Sterbebegleitung in Niederkassel

Seelenschmerzen brauchen Zeit und Raum

Margret Schuck (51) wird den Kurs zum Trauerbegleiter durchführen.

Margret Schuck (51) wird den Kurs zum Trauerbegleiter durchführen.

NIEDERKASSEL. „Wenn der Mensch stirbt, endet nicht sein Leben, es endet nur sein Aufenthalt in einem menschlichen Körper.“ Auf kleinen Zetteln stehen diese Worte, die in schwerer Stunde Trost spenden können. Die Zettel liegen im Aufenthaltsraum der Seniorenwohnanlage, wo auch die regelmäßigen Treffen der Trauergruppe des Hospizvereins Niederkassel stattfinden.

Doch das ist nur ein erstes Angebot, um den Verlust eines nahestehenden Menschen zu verarbeiten. Viele Trauernde kommen mit diesem Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren nicht zurecht und dann ist es wichtig, Gesprächspartner zu haben.

Genau die will Margret Schuck (51) vom Hospizverein Niederkassel ab April ausbilden. Sie sucht Interessenten, die ehrenamtlich als Trauerbegleiter arbeiten möchten. Schuck selbst hat ihre Ausbildung zum Sterbebegleiter 2009 und zum Trauerbegleiter 2010 abgeschlossen. Die Heilpraktikerin für Psychotherapie will den Kreis der derzeit zwei Trauerbegleiter vergrößern, weil sie glaubt, dass der Bedarf in Niederkassel da ist.

„Es ist wichtig, den Menschen Raum und Zeit für ihre Trauer zu geben“, sagt Schuck und genau das können die Trauerbegleiter leisten. Sätze wie „das wird schon wieder“, oder „die Zeit heilt alle Wunden“ gehören absolut nicht zum Repertoire der Begleiter. Vielmehr gehe es darum, den Trauernden zuzuhören, sich auch zum hundertsten Mal den gleichen Satz anzuhören und den Trauernden sprechen zu lassen, ohne selbst einzugreifen. „Für Trauerbegleiter ist das eher möglich, da sie emotional nicht so eingebunden sind wie zum Beispiel Angehörige“, erläutert Schuck den Vorteil von Außenstehenden in der Begleitung. Dennoch benötigen auch sie Empathie, um sich in die Gefühlswelt des Trauernden hineinzuversetzen. „Die Menschen berichten oft davon, dass sie den Halt verlieren, einen tiefen Seelenschmerz spüren und sich wie in einem Kokon gefangen fühlen“, beschreibt Schuck den Zustand vieler Trauernder. „Man verliert mit dem Tod nicht nur den Angehörigen, sondern auch den kompletten Alltag“, erzählt Schuck.

Viele Betroffene beschrieben ihre Situation wie in einem Tunnel, an dessen Ende kein Licht zu sehen sei. „Einen Suizid oder den Tod eines Kindes – das kann man kaum alleine aushalten“, beschreibt sie besonders schwere Fälle von Trauer. Schon allein aus dieser Gefühlslage heraus wird deutlich, dass die Arbeit der Trauerbegleiter keine einfache ist. „Man muss sich mit dem Sterben, dem Tod und den eigenen Ängsten davor befassen“, sagt Schuck. Das alleine mache auch immer etwas mit einem selbst. „Für mich ist es sehr bereichernd zu sehen, wie Menschen ins Leben zurückkehren.

“Aber auch wenn man viel Dankbarkeit erlebe, Schuck ist überzeugt, dass es eine Art inneren Ruf geben muss, denn Trauerbegleitung sei eine Berufung. „Man muss das wollen und aushalten und nicht alles mit nach Hause nehmen“, glaubt Schuck. Für sie selbst stellte sich diese Frage überhaupt nicht. „Ich fand die Idee schon immer faszinierend, in einem Hospiz zu arbeiten“, berichtet die gebürtige Kölnerin.

Nach ihrem Umzug nach Niederkassel vor elf Jahren hat die Mutter zweier erwachsener Kinder gesehen, dass der Hospizverein Befähigungskurse zum Sterbebegleiter anbot und setzte ihren Wunsch in die Tat um.

Margret Schuck empfiehlt jedem, bei einem Trauerfall so viel wie möglich darüber zu sprechen. Sehr hilfreich könne da auch der Besuch in einer Trauergruppe sein, wo man Menschen finde, die ähnliches erlebt hätten. Auch die bietet der Hospizverein an der Nießengasse an. Dort werde durchaus auch gelacht und man habe gemeinsam Spaß.