Pädagogen und Eltern begrüßen Pläne

Linksrheinische Gymnasien wollen Rückkehr zu G9

Eine Schülerin der Oberstufe streicht am 01.04.2014 an einem Gymnasium in Straubing (Bayern) «G8» an einer Tafel durch, daneben lässt sie «G9» unberührt. (Archivbild)

Eine Schülerin der Oberstufe streicht am 01.04.2014 an einem Gymnasium in Straubing (Bayern) «G8» an einer Tafel durch, daneben lässt sie «G9» unberührt. (Archivbild)

Rhein-Sieg-Kreis. Die Signale aus Düsseldorf, das sogenannte „Turbo-Abitur“ G8 zu kippen, möchten die linksrheinischen Gymnasien schnell umsetzen. Die Rückkehr zum Vorgänger-Modell G9 wird von Schulleitungen, Lehrern und Eltern begrüßt.

Stefan Schwarzer hat es eilig. Der Direktor des Städtischen Gymnasiums Rheinbach (SGR) drückt beim Abitur nach neun Jahren aufs Tempo. Die Signale aus Düsseldorf, das sogenannte „Turbo-Abitur“ zu kippen, möchte Schwarzer rasch in die Tat umsetzen. Dass die neue Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) einen Gesetzentwurf ankündigt, der das Aus für das Abitur nach acht Jahren Gymnasium (G 8) möglich macht, begrüßt der Rheinbacher Schulleiter im Gespräch mit dem General-Anzeiger. „Die neue Landesregierung hat eine für unsere Schule günstige Entscheidung getroffen“, sagt Schwarzer.

Falls möglich, wolle seine Schule schon zum Schuljahr 2018/2019 zum Reifezeugnis nach neun Jahren (G 9) zurückkehren. „Wir glauben, dass sich daraus viele Vorteile ergeben, ohne dass es Nachteile mit G 8 gab“, bekundet er. Mit der raschen Umsetzung des Vorstoßes der neuen schwarz-gelben Landesregierung setze er den erklärten Elternwillen um, sagt Schwarzer. „Wir versprechen uns davon eine Reduktion der Belastungen für die Schüler“, so der Schulleiter.

„Im Kollegenkreis haben wir diese Entscheidung sehr begrüßt“, ergänzt Claudia Spittel, Lehrerin und Pressesprecherin des SGR. Viele Kinder seien mit G 9 besser aufgehoben, glaubt sie. Unter anderem seien längere Auslandsaufenthalte zur Fremdsprachenförderung mit G 9 wieder möglich, findet Schwarzer. „Somit entfällt die Sorge, wesentliche Teile der Schullaufbahn zu verpassen.“

Auf eine Entschleunigung des Schulalltags hofft auch Michael Bornemann, Schulleiter des Sankt-Joseph-Gymnasiums (SJG) in Rheinbach. „Mein Wunsch ist es, am SJG G 9 neu einzuführen; dazu müssen wir natürlich die Entscheidung des Erzbistums abwarten“, erklärt Bornemann. Das Erzbistum konnte bis dato aufgrund fehlender Vorgaben der Landesregierung zu den Rahmenbedingungen von G 9 noch keine Entscheidung treffen.

Auch in G9 ist es möglich schnell Abitur zu machen

Für die erzbischöfliche Schule werde entsprechend dem bisherigen Referentenentwurf G 9 der Regelfall für die Kinder, die im Schuljahr 2019/20 Fünft- und Sechstklässler sind. Im Falle einer Entscheidung für G 8 würde nicht wie bei staatlichen Schulen eine Zweidrittelmehrheit in der Schulkonferenz benötigt. Sollte die Änderung kommen, sieht Bornemann seine Schule mit schulinternen Konzepten bereits gut vorbereitet. „Dies würde uns mehr Raum für unsere vielfältigen Angebote etwa des forschenden Lernens, im Projektunterricht oder für Wettbewerbsaktivitäten geben.“ Eine der großen Hürden der Schulzeitverkürzung sei das Vorziehen der zweiten Fremdsprache in Klasse sechs gewesen, so der Schulleiter. „Dies müsste nach meiner Einschätzung beim neuen Konzept von G 9 unbedingt revidiert werden.“

„Wir sehen G 9 auf uns zukommen“, sagt Karl Kühling, Schulleiter der Erzbischöflichen Ursulinenschule in Bornheim-Hersel, zu den Plänen der Landesregierung. „Intern hat eine Befragung bei Eltern und Kollegen ergeben, dass ein Großteil für G 9 ist. Meiner Ansicht nach war G 8 ein großer Fehler, schließlich war es nicht vernünftig umgesetzt. Es wurde von der Schule weg entwickelt.“ Das katholische Gymnasium kooperiert mit dem Jungengymnasium Collegium Josephinum in Bonn. „Wir werden uns eng mit der dortigen Schulleitung abstimmen, aber auch nicht abhängig machen“, so Kühling.

Am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium in Bornheim ist man zum Thema G 8/G 9 noch zurückhaltend. Schulleiter Christian Dubois: „Derzeit sind uns der zugrunde liegende Gesetzentwurf und die daraus resultierenden Rahmenbedingungen nicht bekannt.“ Ähnlich äußert sich Dirk Bahrouz, Leiter des Konrad-Adenauer-Gymnasiums Meckenheim. Natürlich sei die politische Diskussion bekannt, doch gebe es noch keinen Erlass aus dem Ministerium, und auch juristisch sei vieles ungeklärt. „Wir wissen überhaupt nichts über die Bedingungen, unter denen G 9 eingeführt werden sollte“, sagt er. Er sieht da zahlreiche Baustellen; allein was die räumlichen Bedingungen und die Lehrerausstattung angehe. Zu klären sei auch, von welchem Schuljahr an das neue G 9 eingeführt würde und ob es rückwirkend auch für die Schüler der Klassen 6 und 7 gelten solle. Allerdings hält der Vater von vier Kindern nicht mit seiner persönlichen Einstellung hinterm Berg. „Ich fände die Rückkehr zu G 9 gut“, sagt Bahrouz. Die Schulzeit würde entspannter, es bliebe wieder Zeit für Vereine und andere Freizeitaktivitäten.

Und sein Kollege Stefan Schwarzer meint: Wer schneller zum Abitur gelangen möchte, könne das auch mit G 9: „Es gibt immer noch die Möglichkeit, eine Stufe zu überspringen.“