Nutzung nach dem Kiesabbau

Der Traum vom Bade- und Freizeitsee in Niederkassel

Blick vom Heißluftballon aus auf die Kiesgruben in Niederkassel an der L269. Nach Ende des Kiesabbaus werden die Flächen renaturiert.

Blick vom Heißluftballon aus auf die Kiesgruben in Niederkassel an der L269. Nach Ende des Kiesabbaus werden die Flächen renaturiert.

Niederkassel. Der Baggersee in Niederkassel wäre für Freizeitnutzung geeignet, wenn 2021 die Auskiesungsrechte enden. Wie der Badesee finanziert werden soll, steht indes noch nicht fest.

Für das Wochenende sind wieder hochsommerliche Temperaturen angekündigt. In Niederkassel ist allerdings noch nicht Zeit für einen Badesee. Im Jahr 2021 laufen die Auskiesungsrechte in der Kiesgrube an der Spicher Straße aus. Erst ab dann könnte der Traum von einem Bade- und Freizeitsee, der bereits seit Jahrzehnten in Niederkassel geträumt wird, theoretisch Wirklichkeit werden. „Bis 2022 muss die Grube renaturiert werden“, sagt der Technische Beigeordnete Stephan Smith auf GA-Anfrage. Die letzten Pläne der Verwaltung sahen so aus, dass die Landzunge bestehen bleibt und möglicherweise von den Badegästen als eine Art Badestrand genutzt werden könnte. Die Eigentümerin und Geschäftsführerin der Sand- und Kiesbaggerei (SHK), Klara Schiffer-Kossek, wiederholte allerdings auf Nachfrage des GA, dass sie keinerlei Informationen über die Badeseepläne habe.

Auch die Hoffnung, europäische Fördergelder über das Integrierte Handlungskonzept „Grüne Infrastruktur“ zu bekommen, wurde Anfang 2018 zu Grabe getragen, denn die beantragten Projekte aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis, zu denen auch der Badesee zählte, wurden nicht in die Förderung aufgenommen. Wie der Badesee finanziert werden soll, dazu gibt es aktuell keine konkreten Pläne aus dem Niederkasseler Rathaus. Derzeit dürfe der westliche Teil der Seen noch weiter ausgekiest werden. Im Osten sei nur noch eine Auskiesung in die Tiefe, jedoch nicht mehr an den Seiten möglich, skizziert Smith den aktuellen Sachstand. Zudem habe der Rhein-Sieg-Kreis bereits Teile des östlichen Baggersees und dessen Uferbefestigung abgenommen und für geeignet erklärt, sagt Smith. Grundsätzlich weise das Projekt Badesee noch weit in die Zukunft. „Wir haben es jedoch im Blick“, verspricht der Beigeordnete.

Noch vor einigen Jahren waren sich Verwaltung und Rat sicher, den Baggersee in Mondorf zum Badesee umgestalten zu können. Dann jedoch kamen ihnen die mausernde Tauchente und andere Zugvögel dazwischen. Sie hatten sich zwischenzeitig an dem Baggersee, der ebenfalls aus einer stellgelegten Kiesgrube entstanden ist, angesiedelt. Mit dem Artenschutzgutachten musste sich die Stadt deshalb von der Idee, den Mondorfer See als Freizeitsee zu nutzen, verabschieden. Auch die Ratsmitglieder taten dies eher widerwillig. Das war im Herbst 2015 und sorgte im Umwelt-, Verkehrs- und Planungsausschuss seinerzeit für viel Frust. Der damalige Beigeordnete Helmut Esch stellt jedoch klar, dass der Mondorfer See aus Sicht des Artenschutzes so hochwertig sei, dass dort eine Freizeitnutzung nicht möglich werde. In Mondorf wird daher der Natur- und Artenschutz in Zukunft Vorrang haben, während in Niederkassel die Freizeitnutzung für Wassersportler und Erholungssuchende ermöglicht werden soll. Das Thema Badesee hat schon viele Sommer überdauert: Es wird im Rat seit 1973 immer wieder diskutiert.