Standortentwicklung

Evonik räumt Flächen in Lülsdorf frei

Niederkassel. Am Evonik-Standort in Niederkassel-Lülsdorf sollen sich auf einem 50 Hektar großen Areal chemienahe Unternehmen und Logistikfirmen ansiedeln. Dazu soll ein neues Containerterminal mit neuer Schienenanbindung gebaut werden.

Neue Chefs und freie Flächen gibt es am Chemiestandort der Evonik in Lülsdorf. Wann sich dort erste neue Firmen ansiedeln, dazu gibt es derzeit aber noch keine Informationen von den Verantwortlichen. Drei Projekte mit unterschiedlicher Verantwortung greifen ineinander: Das Trimodale Containerterminal, die Schienenanbindung auf dem Evonik-Gelände und die Ansiedlung neuer Firmen. Zuständig für die Vermarktung der insgesamt rund 50 Hektar großen Fläche im Norden und Süden des Areals der Evonik am Standort Lülsdorf ist die dev.log GmbH, die nach dem Joint Venture zwischen der Evonik und der duisport AG 2015 gegründet wurde.

Verantwortlich für die Entwicklung sind Arndt Selbach, der neue Standortleiter der Evonik, der seit dem 1. Dezember 2017 in Lülsdorf und Wesseling das Sagen hat, und Dirk Müller, der zum Jahresbeginn in die Geschäftsführung der dev.log GmbH aufrückte. Beide sind schon lange im Geschäft, und das auch bei der Evonik. Während Müller bereits auf 38 Jahre Betriebszugehörigkeit zurückblickt, ist Selbach seit dem Jahr 2000 im Unternehmen und seit 2010 am Standort Wesseling bei der Evonik tätig.

Die Flächen, auf denen sich neue Firmen ansiedeln sollen, sind geräumt. Letzte Arbeiten werden derzeit erledigt. Nicht mehr benötigte Industrieanlagen wurden beseitigt.

Auch wenn das Tempo offenbar nicht so schnell ist wie zunächst geplant: Selbach und Müller sind weiterhin optimistisch: „Der Bebauungsplan ist in Arbeit, ein Lärmgutachten liegt derzeit bei der Bezirksregierung zur Genehmigung vor“, berichtet Selbach über den Sachstand der Planungen rund um die Neuansiedlung von chemienahen Firmen sowie Logistikunternehmen. Zusätzlich werde ein Verkehrsgutachten erstellt, das noch in diesem Quartal bis Ende Juni fertiggestellt sein soll und dann in das Lärmgutachten einfließt. Ebenfalls in Auftrag gegeben wurde eine Machbarkeitsstudie zu besseren Schienenanbindungen als über das aktuell genutzte Gleis des einstigen Rhabarberschlittens. „Hier wäre natürlich eine direktere Streckenführung Richtung Wahn/Lind in unserem Interesse. Wir werden sehen, ob die Machbarkeitsstudie das hergibt“, sagt Selbach.

„Die Studie untersucht alternative Streckenführungen für den Güterverkehr, denn die Gleisführung des Rhabarberschlittens führt stellenweise sehr nahe an der Wohnbebauung vorbei“, ergänzt Müller, der in Niederkassel groß geworden ist und die Problematik kennt. Derzeit fährt die Industriebahn maximal viermal am Tag durch Niederkassel Richtung Troisdorf oder in die Gegenrichtung. Mit dem neuen Trimodalen Terminal wird sich die Zahl der Fahrten verdoppeln, sagt Selbach.

Auch auf der Straße wird der Lastwagenverkehr mit der Standortentwicklung zunehmen. „Wir wollen den vorhandenen Platz effektiver nutzen als heute und würden selbstverständlich einen direkten Anschluss an die B 8 begrüßen, ohne dass die Laster durch Wahn fahren müssen“, so Selbach. Die neue Rheinbrücke werten beide als „essenziell“ für die Entwicklung der rechten Rheinseite.

Eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung am Lülsdorfer Evonik-Standort ist das neue Trimodale Containerterminal, das gleich neben dem Salzkran entstehen soll und so den Umschlag der Container auf Schiffe, auf die Bahn sowie auf die Straße und umgekehrt realisieren soll. Der Bau wiederum liegt in der Verantwortung der duisport AG, die sich auf GA-Anfrage nicht dazu äußern wollte. Man wolle erst nach Abschluss aller Genehmigungsverfahren dazu etwas sagen, heißt es aus der Pressestelle. Die Fertigstellung sei für Ende 2019 geplant.

Grundsätzlich biete dieses neue Terminal die Möglichkeit, viel Verkehr von der Straße auf Schiffe zu verlagern, meint Selbach. Der Containerverkehr, der jetzt zunächst per Lastwagen zum Eifeltor gebracht werden müsse, könne dann schon in Lülsdorf aufs Schiff. Die Container, die vom Schiff in Lülsdorf auf die Schiene verladen werden, müssen auf einem neuen Gleis in einem großen Radius über das Werksgelände geführt werden. „Das lässt den Zug geschmeidiger fahren, und die Waggons krächzen nicht“, meint Müller. „Dadurch ist Lärm für die Anwohner kein Thema“, versprechen die beiden Führungskräfte. Auch der Wald entlang der Evonik-Mauer soll weitestgehend von Abholzung verschont werden. „Wir sind daran interessiert, dass wir die Bevölkerung möglichst wenig beeinträchtigen“, sagt Müller. Nicht vergessen werden dürfe bei all dem jedoch, dass es bei dem Projekt auch um Standortsicherung und Arbeitsplätze gehe. Knapp 500 Mitarbeiter sind aktuell am Lülsdorfer Evonik-Standort beschäftigt. Das sei zu wenig, um den Standort zu erhalten. Aber Interesse von Firmen, die sich dort ansiedeln wollten, gebe es schon jetzt, sagt Müller. Auch wenn die Fortschritte offenbar nur mühsam erzielt werden: „Wir machen das lieber vernünftig als auf die Schnelle“, stellt der dev.log-Geschäftsführer klar. Schließlich soll das „vernünftige Miteinander mit den Niederkasselern“ unbedingt beibehalten werden.