Rhein-Sieg-Kreis

Gemeinschaftsgrundschule Wolperath-Schönau erhält Jakob Muth-Preis

Elisabeth Schmies, Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule Wolperath-Schönau, freut sich auf die Preisverleihung am Donnerstag.

22.01.2014 NEUNKIRCHEN-SEELSCHEID. Inklusion - ein Begriff, der seit Jahren in aller Munde ist. Doch wo wird die Idee des gemeinsamen Lernens von Schülern mit und ohne Behinderung vorbildlich und umfassend gelebt? Wo gibt es Schulen, deren Konzepte und Projekte diesen Begriff mit Leben füllen?

Um solche zu entdecken und als Vorbilder für andere bekannt zu machen, gibt es seit 2009 den Jakob Muth-Preis. Diesen verleihen die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, die Bertelsmann-Stiftung, die Sinn-Stiftung und die Deutsche Unesco-Kommission jährlich an Schulen und Schulverbünde.

In diesem Jahr zeigt sich, wie gut der Rhein-Sieg-Kreis bei der Inklusion aufgestellt ist. Bei 100 Bewerbern aus ganz Deutschland gehört die Gemeinschaftsgrundschule Wolperath-Schönau in Neunkirchen-Seelscheid zu den drei Einzelschulen, die, zusammen mit einem Schulverbund, den Preis erhalten.

Unter dem Motto "Gemeinsam in Vielfalt" lernen dort 194 Schüler. 24 von ihnen haben einen sonderpädagogischen Förderbedarf. "Die Idee der Inklusion setzen wir an unserer Schule bereits seit der Gründung im Jahr 2005 um", erklärt die stellvertretende Schulleiterin, Tatjana Leidig.

Dabei ist der Alltag für Schüler und Lehrer vor allem durch Verbundenheit und Verbindlichkeit gekennzeichnet. So verpflichten sich beispielsweise alle Lehrkräfte auf eine Präsenzzeit von 7.30 bis 16 Uhr. Bereits vor Unterrichtsbeginn gibt es zwei- bis dreimal pro Woche Besprechungen, bei denen das ganze Kollegium zusammenkommt. Während des Unterrichts stehen individuelle Förderung und Können im Fokus.

So gibt es zum Beispiel für den Mathematikunterricht ein Konzept, das in ein fünfstufiges Kompetenzraster eingeteilt ist und das jedem Kind ermöglicht, im eigenen Tempo zu lernen. Jeden Freitag finden jahrgangsübergreifende Werkstattaktionen statt, nach denen die Schüler anschließend vor der Schulgemeinschaft ihre Ergebnisse präsentieren.

Für die Schule aus Neunkirchen-Seelscheid ist es nicht der erste Versuch, den Jakob Muth-Preis für inklusive Schule und ein Preisgeld von 3000 Euro zu gewinnen. "Wir haben uns bereits 2010 beworben und freuen uns jetzt sehr, den Preis am Donnerstag in Hamburg entgegennehmen zu können", sagt Schulleiterin Elisabeth Schmies. Begleitet wird sie nicht nur von einigen Kollegen, sondern auch von acht Schülern der dritten und vierten Klasse, die bei der Verleihung gemeinsam ein Lied vortragen werden. (Dagmar Lappe)