Bastler und Kegler

Kallboys aus Niederkassel zeigen die Stadtgeschichte

Die Kallboys mit einem Teil ihrer gebastleten Modelle aus Pappe: Dirk Käufer, Ralf Schulz, Andreas Weber, Holger Moskopp, Tobias Gilles und Heinz Dresbach (v.l.)

Die Kallboys mit einem Teil ihrer gebastleten Modelle aus Pappe: Dirk Käufer, Ralf Schulz, Andreas Weber, Holger Moskopp, Tobias Gilles und Heinz Dresbach (v.l.)

Niederkassel. Kreative Kegler aus Niederkassel zeigen auf ihrer Homepage die Geschichte der Stadt mit Bastelbögen, Texten und Videos. Der Verein gründete sich im Jahr 1999.

Sechs Typen und viele Leidenschaften: Das sind die Kallboys. Buchen oder mieten kann man sie allerdings nicht, wie auf ihrer Homepage zu lesen ist. Die Männer im besten Alter um ihren Präsidenten Heinz Dresbach sind sechs Kegler, die „lieber ne ruhige Kugel schieben und ne Runde aufgeschrieben“ bekommen. Das haben sie erfolgreich in ihrem Club-Song thematisiert.

Wer jedoch auf ein eher betuliches Dasein der sechs Kegelbrüder schließt, der irrt, denn die Engagements der Kallboys liegen in vielen Bereichen. Sogar schon weltweit strahlt ihr Ruhm über das Internet mit dem umfassenden Angebot von 44 Bastelbögen, die sie in unterschiedlichen Maßstäben erstellt und probegebastelt haben. Jeder kann sie sich auf der Homepage kostenfrei herunterladen. Ebenfalls kostenlos dazu gibt es historische Erläuterungen und Hintergründe rund um die wechselvolle Heimatgeschichte Niederkassels.

Es ist eine Fundgrube für Bastler und Modellbauer, denn von der „Pappe für Pänz“ mit vier bis fünf Teilen bis zu den 936 Teilen der Siegfähre ist für jeden Bastler etwas dabei. Alle Modelle sind kostengünstig mit wenig Equipment und viel Spaß nachzubauen.

Einige ihrer Produkte stehen dort, wo die Ideen dazu entstanden sind. So ist die Fähre in der Lux-Werft beheimatet oder die Rheidter Mühle hat ihr Zuhause bei Heimatforscher Dieter Est, der den Kallboys bei der Rekonstruktion behilflich war. Die Pappe-Welt der Kallboys umfasst so ziemlich alles, was mit Niederkassel und insbesondere mit Mondorf zu tun hat. Vom Hafenschlösschen über den historischen Rhabarberschlitten bis hin zur Lok des aktuellen Industriezuges der Evonik oder einem fiktiven Weihnachtsmarkt mit vielen Tischen, Menschen und anderen winzigen Details am Mondorfer Hafen sowie Schiffen und Fähren aller Art.

Angefangen hatte der inzwischen zur Leidenschaft gewordene Modellbau mit Pappe im Jahr 2010. Das erste Modell der Kallboys war die Mondorfer Laurentiuskirche. Der Kopf hinter den Modellvorlagen ist Holger Moskopp, der gleichzeitig auch als Webmaster bei den Kallboys firmiert. „Das Aufwendigste bei fast allen Modellen ist die Vorabrecherche“, sagt Moskopp. So konnte die Rheidter Mühle nur mithilfe von Dieter Est wieder rekonstruiert werden und dann als Bastelbogen entstehen. Die Hitliste der Bastelbögen führt derzeit der Weihnachtsmarkt an der Rheinallee mit 39.509 Downloads an, gefolgt vom Hafenschlösschen mit 38.647 Downloads und dem weihnachtlichen Mondorf mit 36.989 Downloads.

Die Bastelleidenschaft ist jedoch nicht alles, was die „Jungs“ auf die Beine stellen. Seit 1996 kegeln sie, zunächst gemeinsam mit ihren Frauen. 1999 hat sich daraus, „wegen des zu großen Ehrgeizes der Herren“ der KC Kallboys, bei dessen Mitgliedern die Kugel nur selten in die Kalle rollt, entwickelt.

Eine der ersten Aktivitäten abseits der Kegelbahn war die Erstellung der Webseite. Dort sollte jedoch dann auch was passieren, damit die Menschen öfter klicken. Sie beschlossen, ihre Heimatgeschichte dort niederzuschreiben, animiert durch den Fund mehrerer Bierflaschen bei Bauarbeiten, unter denen sich eine mindestens hundert Jahre alte Bierflasche der einstigen Mondorfer Brauerei Schlimgen befand.

Auch der Bau und Einsturz der Siegauenbrücke interessierte die Kallboys besonders und wie das Leben auf dem sogenannten Balkan ohne Brücke war. Die Bodan-Fähren der Bundeswehr im Jahr 1993 sind per Video auf ihrer Hompage zu sehen. Sie wurden damals eingesetzt, weil die Kennedy-Brücke saniert werden musste und so zusätzlicher Verkehr über den Rhein gebracht wurde.

Als Höhepunkt ihrer Vereinsgeschichte erlebten sie die Teilnahme am Underberg-Musikwettbewerb in Hamburg. Mit ihrem Song, der samt Video auf der Webseite zu bestaunen ist, konnten sich die Kallboys auf Platz drei nach vorne singen. Die treibende Kraft war Dresbach. Aus diesem Song ist dann ihre Clubhymne entstanden, die man sich ebenfalls auf der Webseite ansehen und -hören kann.

Auch für die Zukunft haben die Kallboys noch viele Ideen. Als nächstes Projekt wollen sie Hörspiele zur Geschichte der Stadt aufnehmen. Die werden dann von den Kallboys in einer mobilen Sprecherkabine vorgetragen und mit Geräuschen hinterlegt.

Ein lang ersehntes Projekt ist schon seit Jahren die Anschaffung eines „Kallbusses“. „Wir teilen die Liebe zu außergewöhnlichen Fahrzeugen, deshalb sollte unser Bus möglichst auffällig und auch historisch sein“, sagt Schriftführer Tobias Gilles. Schon lange war die Anschaffung geplant, erst 2018 wurden die Kegler fündig. Sie fanden ein Fahrzeuge und entschieden sich für einen Lkw von Ford Köln, Typ FK 3500 aus dem Jahr 1960.

Noch ist das gute Stück nicht fahrbereit und Gilles mit der Suche nach Ersatzteilen beschäftigt. „Toll wäre es, wenn wir damit schon beim nächsten Karnevalszug dabei wären“, träumen die Kegler. Aktuell sieht es jedoch eher so aus, dass sie ihren karnevalistischen Auftritt mit dem Bus noch ein Jahr verschieben müssen. Sobald die Zulassung vorliegt, soll der rote Laster auch für die Touren des Kegelclubs entlang des Rheins oder aber für das Maibaumsetzen genutzt werden.