Realschule Mondorf

Tag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung

Die kleine Betül tanzt zum Rhythmus, den die Trommelgruppe schlägt.

NIEDERKASSEL. Die fünfjährige Betül wirbelt im Kreis herum, schwingt die Arme in die Luft und hüpft zu den Trommelschlägen der inklusiven Musikgruppe, die im Foyer der Realschule Mondorf zum Tag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung den Rhythmus vorgibt.

Erst auf den zweiten Blick fallen die lilafarbenen, stützenden Schnürstiefel auf, die Betül trägt. Sie hat eine Neuralrohrfehlbildung (Spina bifida), auch "offener Rücken" genannt, die während des ersten Schwangerschaftsmonats entstehen kann. Je nach Schwere der Rückenmarksschädigung sind unterschiedliche körperliche Einschränkungen die Folge.

Seit einer Operation in der Sankt Augustiner Kinderklinik kann Betül wie andere Mädchen in ihrem Alter herumtollen. Und die Klänge der Trommelgruppe gefielen ihr offenbar. Die Musikschule der Stadt Niederkassel bietet in Kooperation mit den Vereinen "Promusica" und "Selbsthilfe Spina bifida und Hydrocephalus" Trommelkurse und Singgruppen für Menschen mit und ohne Behinderung an.

Betül war gemeinsam mit ihrer Mutter Ayfer Üncüncü sowie anderen Betroffenen, Familienangehörigen und Vereinsmitgliedern zum Tag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung in die Realschule gekommen. Der europaweite Protesttag wird jeweils um den 5. Mai von Verbänden und Organisationen der Behindertenhilfe und -selbsthilfe organisiert.

Das Ziel: Gemeinsames Lernen, Arbeiten, Wohnen von Menschen mit und ohne Behinderung sowie ein Leben ohne Barrieren sollen selbstverständlich werden. Gemeinsames Musizieren ist in Niederkassel schon selbstverständlich. Das Trommeln eigne sich dafür besonders gut, da keine Notenkenntnisse erforderlich seien, erklärte Musikschulleiterin Barbara Florin.

"Das ist der Ursprung der Musik, das steckt in jedem drin und wenn einer nur einen Trommelschlag schafft, dann ist das auch in Ordnung." Neben dem Trommeln bietet die Musikschule in dem Projekt "Nicht ohne uns - Inklusion durch Musik" seit Februar 2013 auch musikalische Früherziehung und Gesangskurse an. Einmal in der Woche finden die Kurse bisher statt.

Das Angebot solle jedoch ausgeweitet werden, sagt Walter Bass, Vereinsgründer der "Selbsthilfe Spina bifida und Hydrocephalus". Ayfer Üncüncü hat über die Selbsthilfegruppe Kontakt zu anderen Müttern geknüpft. Yelena Karadeniz' Tochter etwa hat auch Spina bifida. Häufigere Angebote würden die Mutter freuen: "Wir müssen oft zur Krankengymnastik und können daher nicht immer zum Kurs gehen." Dabei spiele Musik so eine große Rolle für sie und ihre Tochter. "So kann ich ihr Lebensfreude vermitteln, trotz der schwierigen Situation und ich selbst bekomme den Kopf frei und vergesse die Sorgen für einen Moment."