Teures Wasser in Niederkassel

Neue Verordnung treibt Abwassergebühren in die Höhe

Kläranlage: Nach der Grobreinigung werden Chemikalien zugeführt, dann wird biologisch gereinigt. Was übrig bleibt, ist Klärschlamm, dessen Entsorgung aktuell Probleme bereitet.

Kläranlage: Nach der Grobreinigung werden Chemikalien zugeführt, dann wird biologisch gereinigt. Was übrig bleibt, ist Klärschlamm, dessen Entsorgung aktuell Probleme bereitet.

Niederkassel. Klärschlamm muss künftig in speziellen Anlagen verbrannt werden und die Suche nach neuen Entsorgungsmöglichkeiten läuft auf Hochtouren. Auch Trinkwasser und Straßenreinigung in Niederkassel werden teurer.

Es klingt ernst aber nicht aussichtslos, was der Erste Beigeordnete und Betriebsleiter der Niederkasseler Abwasserwerke Helmut Esch zu den Problemen mit der Klärschlamm-Entsorgung ausführt. Mit der Novellierung der Klärschlammverordnung habe sich die Verwertungsmöglichkeit von Klärschlamm dramatisch verändert, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Während bislang viele tausend Tonnen landwirtschaftlich verwertet werden konnten, soll dies in Zukunft nicht mehr möglich sein. Die Konsequenz: Der Klärschlamm muss in speziellen Anlagen verbrannt werden.

Ausreichende Möglichkeiten dazu fehlten jedoch in NRW ebenso wie in der gesamten Republik, sagt Esch aus. Wegen dieser Engpässe kommt es zu enormen Preissteigerungen und damit zu Gebührenerhöhungen für das Abwasser. Für die Niederkasseler heißt das, dass sie ab dem 1. Januar kommenden Jahres 19 Cent je Kubikmeter Wasserverbrauch mehr zahlen müssen und sich die Kanalnutzungsgebühren damit von derzeit 3,65 auf dann 3,84 Euro je Kubikmeter Abwasser erhöhen.

Die Suche nach neuen Entsorgungsmöglichkeiten läuft in der Verwaltung auf Hochtouren. Auf eine europaweite Ausschreibung, die die Stadt durchgeführt habe, habe sich kein einziger Bewerber gemeldet, schildert Esch die angespannte Situation. „Bis zum 31. Januar 2019 können wir unseren Klärschlamm noch in der Kläranlage in Köln-Stammheim entsorgen“, sagt Esch. Danach sei Schluss, und bis dahin müsse man fündig werden. „Derzeit führen wir extrem viele Gespräche, die sogar nach Tschechien hineinreichen“, sagt Esch. Auch die Variante, gemeinsam mit der Stadt Köln eine eigene Verbrennungsanlage für Klärschlamm zu bauen, ziehe man in Erwägung. Das sei jedoch eine Option, die frühestens in zehn Jahren umgesetzt werden könne.

Die Umrüstung der Bonner Verbrennungsanlage als mögliche Option auch für Niederkassel sei derzeit politisch außerordentlich umstritten, formuliert es Esch. Niederkassel muss mit seinen 2500 Tonnen Klärschlamm ohnehin eher kleine Mengen entsorgen. Die Kölner Stadtentwicklungsbetriebe müssten zum Beispiel 13.000 bis 14.000 Tonnen Klärschlamm entsorgen. Das Bauen eigener Verbrennungsanlagen funktioniere ohnehin nur in großen Verbünden, so der Beigeordnete.

„Wir werden eine zeitnahe Lösung finden, aber das kostet eben“, resümiert Esch. Früher habe er 70 bis 80 Euro pro Tonne Klärschlamm zahlen müssen, heute lägen die Nettokosten doppelt so hoch bei 140 bis 150 Euro pro Tonne.

Auch die Grundgebühr fürs Trinkwasser muss ab Januar 2019 angehoben werden. Die gute Botschaft sei jedoch, dass der Preis für den Kubikmeter Trinkwasser unverändert bei 1,33 Euro netto konstant bleibe. Die Grundgebühr für den Standardwasserzähler werde im kommenden Jahr jedoch von bisher sieben Euro auf neun Euro netto monatlich erhöht. Gründe für diese Gebührenerhöhung seien die Konzessionsabgabe und die generelle Kostensteigerungen im Baugewerbe, denn ein Großteil der anfallenden Kosten entstünden durch Bauarbeiten im Leitungsnetz, so die Stadt. Zudem sei eine personelle Verstärkung im Wasserwerk unumgänglich.

Auch die Gebühren für die Straßenreinigung werden 2019 steigen. Der Hauptausschuss beschloss eine Erhöhung um vier Cent je Frontmeter von bisher 1,89 Euro auf 1,93 Euro im kommenden Jahr.