Kesselwagen der Gammersbacher Mühle für „Babylon Berlin“

Holzkutschen aus Lohmar werden für Filmproduktionen gebucht

Lohmar. Auf seinem Hof, der Gammersbacher Mühle in Lohmar-Muchensiefen, bewahrt er seine Sammlerstücke für ganz besondere Einsätze auf. Seine Gespanne werden regelmäßig für Film- und Serienproduktionen in ganz Deutschland gebucht.

In einem Holzverschlag reihen sie sich eng vor- und hintereinander: mittelalterliche Holzkutschen, elegante Hochzeitskutschen oder eine Leichenkutsche. Claus Ihm aus Lohmar sammelt sie und besitzt inzwischen schon rund 30 Wagen aus den unterschiedlichsten geschichtlichen Epochen. Auf seinem Hof, der Gammersbacher Mühle in Lohmar-Muchensiefen, bewahrt er seine Sammlerstücke auf und trainiert seine 13 Kutschpferde für ganz besondere Einsätze. Seine Kutschen und Tiere werden regelmäßig für Film- und Serienproduktionen, Shows oder Umzüge in ganz Deutschland gebucht.

Zuletzt fragte beispielsweise das Filmteam der deutschen Serie „Babylon Berlin“ bei Ihm an. In der ersten Folge der Krimiserie hängen russische Revolutionäre einen großen Kesselwagen bei einem Überfall an einen Güterzug an. Der Kesselwagen wird in der Szene von Ihms Pferden gezogen, Ihm und seine Mitarbeiter Judith Schiller und Uwe Schiffbauer führen die Pferde in der Szene über die Gleise. „Das war schon abenteuerlich, in der Nacht auf Gleisen und mit Nebel mit den Pferden einen so großen Wagen zu ziehen“, erinnert sich Schiller. Doch ganz so beeindruckt sind Ihm und seine Mitarbeiter nicht mehr von großen Filmproduktionen. „Meistens bedeutet so ein Einsatz viel Warten“, sagt Schiller. Ihm kann sich schon gar nicht mehr erinnern, für welche Filme und Produktionen genau seine Kutschen und Tiere in 30 Jahren schon gebucht wurden.

„Wir sind in einer Art Netzwerk. Wenn Produktionen Kutschen brauchen, schauen sie sich unsere Fotos durch und sagen dann, was sie wollen“, so Ihm. Einmal kaufte ihm eine Produktion sogar eine Kutsche ab, um diese dann für einen Film zu verbrennen. Wie häufig Anfragen kämen, sei ganz unterschiedlich. „2017 waren es besonders viele, da hatten wir sechs große Einsätze“, so Ihm. Seine Kutschen hat Ihm schon durch ganz Deutschland transportiert. Sechs Jahre lang hätten seine Pferde und Kutschen beispielsweise in dem Musical „Der Zauberwald“ mitgespielt. Der heute 57-jährige Ihm hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Von Pferden und Kutschen sei er schon immer begeistert gewesen. 1990 habe er sich dann dazu entschieden, seinen Job als Krankenfahrer in Köln aufzugeben und den Hof mit der alten Wassermühle aus dem 17. Jahrhundert zu kaufen.

Alles fing mit drei Kutschen an

Mit dem Hof und drei Kutschen habe es dann angefangen, erinnert er sich. Die Sammelleidenschaft habe ihn gepackt, und so seien immer mehr Kutschen dazu gekommen. Neben den Produktionen bietet er Kutschfahrten für jegliche Anlässe an, hat am Wochenende in seiner Mühle einen Biergarten oder schmeißt Kindergeburtstage auf seinem Hof, der unzählige Tiere beherbergt. Seine Lieblingskutsche sei übrigens der Bierwagen, sagt Ihm schmunzelnd. Da würden sieben Fässer Bier drauf passen. Mit dem Wagen macht er für eine Kölner Brauerei ab und zu Fahrten für die Gäste.

„Wichtig ist es, dass es den Tieren bei den Aufträgen gut geht“, erklärt Schiller. Sie hat zwei der Pferde vor eine sogenannte Vis-à-vis-Kutsche gespannt. Bei dem Wagentyp handelt es sich um eine herrschaftliche Kutsche aus dem 18. und 19. Jahrhundert, bei der sich die Fahrgäste gegenüber sitzen. Schiller möchte die Pferde ein bisschen an der Kutsche bewegen. Sie trainiert die 13 Kutschpferde auf Ihms Hof und fährt auch schon seit Jahren mit den Pferden im Rosenmontagszug in Köln mit. Die Debatte um Pferde auf Karnevalszügen sieht sie differenziert. „Wir haben hier auch Pferde, die ich nie dahin mitnehmen würde, weil sie vom Gemüt her zu aufgeregt wären“, sagt sie. Aber diese beiden Kaltblüter, die sie nun vor die „Vis-à-vis“-Kutsche gespannt habe, seien vollkommen entspannt und würden sich vom Trubel beim Karneval nicht beeindrucken lassen.