Bodelschwingh-Gymnasium Herchen

Windecker Schüler in Kamerun überfallen

WINDECK. Wilhelm Neef weiß sicher, dass er weiterhin nach Kamerun reisen wird. Doch ob er in Zukunft seine Schüler dorthin mitnehmen kann, ist unsicher: "Ich möchte im Bewusstsein hinfahren, dass ich alle wieder heil zurückbringe."

Dieses sichere Bewusstsein ist dem Lehrer des Bodelschwingh-Gymnasiums in Windeck-Herchen genommen worden, als zwei Männer mit einer Kalaschnikow bewaffnet in das Schulgebäude eindrangen, in dem eine Gruppe von Lehrern und Schülern untergebracht war.

Der Vorfall ereignete sich in der Nacht auf den 17. April während einer Reise im Rahmen des Projekts Partnership Work Project (PSWP) in den tropischen Regenwald bei Mamfe nahe der südlichen Grenze zu Nigeria. Ob das seit mehr als 20 Jahren bestehende Projekt weiter durchgeführt werden kann, sei fraglich, sagte Initiator und Organisator Wilhelm Neef dem General-Anzeiger gestern.

Er unterrichtet seit 22 Jahren Mathematik und Physik am BGH. Alle zwei Jahre fährt er mit einer Gruppe von Lehrern und Schülern der Stufen 10 und 11 nach Kamerun, um dort gemeinsam mit Partnern der Presbyterian High School Besongabang (PHS) auf dem Schulgelände zu arbeiten.

Das taten sie auch in diesem Jahr. Geplant war ein rund vierwöchiger Aufenthalt, bei dem unter anderem an einem Internatshaus, einem unterirdischen Wasserspeicher und einer Photovoltaikanlage gearbeitet wurde. Diese Projekte konnten nicht beendet werden, weil das dafür vorgesehene Geld gestohlen wurde. Dieses Mal hatten die Schüler aus Deutschland und Kamerun außerdem gemeinsam ein Musical einstudiert, das zum Abschluss der Reise aufgeführt werden sollte. Dass diese nun vorzeitig abgebrochen werden musste, bezeichnet Neef als "besonders bitter und tränenreich".

Wie Neef berichtet, hatten die zwei Männer zunächst eine Hintertür des Hauses aufgebrochen, in dem die Mädchen übernachteten. Einer der beiden sei mit einer Kalaschnikow bewaffnet gewesen, der andere habe sich eine Machete, die ein Schüler vor Ort gekauft hatte, genommen. Die Männer nötigten eine der Schülerinnen, sie zu Neefs Zimmer zu führen. Dort wurde das gesamte Bargeld der Gruppe aufbewahrt.

Als die Täter vor seiner Tür gestanden hätten, sei er dem Bewaffneten, der sein Gewehr auf den Boden und nicht auf einen der Anwesenden gerichtet habe, zunächst entgegengetreten und habe ihn wieder aus dem Haus gedrängt, berichtet Neef. "Dann hat mir der andere, deutlich größere Mann aber mit der flachen Seite der Machete auf die Schulter geschlagen." Der Lehrer gab den Räubern zunächst 1,5 Millionen CFA-Franc (umgerechnet 2000 Euro).

Der größere habe ihn dann gezwungen, im Zimmer die Geldkassetten zu öffnen und das gesamte Geld herauszugeben. Durch den Verkauf eines Lieferwagens, den die Gruppe aus Deutschland hatte einschiffen lassen, war zu diesem Zeitpunkt ungewöhnlich viel Geld im Haus. Die Männer nahmen auch mehrere elektronische Geräte mit. Verletzt wurde niemand.

Wilhelm Neef hält es für sehr unwahrscheinlich, dass die kamerunischen Partner der Windecker etwas mit dem Überfall zu tun haben, etwa den Täter Tipps gegeben haben könnten. "Dass wir hier waren, war in der Region auch über die Schule hinaus durch Radioreklamen bekannt, außerdem sind wir in zwei Gottesdiensten vorgestellt worden", sagte Neef.

Die Täter seien ihm vorgekommen wie Soldaten und hätten Französisch miteinander gesprochen, während die Kameruner, mit denen das Gymnasium zusammenarbeite, englischsprachig seien. Am Morgen nach dem Raub seien viele Menschen aus dem Dorf und von der Schule vorbeigekommen und hätten sich entsetzt und enttäuscht über die Tat gezeigt.

Am Montag, dem ersten Schultag nach den Osterferien, unterrichtete die Projektgruppe Schüler, Lehrer und Eltern über den Vorfall. "Alle betrachten das Geschehene sehr differenziert", betonte Neef. Die Schülerin, die bedroht wurde, habe zwar derzeit Einschlafschwierigkeiten, aber seiner Einschätzung nach kein Trauma. "Wir dürfen über diesen einen Zwischenfall nicht die vielen positiven Erfahrungen, die wir gemacht haben, vergessen."