Varianten für Rheinspange

Niederkasseler wollen einen Tunnel unter dem Rhein

Felder bei Lülsdorf, Wesselinger Industriekulisse: Hier könnte die Rheinspange entstehen.

Felder bei Lülsdorf, Wesselinger Industriekulisse: Hier könnte die Rheinspange entstehen.

Niederkassel. Mit einem Tunnel unter dem Rhein als Rheinquerungs-Variante könnten sich die Niederkasseler anfreunden. Der Landesbetrieb Straßen NRW prüft die Variante.

Einen Tunnel unter dem Rhein und gegebenenfalls unter dem Retentionsbecken: Mit einer solchen Rheinquerungs-Variante könnten sich auch die Lülsdorfer, Ranzeler oder Niederkasseler anfreunden. Genau das wurden die Politiker nicht müde zu betonen. Ihr Adressat: Willi Kolks, Abteilungsleiter Planung beim Landesbetrieb Straßen NRW, der den Niederkasseler Umwelt-, Verkehrs- und Planungsausschuss über den Stand des Verfahrens für die neue Rheinbrücke unterrichtete. „Wir sind sehr an einer Tunnellösung interessiert, da müssen finanzielle Überlegungen hinten anstehen“, brachte es Helmut Plum (SPD) auf den Punkt.

Knapp 100 Besucher lockte das Thema an, und es dürfte sie gefreut haben, dass auch die Alternative der Untertunnelung geprüft werde, wie Kolks versicherte. Zuvor war er zu Gast im Kreisplanungsausschuss und sorgte in Niederkassel zum einen wegen des großen Diskussionsbedarfs und zum anderen wegen der verstopften Autobahn für eine zehnminütige Verzögerung. „Die Infrastruktur ist eben noch nicht so ausgebaut, wie wir uns das vorstellen“, kommentierte Kolks seine Verspätung. Die Infos, die Kolks lieferte, dürften den Besuchern – darunter auch die beiden Bürgerinitiativen aus Niederkassel – weitestgehend bekannt gewesen sein. „Fest steht bisher nur, dass eine vierstreifige Autobahn die A 555 und die A 59 miteinander verbinden soll“, erläutert Kolks. Überlegungen, dass möglicherweise auch eine Bundesstraße die Autobahnen verbinden könne mit mehreren Anbindungen an das bestehende Straßennetz sind damit keine Option für die Planer.

Verknüpfungen an das bestehende Straßennetz durch Autobahnkreuze oder Autobahndreiecke stehen nicht fest. Mindestens eine Anbindung sowohl rechts- als auch linksrheinisch solle es jedoch geben, so Kolks. Ebenfalls gebe es noch keinerlei Priorisierung zur Trassenführung, sowohl bezogen auf die Lage als auch auf die Ausführung, sei es nun ein Tunnel oder eine Brücke. Alle möglichen Alternativen werden laut Kolks untersucht. Auch eine Null-Variante, die die Verkehrsentwicklung ohne Rheinquerung und damit die Wirtschaftlichkeit der Spange über den Rhein berechne. Bis zum Jahr 2020 soll es jedoch eine Vorzugslinie geben, stellte Kolks in Aussicht.

Kreis und Nahverkehr Rheinland prüft Bündelung von Straße und Schiene

Auch der starke Wunsch in der Region, Straße und Schiene zu bündeln, werde gemeinsam mit dem Rhein-Sieg-Kreis und dem Nahverkehr Rheinland (NVR) untersucht. „Wir sind der Verkehrsträger der Straße und haben nur dazu Kompetenzen“, stellte Kolks allerdings auch klar, und genau das sorgte für Diskussionsstoff. Vorschläge wie zum Beispiel eine Vereinbarung zur parallelen Planung von Schiene und Straße, wie sie CDU-Fraktionschef Marcus Kitz vorschlug oder aber die Einrichtung einer Koordinierungsstelle, wie sie sich Volker Heinsch (SPD) vorstellen könnte, hielt der Planer für machbar. Das seien jedoch politische Entscheidungen.

Neben der Schiene soll auch der Fuß- und Radverkehr eine Möglichkeit bekommen, an der Stelle den Rhein zu überqueren.

Was das Verfahren angehe, habe man sich im Februar dieses Jahres auf ein gemeinsames Beteiligungskonzept geeinigt, so Kolks. „Damit gehen wir neue Wege in der Bürgerbeteiligung.“ Die Vorplanung und die Linienbestimmung soll ungefähr drei bis vier Jahre dauern, 2020 solle es eine Vorzugsvariante geben, zu der dann die genaue Linie bestimmt werden kann.

Viele Gutachten werden jetzt noch folgen. Vor der Linienbestimmung soll dies ein Umweltverträglichkeitsprüfung sein, die alle Varianten untersucht. Auch eine Verkehrsuntersuchung sowie straßenplanerische Variantenentwürfe sind ebenso vorgeschaltet. Im weiteren Verlauf wird es dann Gutachten zu Boden, Lärm und Schadstoffen geben.

Kitz formulierte aus Niederkasseler Sicht, dass eine möglichst geringe Belastung der Bürger entscheidend sei. Selbst innerhalb eines Stadtteils gingen die Meinungen der Bürger auseinander. „Ungeduldig sind wir alle, aber es lohnt sich, wenn die Trasse am Ende eine höhere Akzeptanz hat“, sagte er. Die Region wünsche sich eine Stadtbahnverbindung von Bonn über Niederkassel nach Köln – zum Beispiel über die neue Rheinquerung.

Weitere Informationen zum aktuellen Verfahrensstand der Rheinquerung gibt es auf der Homepage unter www.rheinspange.nrw.de.