Übergangsheim in Lohmar

Zwei Kinder bei Sturz aus Fenster schwer verletzt

01.02.2016 Lohmar. In einer Übergangsunterkunft für Flüchtlinge sind am Montagnachmittag in Lohmar zwei Kinder bei Stürzen aus Fenstern schwer verletzt worden. Laut Polizei besteht der Verdacht, dass ihr 35 Jahre alter Vater sie aus dem Obergeschoss des zweistöckigen Gebäudes gestoßen haben soll.

Zur Klärung des Sachverhalts richteten Polizei und Staatsanwaltschaft eine Mordkommission ein. Wie Stefan Birk, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Rhein-Sieg, der Presse vor Ort sagte, hatte gegen 16.35 Uhr eine Zeuge die Polizei alarmiert. Der Mann habe beobachtet, wie aus einer der beiden Obergeschosswohnungen des zweistöckigen Hauses an der Hauptstraße Kinder gestürzt oder gestoßen worden seien.

"Wir haben dann hier vor Ort festgestellt, dass ein siebenjähriges Mädchen und ein fünfjähriger Junge verletzt waren", so Birk. Beide hätten schwere Verletzungen erlitten und seien deshalb mit einem Rettungswagen und einem Rettungshubschrauber in die Bonner Uni- sowie die Köln-Merheimer Unfallklinik gebracht worden.

Nach ersten Erkenntnissen war auch der einjährige Bruder der beiden Geschwister betroffen. Wie die Polizei am Abend mitteilte, blieb das Kleinkind unversehrt und wurde nur zur Untersuchung in die Sankt Augustiner Kinderklinik eingeliefert.

Da laut Birk nicht ausgeschlossen werden konnte, dass der 35-jährige Vater der Kinder den Jungen und das Mädchen nacheinander aus den beiden unterschiedlich gelegenen Fenstern der Wohnung gestoßen haben könnte, sei der Mann in Absprache mit der Bonner Staatsanwaltschaft wegen des Verdachtes eines versuchten Tötungsdeliktes festgenommen worden. Kurze Zeit später richteten Polizei und Staatsanwaltschaft eine Mordkommission ein. Diese begann noch am Abend mit ersten Spurensicherungsmaßnahmen zur Rekonstruktion des Geschehens.

Welche Gründe der Vater für sein mögliches Handeln gehabt haben könnte, darüber herrschte am Montag noch Unklarheit. Auch dazu, ob er zum Zeitpunkt des Vorfalls alleine mit den Kindern in der Wohnung war, konnte die Polizei zunächst nichts sagen. Später hieß es, dass die Mutter den Einjährigen zumindest in die Kinderklinik begleitet habe.

Nach GA-Informationen war die Familie erst im Dezember in den Räumlichkeiten des Übergangswohnheimes untergebracht worden. Die Flüchtlinge sollen der deutschen Sprache nicht mächtig und auf Übersetzer angewiesen sein. Die Stadt hatte das ehemalige China-Restaurant, das an der Hauptstraße/Ecke Mühlenweg liegt, vor einigen Monaten von den langjährigen Eigentümern gekauft und zur Notunterkunft umgebaut.

Wie Mitarbeiter der Stadt vor Ort sagten, sind dort derzeit 28 Menschen verschiedener Herkunft untergebracht. Zwei Familien teilen sich dabei jeweils eine der Wohneinheiten im Erd- sowie Obergeschoss des Hauses. Je ein Wohnraum sowie eine Küche und ein Badezimmer stehen ihnen zur Verfügung.

Wegen der Rettungsmaßnahmen und der Ermittlungen durch die Polizei gab es rund fünf Stunden nur schwer ein Durchkommen durch das Lohmarer Stadtzentrum. Die Hauptstraße, gleichzeitig Bundesstraße 484, war in Höhe der Übergangsunterkunft bis um 21.30 Uhr voll gesperrt. (Jens Kleinert)