GA-Serie Köpfe

Ein Niederkasseler Hausarzt mit Herz

Ein gutes Team: Der Niederkasseler Hausarzt und seine Ehefrau Christiane.

Ein gutes Team: Der Niederkasseler Hausarzt und seine Ehefrau Christiane.

Niederkassel. Der Niederkasseler Hausarzt Peter Lau fürchtet nach seinem Ausscheiden um einen ausbleibenden Nachfolger. Für seinen Traum, selbstständig zu werden, verschuldete sich der der Mann damals mit 500.000 Mark.

„Wenn ich hier aufhöre, dann wird es auf absehbare Zeit sicher keinen neuen Hausarzt mehr in Niederkassel geben“, sagt Peter Lau. Dies sind die Sorgen, die den 70-jährigen Arzt, der seit 1981 in Niederkassel-Ort als Allgemeinmediziner, Hausarzt und Sportarzt tätig ist, umtreiben. Bevor sich der aus der Leichtathletik kommende Mediziner in Niederkassel niederließ, war er acht Jahre während seiner Ausbildung zum Hausarzt in verschiedenen Krankenhäusern tätig. „Ich musste viele Abteilungen durchlaufen und habe als Arzt sogar rund 200 Kinder auf die Welt geholt,“ so Lau im Rückblick.

Seine Patienten liegen dem Mediziner ganz besonders am Herzen, und er genießt deren Wertschätzung. Daher ist er mit der derzeitigen Situation, nicht nur in Niederkassel, sehr unzufrieden. „Keiner möchte mehr eine Hausarztpraxis übernehmen. Die jungen Mediziner bleiben lieber im Krankenhaus als angestellte Ärzte mit einem sicheren Einkommen und festen Arbeitszeiten, als das Risiko einer eigenen Praxis einzugehen. Ich habe mich damals mit 500.000 Mark verschuldet, um meinen Traum von der Selbstständigkeit zu verwirklichen,“ so Lau. Darüber hinaus plädiert er für eine intensive Weiterbildung von Hausärzten und bessere Arbeitsbedingungen.

Das Gefühl, gebraucht zu werden, veranlasste ihn, gemeinsam mit seiner Ehefrau Christiane, in Niederkassel eine Herzsportgruppe zu gründen. Angefangen hatte alles in den 1980er Jahren an der Kölner Sporthochschule, als Professor Richard Rost den Aufbau einer Herzsportgruppe initiierte. Christiane Lau, die Sport auf Lehramt sowie Geschichte und Rehasport studierte, interessierte sich für diese Art des Präventionssports und half mit bei der Aufbauarbeit. „Wir trainieren Menschen mit chronischen Herzkrankheiten, individuell und unter ärztlicher und sportwissenschaftlicher Betreuung. Wir vermitteln in einer entspannten Atmosphäre ein vielfältiges Bewegungsprogramm mit Aufwärmen sowie einem Gymnastik- und Ausdauerteil. Zwingende Voraussetzung hierbei ist, dass bei jeder Trainingseinheit ein Arzt und ein ausgebildeter Übungsleiter dabei sind,“ sagt Christiane Lau. So lernte sie ihren späteren Ehemann an der Sporthochschule kennen, und gemeinsam gründeten sie 1987 in Niederkassel eine Herzsportgruppe.

Nach 30 Jahren aufgehört

Eine Herzensangelegenheit wurde die Koronargruppe im doppelten Sinn, denn 1993 heiratete man, und noch im gleichen Jahr kam ein Sohn zur Welt, der mittlerweile auch Medizin studiert. „Dreißig Jahre trainierten wir jeden Freitagabend zwei Stunden mit den jeweiligen Mitgliedern der Sportgruppe. In dieser Zeit haben wir mit den rund 150 Teilnehmern 1200 Übungsabende verbracht,“ so Lau, der als Arzt für seine ehrenamtliche Tätigkeit kein Honorar erhielt. „Wir waren eine Einheit und haben viel gemeinsam unternommen. Manche Patienten waren 15 Jahre lang dabei. Dabei stand immer das Gespräch im Vordergrund, einfach Hilfe zur Selbsthilfe“, so Christiane Lau.

Nach 30 Jahren hat das Ehepaar schweren Herzens aufgehört. Die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich schwierig, denn gleichzeitig einen Übungsleiter mit Qualifikation und einen Arzt zu finden, die gemeinsam jede Woche regelmäßig eine Gruppe betreuen, ist sehr schwer. „Ich arbeite am Berufskolleg und bilde dort Gymnastiklehrer aus. Daher hatte ich die Hoffnung, Nachfolger zu finden, was sich leider nicht ergeben hat“, so die Ehefrau. Zurzeit hat sich daher beim FC Hertha Rheidt eine Sportgruppe gegründet, die sich „Seniorensport mit Herz“ nennt und auf eigenes Risiko trainiert.

Neben seiner Tätigkeit als niedergelassener Arzt war Lau aber in all den Jahren auf vielen weiteren Gebieten aktiv. So über 20 Jahre als Ortsvereinsarzt beim DRK und beim Fernsehen in der WDR-Sendung „Check-up“. in der „Aktuellen Stunde“ beantwortete er Gesundheitsfragen der Zuschauer. Weiterhin kam er als Rettungsarzt für die Björn-Steiger-Stiftung und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) durch die ganze Welt. Rettungseinsätze von Mogadischu bis zur Mayo Clinic in den USA waren interessante Stationen, die er neben seinen Tätigkeiten als Facharztprüfer, Mitglied der Kassenärztlichen Vereinigung, Abgeordneter der Ärztekammer und seiner jahrzehntelangen Tätigkeit in der Gesundheitspolitik mit viel Engagement absolvierte. Das wiederum belegen auch zahlreiche Auszeichnungen und Ehrenmitgliedschaften.

Auch sportlich ist das Ehepaar sehr vielfältig unterwegs. Während Ehefrau Christiane mit Inlinern über den Rheindamm läuft und auch den Modern Dance pflegt, sucht ihr Ehemann die Herausforderung beim Badminton. Das bevorzugte Urlaubsland sind die Niederlande, wo die Familie an den Stränden der Nordsee gemeinsame Erholung sucht. Peter Lau reist auch mal gerne mit guten Freunden nach Irland oder quer durch Europa.