Serie "Ich sehe was, was du nicht siehst..."

So sieht es in der alten Aggerhütte in Lohmar aus

Lohmar. In unserer Serie "Ich sehe was, was du nicht siehst…" nehmen wir Leser mit an Orte, an die sie sonst nicht kommen. Diesmal geht es in die Aggerhütte nach Lohmar.

Die Straße nach Overath durch den Norden Lohmars säumen Wiesen, Weiden und Fachwerk-Bauernhöfe. Der 25 Meter hohe Backstein-Koloss mit seinen gemauerten Fabrikschloten ragt wie ein Fremdkörper in die ländliche Idylle des heutigen Stadtteils Honrath.

Die Honrather Hütte, auf deren Grund 1855 eine Erzaufbereitungsanlage entstand, ist für das Jahr 1793 belegt, wie Harald Bertsch vom Heimatverein Dahlhaus schreibt. Hier wurden im 18. Jahrhundert Kupfererze verhüttet. Der Name Aggerhütte blieb bis heute bestehen und hat auch der kleinen Ansiedlung dort ihren Namen gegeben.

1855 baute die „Honrather Gewerkschaft“ dort die Erzaufbereitungsanlage für die Gruben Aurora, St. Georg und Volta. Doch die Aggertalbahn, die 1884 eingeweiht wurde, kam für den Betrieb zu spät: Er musste schon bald eingestellt werden. 1876 stand das Gebäude zum Verkauf.

Zunächst fand sich kein Käufer, weil die Lohmarer sich erfolgreich gegen die Ansiedlung einer chemischen Fabrik wehrten. 1903 dann kehrte die Industrie mit einem Kölner Untenehmer zurück. Er baute auf dem Grundstück ein "Extractionswerk" mit Knochenmühle - das bis heute markante rot-gelbe Klinkergebäude. Dort wurden täglich bis zu 20 Tonnen Tierknochen ausgekocht und so entfettet, um sie unter anderem zu Knochenmehl weiterzuverarbeiten. Zudem wurde hier nun Dünger hergestellt - aus stickstoffhaltiger Moorerde und menschlichen Fäkalien.

 

1940 endete die Produktion im Extraktionswerk - es war immer ein Fremdkörper im Aggertal geblieben. In der Folgezeit gab es zahlreiche Besitzerwechsel und unterschiedliche Nutzungen. So wurden die Anlagen im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmt und von der Rüstungsindustrie genutzt. Auch dienten sie schon als Busdepot. Heute gehören sie der Firma Heikoflex GmbH, früher defa Folien, einer Foliendruckerei, die jedoch nur noch eine Halle als Lager nutzt.

Das markante Gebäude blieb bis heute zumindest äußerlich kaum verändert. Die Stadt Lohmar stellte die Aggermühle unter Denkmalschutz, was wegen der entsprechenden Auflagen für die Besitzer Vermietung und Renovierung schwierig macht. Im Inneren zerfällt die alte Fabrik von Jahr zu Jahr mehr. Wie sie künftig genutzt werden kann und soll, ist fraglich. Zurzeit steht sie zum Verkauf, wie die Stadt Lohmar auf GA-Anfrage mitteilt. Sie wurde als Projekt in den Themenspeicher der Regionale 2025 eingebracht, berichtet Stadtsprecherin Elke Lammerich.

Ziel der Stadt ist demnach eine nachhaltige Folgenutzung für das Denkmal, die die dringend notwendige Sanierung des Baudenkmals und die denkmalgerechte Gestaltung des Umfeldes beinhaltet".

 

Die Serie Ich sehe was, was du nicht siehst... gewährt Lesern Eindrücke von Orten, an die sie sonst nicht kommen. In dieser Folge geht es in die Aggerhütte in Lohmar.