Rheinbrücke zwischen Wesseling und Niederkassel

"Die Chance war noch nie so groß"

Blick vom Rechtsrheinischen auf den Godorfer Hafen: Auf diesem Rheinabschnitt könnte eine weitere Rheinbrücke entstehen. FOTO: HOLGER ARNDT

Blick vom Rechtsrheinischen auf den Godorfer Hafen: Auf diesem Rheinabschnitt könnte eine weitere Rheinbrücke entstehen.

RHEIN-SIEG-KREIS. Als der heutige Niederkasseler Bürgermeister Stephan Vehreschild 1987 nach Ranzel zog, nahm er eine Straßenkarte zur Hand. Da war auf dem Rhein eine Brücke eingezeichnet. Gestrichelt, denn sie sollte erst noch gebaut werden.

Diese Rheinquerung zwischen Wesseling und Niederkassel gibt es heute noch nicht, vielmehr galt sie über Jahrzehnte als ewiges planungspolitisches Phantom. Doch der Wind hat sich gedreht. Das Land will die Brücke - als Querverbindung zwischen A 553, A 555 und A 59 - im Bundesverkehrswegeplan 2015 verankern. Flankiert werden die Bemühungen von einer breiten Allianz aus Politik und Wirtschaft.

"Das Thema bekommt gerade eine neue Qualität"

So hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) jetzt ein eindringliches Schreiben pro Rheinbrücke bekommen, das unter anderem von Sebastian Schuster und anderen Landräten, vom Bonner und vom Kölner Oberbürgermeister, von Bundestagsabgeordneten, Wirtschaftsverbänden und dem Verkehrsverbund Rhein-Sieg getragen wird. "Das Thema bekommt gerade eine neue Qualität", sagt Vehreschild, selbst Unterstützer des Schreibens.

"Wir brauchen diesen Bypass - einerseits wegen des Wachstums der Region, andererseits wegen der ganzen Brückenbaustellen, die im Land anstehen." Dass der Bund Neubauprojekte vor allem nach volkswirtschaftlichem Nutzen betrachtet, sei ihm bewusst. "Den kann sich jeder ausrechnen, der mit einem Taschenrechner umgehen kann", sagt Vehreschild.

Neue Ost-West-Verbindung würde Route erheblich kürzen

Wer heute vom Godorfer Hafen zum Flughafen Köln/Bonn will, muss über eine der Kölner Brücken oder über die Bonner Nordbrücke. Das bedeutet einen Weg von 25 beziehungsweise 40 Kilometern. Mit einer neuen Ost-West-Verbindung über den Rhein wäre die Route erheblich kürzer.

Die Unterstützer heben in ihrem Schreiben an Dobrindt hervor, dass auf diese Weise die Kölner Autobahnkreuze entlastet würden. Zugleich sehen sie die Rheinquerung als Chance, das Schienennetz zu ergänzen. Das kommt dem Güterverkehr - Stichwort Köln-Eifeltor - wie auch dem Personenverkehr zugute. "Der fragile Bahnknoten Köln kann dadurch entlastet werden", heißt es in dem Brief an Dobrindt weiter.

Kostenschätzungen von circa 200 Millionen Euro

Der Bund muss jetzt prüfen, ob das Projekt in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird. Erste vorsichtige Kostenschätzungen des Landes gingen von 200 Millionen Euro aus.

"Wir werden im nächsten Jahr eine Entscheidung haben", sagt Willi Kolks, Abteilungsleiter Planung beim Landesbetrieb Straßenbau in Köln. "Wenn wir grünes Licht bekommen, kann die Planung beginnen."

Brücke zwischen Wesseling und Godorfer Hafen

Diese würde bei Null starten, weil es bislang nie konkrete Pläne gab. "Naheliegend" wäre es laut Kolks, die Brücke zwischen Wesseling und dem Godorfer Hafen an die L 150 anzuknüpfen. An dieser Querverbindung liegen die Anschlussstelle Godorf der A 555 und das Ausbauende der A 553 nahe Brühl.

Kommt die Rheinbrücke, müsste die L 150 ausgebaut werden - womöglich sogar als neuer Autobahnabschnitt. Rechtsrheinisch würde die Brücke etwa bei Rheinkilometer 671,5 zwischen Lülsdorf und Langel andocken. Sie würde dort eine neue Anbindung benötigen, auch dazu liegt noch keine Planung vor.

Nur für den letzten Abschnitt zwischen Niederkassel und Troisdorf gibt es einen Ansatz: die Ranzeler Ortsumgehung L 274 n, über die dann die Verknüpfung mit A 59 und B 8 hergestellt würde.

Die Zukunft dieser Straße war seit 2011 offen, doch jetzt befürwortete das NRW-Verkehrsministerium die Fortsetzung der Planung. "Wir sind da insgesamt ganz gut unterwegs", sagt Planer Kolks. "Die Chance für eine Realisierung der Rheinquerung waren noch nie so groß wie jetzt."

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