Machbarkeitsstudie

Weg frei für neue Stadtbahn von Bonn nach Köln

Die Industriebahn fährt derzeit nur viermal am Tag nach Troisdorf. Die Stadtbahn würde die Trasse im Zehn-Minuten-Takt nutzen.

Die Industriebahn fährt derzeit nur viermal am Tag nach Troisdorf. Die Stadtbahn würde die Trasse im Zehn-Minuten-Takt nutzen.

Niederkassel. Der Verkehrsausschuss Niederkassel unterstützt die Streckenvariante von Bonn über Niederkassel nach Köln. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis stellt sich laut Kreis gut dar.

„Da kommt ja einiges auf uns zu“, kommentierte eine Besucherin die Sitzung des Umwelt-, Verkehrs- und Planungsausschusses am Donnerstagabend in Niederkassel. Rund 40 Bürger verfolgten im Evonik-Casino, dass neben dem Bebauungsplan für den Chemiepark und der Trasse für die Industriebahn auf dem Evonik-Gelände auch die Pläne rund um eine Stadtbahn und deren Kosten-Nutzen-Verhältnis einstimmig verabschiedet wurden. Was für die Politiker Grund zur Freude war, sahen insbesondere die Anwohner entlang der Gleise für die Stadtbahn und die Güterzüge als großes Ungemach, das da auf sie zukommt.

Christoph Groneck, Referent des Rhein Sieg-Kreises, stellte die Kosten-Nutzen-Analyse zur Machbarkeitsstudie einer Stadtbahnverbindung von Bonn über Niederkassel nach Köln vor. Er konnte den Ausschussmitgliedern einen Kosten-Nutzen-Indikator von 1,5 für eine der untersuchten Stadtbahn-Varianten verkünden. „Das ist ein sehr guter Wert“, sagte Groneck. Die Vorzugsvariante verläuft vom Bonner Hauptbahnhof über die Siegaue und wird dann über die bestehende Trasse des „Rhabarberschlittens“, der früheren Kleinbahn Siegburg-Zündorf, weitergeführt. Von dort aus soll die Stadtbahn zwischen Lülsdorf und Langel den Rhein queren, um linksrheinisch an die Rheinuferbahn (Stadtbahnlinie 16/17) angeschlossen zu werden.

Am Dienstag für Variante entschieden

Bereits am Dienstag hatten sich die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis in einer gemeinsamen Sitzung der Planungsausschüsse ebenfalls für diese Variante entschieden, der sich nun auch die Stadt Niederkassel anschloss. „Wir werden jetzt in Abstimmungsverhandlungen mit der Stadt Köln treten“, kündigte Groneck an. Wichtig sei, dass die Stadtbahn zunächst ein eigenständiges Projekt sei, unabhängig von der Rheinquerung, die derzeit von Straßen NRW untersucht werde. „Wenn es jedoch Synergieeffekte mit der A553 gibt, entfallen Baukosten in zweistelliger Millionenhöhe“, sagte Groneck. Im zweiten Dialogforum zur Rheinquerung kommende Woche soll auch die Stadtbahn-Variante positioniert werden.

Die Politiker waren voll des Lobes angesichts der Fortschritte bei der Stadtbahn-Verbindung. „Wir könne angesichts der positiven Kostenberechnung ruhigen Gewissens nach Düsseldorf fahren und Fördermittel beantragen. Für Niederkassel ist die Stadtbahn ein Quantensprung“, sagte CDU-Fraktionschef Marcus Kitz. Auch Helmut Plum (SPD) freute sich über die deutliche Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs, die erforderlich sei. „Das große Problem ist jedoch die Belastung der Anlieger an der Stadtbahn und an der Güterzugtrasse“, sagte er.

Die Güterzüge sollen nach aktueller Beschlusslage nicht mehr über die RSVG-Trasse fahren, die sie derzeit maximal vier Mal am Tag nutzen. Stattdessen ist eine neue Trasse parallel zur Landstraße L269 geplant, die zwischen Porz und Spich an den rechtsrheinischen Schienenverkehr angebunden werden soll.

Von Bonn über die Siegaue bis nach Mondorf

Realisiert werden soll die Stadtbahn zunächst in dem Abschnitt von Bonn über die Siegaue bis nach Mondorf. Möglicherweise müsse die Siegbrücke dazu zunächst saniert oder sogar neu gebaut werden. Letzteres hätte den Vorteil, dass eine zweigleisige Schienentrasse gebaut werden könnte, sagte Groneck auf Anfrage der Grünen. Derzeit ist in diesem Abschnitt nur eine eingleisige Trasse möglich. Der zweite Abschnitt würde zweigleisig über die Trasse des „Rhabarberschlittens“ geführt. Im dritten Abschnitt würde dann die Rheinquerung der Stadtbahn umgesetzt, so Groneck. Einen Zeitplan für die Umsetzung gibt es noch nicht.

Einstimmig folgten die Ausschussmitglieder auch der Vorlage, eine frühzeitige Beteiligung zum Bebauungsplan auf dem Evonik-Gelände durchzuführen, wo chemienahe Firmen und Logistikunternehmen angesiedelt werden sollen. Wie berichtet, wurde der Aufstellungsbeschluss bereits im März 2016 gefasst. Es habe intensive Debatten mit der Bezirksregierung zur Lärmproblematik gegeben, erläuterte Planer Ralf Thielecke.

Im Frühjahr 2018 lagen dann alle notwendigen Gutachten vor und man sei zu dem Ergebnis gekommen, das Schutzgrün hinter der Gleistrasse zu belassen und hier keine Gewerbegebiete entlang der Mauer auszuweisen. Insbesondere nachts dürfe durch die neuen Firmen kein zusätzlicher Lärm entweichen, während tagsüber noch Spielraum bis zu Lärmobergrenze bestehe, formulierte es Thielecke. Das Industriegleis, das von dem noch zu bauenden Containerterminal bis zum RSVG-Gleis vor der Evonik reicht und für bis zu 700 Meter lange Güterzüge dimensioniert sein muss, wurde entlang der Berliner Straße weiter südlich verlegt, um das Waldstück weitestgehend zu erhalten.