Millionenbetrag von Krankenkassen kassiert

Eitorfer gründete Pflegedienst mit gefälschten Urkunden

Vor dem Bonner Landgericht musste sich der 41 Jahre alte Polizistenangreifer verantworten.

Das Bonner Landgericht

Eitorf/Bonn. Ein Eitorfer soll mit gefälschten Urkunden einen Pflegedienst gegründet haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm nun gewerbsmäßigen Betrug vor.

Ein 43 Jahre alter Mann aus Eitorf soll sich fälschlicherweise als Krankenpfleger ausgegeben und einen ambulanten Pflegedienst gegründet haben. Deshalb muss er sich demnächst vor dem Bonner Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wird ihm gewerbsmäßigen Betrug und Urkundenfälschung vor. In dem Verfahren geht es um eine hohe Summe: Insgesamt soll der Mann über eine Millionen Euro von Krankenkassen kassiert haben: zu Unrecht, wie die Anklage ihm vorwirft.

Am 18. April 2013 hatte der 43-Jährige seinen ambulanten Pflegedienst gegründet und angemeldet. Im Oktober desselben Jahres habe er dann eine Aufnahme in den Rahmenvertrag zur häuslichen Krankenpflege beantragt, damit er Pflegeleistungen über die Krankenkassen abrechnen kann. Bei diesem Antrag, so die Bonner Staatsanwaltschaft, habe er eine beglaubigte Kopie einer gefälschten Urkunde der Gesundheitsbehörde in Hamburg eingereicht. Demnach soll der Mann seit September 1996 zertifizierter Krankenpfleger sein. Die Urkunde allerdings habe er gefälscht, so die Anklage. Für die Pflege eines Mannes erhielt der 43-Jährige im Zeitraum vom 1. Juli bis zum 31. August 2015 53 880 Euro. Deutlich höher fiel ein zweiter Betrag aus, der dem Pflegedienst ausgezahlt wurde. Zwischen September 2015 und Februar 2017 soll er acht Personen betreut haben. Dafür gab es von den Krankenkassen eine Summe von rund einer Million Euro.

Laut Anklage hatte der 43-Jährige mehrere Mitarbeiter angestellt. Ob diese für den Beruf ausreichend qualifiziert waren, ist noch nicht bekannt. Ebenfalls ungewiss ist, ob die Leistungen, für die der Angeklagte fälschlicherweise Geld kassierte, auch angemessen erbracht worden sind. Ein Sprecher des Siegburger Amtsgerichts bestätigte, dass es eine Vielzahl von Klagen gegen den vom Angeklagten geführten Pflegedienst gibt. Zu den aktuellen Vorwürfen hat sich der Mann bislang nicht geäußert. Für die Justiz ist er kein Unbekannter; der Mann ist bereits vorbestraft. Neben einem Verkehrsdelikt wurde er wegen schweren Diebstahls vor dem Amtsgericht Düren sowie gewerbsmäßiger Untreue in 27 Fällen verurteilt. Für die letzten beiden Delikte erhielt er eine Gesamtstrafe von einem Jahr und fünf Monate auf Bewährung. Die Taten aus den aktuellen Vorwürfen hätte er somit unter laufender Bewährung begangen.