohne Pestizide auskommen und sich selbst gut anbauen lassen“, erzählte Gura.

Die Schale macht den Unterschied

Ein Unterschied zu den handelsüblichen Tomaten ist die Schale. „Die Tomaten in Supermärkten haben eine dicke und harte Schale, die schmecken uns überhaupt nicht. Diese Tomaten habe eine dünne Haut, man muss sie ganz vorsichtig anfassen, damit sie nicht aufplatzen“, sagte Ehepaar Döker und zeigte auf die kleinen braunen Tüten mit Saatgut. Ihre Ausbeute: Martina, Gelbes Birnchen, Handschuhsheimer und Butterkohl.

Auch Kräuter-Liebhaber kamen auf ihre Kosten. Hobbygärtner des Freundeskreises Burggarten Blankenberg verkauften selbst angebaute Kräuter und berieten die Käufer ausführlich. „Es wird gesagt, dass die Frauenminze früher die Bauersfrauen in der Kirche mit ihrem Duft davon abgehalten hat, bei der langweiligen Predigt des Pfarrers einzuschlafen“, klärte Hobbygärtnerin Susanne Heyd lachend eine Kundin auf.

Die Kräuter, die auf dem Saatgutfestival verkauft wurden, stammten aus dem Burggarten Blankenberg. Da dieser mit Pflastersteinen versehen wird, mussten einige Kräuter weichen und sich über das Saatgutfestival ein neues Zuhause suchen.