GA-Serie Niederkasseler Köpfe

Ilse Mutke aus Niederkassel ist immer in Bewegung

Mit dem E-Bike ist Ilse Mutke unterwegs. An liebsten fährt sie mit ihrem Mann die Flüsse entlang.

Mit dem E-Bike ist Ilse Mutke unterwegs. An liebsten fährt sie mit ihrem Mann die Flüsse entlang.

Niederkassel. Die Ratsarbeit hat die einstige Vize-Bürgermeisterin beendet, ihr Engagement für Kinder, Jugendliche und Senioren aber geht weiter. Die 72-Jährige kämpft unter anderem für mehr Wohnraum für ältere Menschen.

Ilse Mutke hat den Stadtrat verlassen und damit ihr Mandat an ihren Stellvertreter Hilmi Elmas übergeben. Ihr gesellschaftliches Engagement wird die umtriebige Rheidterin damit jedoch nicht aufgeben. Für Mutke war es ihr Leben lang wichtig, für Benachteiligte da zu sein. „Es waren jedoch letztendlich die menschlichen Beziehungen, die mich durch mein Leben geführt haben, mussten stimmen, sonst funktionierte auch mein Engagement nicht“, sagt sie rückblickend.

Ihre Beziehungen, die hat sie in erster Linie natürlich in ihrer Familie, aber auch in ihrem Umfeld gefunden. In der Stadt, in der sie seit über 40 Jahren lebt, ist sie so gut vernetzt, dass sie einspringt, wann immer sie gebraucht wird.

Entsprechend war und ist die 72-Jährige bis heute in vielen Bereichen ehrenamtlich aktiv, sei es bei der Flüchtlingshilfe, der Niederkasseler Tafel „Tischlein deck dich“ oder aber im Kleiderlädchen der SPD, um nur einige Bereiche zu nennen.

„Als wir 1975 nach Niederkassel kamen, lernte ich sehr schnell die Kleiderlädchen-Frauen kennen“, erinnert sie sich. Zwei Jahre später trat sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Harald Mutke in die SPD ein. Dass es die Sozialdemokraten werden würden, daran gab es ohnehin keinen Zweifel, denn Mutkes Vater war damals stellvertretender Bürgermeister im Dorf und ein „ewiges SPD-Mitglied“, sagt sie.

Wichtig für diesen Schritt sei gewesen, dass sich die SPD damals sehr stark für junge Familien eingesetzt habe. Das Ehepaar Mutke hatte drei Kinder. Grund genug, sich für Kinder- und Jugendpolitik in der Stadt zu engagieren. „Wir Neubürger haben damals Fußgänger-Überwege gesichert und Autos gezählt“, erinnert sich Mutke. Das sei für die ortsansässigen Niederkasseler sehr ungewohnt gewesen.

16 Jahre lang im Presbyterium der evangelischen Kirche aktiv

Ilse Mutke stellte ihre politischen Aktivitäten zurück, als sie sich entschloss, ihr Abitur am Abendgymnasium nachzuholen. Danach studierte sie in Bonn von 1982 bis 1986 Psychologie. „Ich war vormittags an der Uni und ging nachmittags dann nach Hause, um meine Kinder zu versorgen“, sagt sie. Am Nachmittag seien dann die jüngeren Kommilitoninnen in der Uni gewesen. Man habe füreinander mitgeschrieben und Informationen ausgetauscht. Auf diese Weise schaffte Mutke mit 42 Jahren ihren Abschluss in Psychologie.

Sie arbeitete in unterschiedlichen Projekten, zuletzt beim diakonischen Werk. Dort war sie zuständig für Reha-Maßnahmen, Umschulungen oder Integration. „Das habe ich bis 2003 gemacht, dann bin ich in den vorzeitigen Ruhestand gegangen.“ Zeitgleich war Mutke 16 Jahre lang im Presbyterium der evangelischen Kirche aktiv. Erst 2009 wurde Mutke wieder für ihre Partei aktiv und war als Ratsmitglied von 2009 bis 2014 gleichzeitig stellvertretende Bürgermeisterin in der Stadt.

Ihre Schwerpunkte bleiben an erster Stelle die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und dann die mit Senioren. „Seit mehreren Jahren kämpfe ich für mehr Wohnraum für ältere Menschen in der Stadt“, sagt Mutke. Sie habe bei der ehemaligen Ministerin für Jugend, Frauen und Gesundheit, Ursula Lehr, gelernt, dass Menschen im Seniorenheim wesentlich schneller altern, weil man ihnen ihre Verantwortung nimmt. „Ich bin ein großer Verfechter des Wohnungstausches“, schwärmt sie. Denn derzeit gebe es viele alte Menschen, die in viel zu großen Häusern lebten, auf der anderen Seite suchten junge Familien händeringend nach Wohnraum.

Mutke freut sich, in Zukunft mehr Zeit für ihre Hobbys zu haben

Aktuell ebenfalls großes Thema bei Mutke ist die Unterstützung der vielen Flüchtlinge, die seit 2015 nach Niederkassel kamen. „Angela Merkel hat uns alle überrascht. Was hätten wir tun sollen“, sagt sie lapidar. Die Menschen seien in Turnhallen untergebracht worden. Die Kinder seien mit durchgelaufen Schuhsohlen angekommen, und warme Kleidung habe es nicht gegeben.

„Es ist dringend notwendig, Strukturen so zu gestalten, dass alle wissen, worum es geht“, resümiert sie das Erlebte in der Arbeit mit Flüchtlingen. Wichtig sei jedoch auch, dass man die Flüchtlinge nicht als Bedrohung ansehe. „Die Menschen haben kein Zuhause und auch hier keine Perspektiven.“

Mutke freut sich nun darauf, in Zukunft mehr Zeit für ihre Hobbys zu haben. Dazu gehört vor allem das Fahrradfahren. „Wir haben uns jetzt zwei rote E-Bikes gekauft“, freut sie sich auf Touren mit ihrem Mann. Vor allem Fluß-Touren waren und sind ein großes Faible der beiden, die die Ems, die Oder, die Weser oder die Elbe schon per Rad abgefahren haben.