Gespräch in der Huma-Einkaufswelt

„LebensRaum Kirche” lud erstmalig zur Talkrunde ein

Gespräch über Hoffnung: (v.l.) Gerhard Schmidt-Wahl, Jutta Hinrichs, Claudia Nothelle und Pfarrer Franz Meurer in der Huma.

Gespräch über Hoffnung: (v.l.) Gerhard Schmidt-Wahl, Jutta Hinrichs, Claudia Nothelle und Pfarrer Franz Meurer in der Huma.

Sankt Augustin. Die Hoffnung war das Thema einer Gesprächsrunde von LebensRaum Kirche in Sankt Augustin. Der Kölner Sozialpfarrer Franz Meurer stand dabei im Fokus der Talkrunde.

Die Kölner nennen ihn liebevoll „Don Camillo von Vingst”. Seit 27 Jahren ist Franz Meurer als katholischer Priester für sozial benachteiligte Menschen aus den Kölner Stadtteilen Höhenberg und Vingst eine wichtige Anlaufstelle. „26 Prozent aller Bewohner sind hier überschuldet“, erzählt der Sozial-Pfarrer, der die Pfarrei St. Theodor und St. Elisabeth leitet und zum Thema „Hoffnung” in der Huma-Einkaufswelt in Sankt Augustin spricht.

„LebensRaum Kirche”, eine Initiative der Katholischen und Evangelischen Kirche, hat erstmals zum „Talk in der Huma” eingeladen, mit „Überraschungsgästen”, wie die ausgelegten Flyer versprechen. Als Kölner Original hat Franz Meurer immer einen kernigen Spruch auf den Lippen. Das kommt beim Publikum gut an. Viele kennen ihn aus dem Radio, vom WDR, wo er regelmäßig die Morgenandacht hält. Jetzt wollen sie ihn live erleben. Manche haben dafür sogar in Kauf genommen, dass sie für anderthalb Stunden stehen müssen, auch wenn das Café von nebenan auf die Schnelle noch Stühle zur Verfügung gestellt hat.

Ursula Nothelle-Wildfeuer, Vorsitzende des Trägervereins, ist überrascht, dass so viele Menschen den Weg zum ersten Talk in den „LebensRaum Kirche” gefunden haben. Ihre Schwester, Claudia Nothelle, hat die Moderation für diesen Abend übernommen. Die Professorin für Fernsehjournalismus ist eigens aus Magdeburg-Stendal angereist.

Über Nachhaltigkeit und Banken

Was „Hoffnung” auch sein kann, erläutert Gerhard Schmidt-Wahl, weiterer Talkgast der Runde. Der Vorsitzende des Ambulanten Hospizdienstes in Sankt Augustin berichtet von seiner Arbeit mit schwer kranken und sterbenden Menschen und ihren Angehörigen. Für ihn ist die Grundlage für Hoffnung die „Liebe zum Leben in all seinen Facetten”. Menschen, die wissen, dass sie sterben müssen, erlebten den Begriff der „Hoffnung” zwiespältig: einerseits als „Hoffnung auf Gesundung” andererseits als „Hoffnung auf Erlösung von Schmerzen”.

Jutta Hinrichs von der Stabsstelle Ethik und Nachhaltigkeit der Kölner Pax-Bank erläutert, was „Hoffnung” für sie bedeutet: „Viele Menschen fragen sich, was mit ihrem Geld geschieht, wenn sie es bei einer Bank anlegen. Mit dem Geld kann man Hoffnung schenken, aber es ist auch mit Verantwortung verbunden.”

Man könne etwa dafür sorgen, dass sein Geld nicht ungewollt in die Rüstungsindustrie fließe oder in die Abholzung von Urwäldern, wo der indigenen Bevölkerung der Lebensraum entzogen werde. „Inzwischen entdecken selbst die großen Banken das Thema Nachhaltigkeit für sich”, berichtet die diplomierte Volkswirtin, die vor ihrer Tätigkeit bei der Pax Bank in Köln bei der Steyler Ethik Bank in Sankt Augustin gearbeitet hat.

"Wenn es den Armen hilft"

Pfarrer Franz Meurer, der im Untergeschoss seiner Kirche eine Kleiderausgabe unterhält und auch eine Essensausgabe betreut, führte dann noch als Beispiel an, dass bei Pfarrfesten Geld für Würstchen und Kuchen genommen werde. „Das Minimum vom Minimum ist aber doch, dass wenigstens für die Kinder alles umsonst ist”, so der Geistliche, der von Geld eigentlich nichts hält.

Dennoch nimmt er gelegentlich gerne Großspenden an, „wenn es den Armen hilft”. Meurer sagt: „Denn darum geht es doch, dass die, die viel haben, mit denen, die nichts haben, teilen.“