Zeugin belastet 40-jährigen Gatten

Ehemann soll Sandra D. aus Eitorf ermordet haben

EITORF/BONN. Die seit einem Jahr vermisste Sandra D. aus Eitorf-Bach soll von ihrem Ehemann ermordet worden sein. Ihre Leiche soll der 40-Jährige beseitigt haben. Davon gehen Polizei und Staatsanwaltschaft mittlerweile aus.

Am Freitag wurde der Ehemann festgenommen, am Samstag erließ ein Bonner Ermittlungsrichter Haftbefehl wegen Mordes gegen den Mann. Seitdem sitzt der 40-Jährige in Untersuchungshaft - und schweigt. Das teilten Bonner Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstagmorgen überraschend mit.

Die Wende in dem Fall, der die Ermittler aufgrund der Erfahrungen im Fall der mehr als 16 Jahre lang vermissten und vom Ehemann getöteten Trudel Ulmen nicht ruhen ließ, kam vor drei Wochen. Da wandte sich eine Frau an die Kripo und erklärte: Sie sei eine Bekannte des Ehemannes von Sandra D., und der habe ihr gestanden, seine Frau getötet zu haben. Und dann schilderte die Frau im Detail, wie ihr der 40-Jährige die Tat beschrieben haben soll.

Seitdem verdichteten sich die Verdachtsmomente laut Polizei gegen den 40-Jährigen so, dass es für einen Haftbefehl reichte. Allerdings hat die Polizei nach GA-Informationen nach wie vor keine Erkenntnisse dazu, wo die Leiche der Mutter von zwei Kindern zu finden sein könnte.

Bereits nach dem Verschwinden der damals 42-Jährigen hatte die Polizei mehrfach in großangelegten Suchaktionen nach Sandra D. gefahndet. Nachdem die Frau nicht etwa von ihrem Ehemann, sondern von Arbeitskollegen des Supermarktes, in dem sie als Kassiererin gearbeitet hatte, am 9. September vermisst gemeldet worden war, durchkämmte eine Einsatzhundertschaft im Oktober ein Waldstück in der Nähe ihres Wohnortes.

Im November suchten Taucher die Sieg ab, und auch Suchhunde kamen zum Einsatz, weil die Ermittler davon ausgingen, dass Sandra D. tot war. Dass die Frau, wie vom Ehemann behauptet, aus freien Stücken verschwunden war, glaubte die Kripo nicht. Und auch im Umfeld der Vermissten schloss man eine solche Möglichkeit aus: Niemand konnte sich vorstellen, dass sie ihre zu der Zeit sechsjährige Tochter allein zurückgelassen hätte. Das Kind, so erklärte Polizeisprecher Frank Piontek gestern, lebe mittlerweile bei seinem leiblichen Vater. Ihr älterer Sohn wohnte zum Zeitpunkt ihres Verschwindens nicht mehr bei ihr.

Am Abend des 8. September war Sandra D. zuletzt lebend gesehen worden, sie hatte bis 22 Uhr an der Kasse des Supermarktes gesessen. Danach verliert sich ihre Spur. Zunächst war auch in Betracht gezogen worden, dass sie sich möglicherweise selbst etwas angetan haben könnte.

Andererseits hatten die Ermittler erfahren, dass sie geplant hatte, ihren Ehemann zu verlassen und eine eigene Wohnung zu beziehen. Doch alle Ermittlungsansätze führten ins Leere, und auch die Hoffnung, durch die Veröffentlichung des Falles in der Sendung "XY - Aktenzeichen ungelöst" weiterzukommen, erfüllte sich nicht. Bis sich nun Mitte August die Bekannte des Ehemannes meldete, waren die Ermittler 200 Hinweisen nachgegangen.

Über die Identität der Belastungszeugin hüllen sie sich in Schweigen. "Im Interesse der Zeugin tun wir alles, dass ihre Identität nicht bekannt wird", erklärte Oberstaatsanwalt Robin Faßbender gestern.

Aufgrund der Angaben der Frau gehe man davon aus, dass der bisher nicht polizeibekannte Ehemann die Arg- und Wehrlosigkeit von Sandra D. ausgenutzt und sie heimtückisch ermordet habe. Mittlerweile habe der Verteidiger des Ehemannes Einsicht in die Ermittlungsakten beantragt. Eines steht jedoch fest: Die Ermittler haben noch viel Arbeit vor sich. "Wir wollen nun alles tun, um Sandra D.s Schicksal vollständig aufzuklären", versprach Polizeisprecher Piontek.

Chronologie

8. September 2012: Sandra D. wird letztmals in Eitorf gesehen, als sie gegen 22 Uhr den Supermarkt verlässt, in dem sie arbeitet. Am 9. September wird sie von ihren Kollegen als vermisst gemeldet.

18. Oktober: Die Polizei gibt eine Suchmeldung heraus, in der auf Suizidgefährdung der Vermissten hingewiesen wird.

7. November: Eine Einsatzhundertschaft durchsucht das Krabachtal. Die Polizei hält inzwischen auch ein Tötungsdelikt für möglich.

16. November: Taucher der Bundespolizei suchen die Sieg ab.

27. März 2013: In der ZDF-Sendung "XY - Aktenzeichen ungelöst" wird über den Fall berichtet.

12. Juni: Eine Hundertschaft durchkämmt ein Waldstück bei Mittelscheid.

Mitte August: Eine Frau meldet der Polizei, Sandra D.s Ehemann habe ihr gegenüber gestanden, seine Frau getötet zu haben.

30. August: Der Tatverdächtige wird festgenommen.