Dudelsackspieler in Ruppichteroth

Drücken, Pusten und Fingerspiel

Die Nutscheid Forest Pipe Band probt in der Ruppichterother Sekundarschule, ganz in der Nähe des Nutscheid-Waldes.

Die Nutscheid Forest Pipe Band probt in der Ruppichterother Sekundarschule, ganz in der Nähe des Nutscheid-Waldes.

Ruppichteroth. Die "Nutscheid Forest Pipe Band" musiziert auf Dudelsäcken. Die Traditionsinstrumente sind erst nach ungefähr zwei Jahren zu beherrschen und verlangen den Spielenden viel Können ab.

Es ist ein ohrenbetäubender Lärm, den zehn Dudelsäcke produzieren können. So unangenehm wie eine Alarmanlage, nur noch viel schriller. So schrill, dass man das Vibrieren des Trommelfells spürt und am liebsten schlagartig den Raum verlässt. „Entweder liebt man Dudelsackmusik oder man hasst sie“, sagt Marcel Mertens. In diesem Moment kann man sie nur hassen.

Aber es ist auch keine Musik, die die Nutscheid Forest Pipe Band gerade spielt. Mertens, Pipe Major und Vereinsvorsitzender, hat Warmmachen angeordnet. Die Instrumente sind so empfindlich, dass sie erst die Temperatur der Atemluft haben müssen, um richtig zu funktionieren. Eine halbe Stunde dauert das Warmspielen, bei dem jeder seine eigenen Töne und Melodien pustet. Das hört sich dann in etwa wie ein wabernder Bienenschwarm an, nur viel lauter. Danach werden die Instrumente gestimmt. „Und wenn man Glück hat, hält das dann eine halbe Stunde“, sagt der 30-Jährige.

Ursprung des Dudelsacks in der Antike

Ja, der Dudelsack ist kompliziert. Ein Traditionsinstrument, das seine Ursprünge in der Antike hat. Heute ist es durch das schottische Militär bekannt und kostet gerne mal tausend Euro und mehr. Der Spieler pustet kontinuierlich einen Ledersack auf, der die Luft wie ein Puffer speichert – schließlich muss auch der Dudelsackspieler Luft holen. Den Sack klemmt er sich unter den Arm und reguliert dadurch den Druck, mit dem die Luft auf die typischen, immer mitklingenden Bordunenpfeifen trifft. „Der muss genau stimmen, sonst klingt das nicht gut“, erklärt Mertens. Die klaren, hohen Töne kommen von der Spielpfeife, bei der wie bei einer Blockflöte die Finger die Löcher zudrücken.

Wer dieses Zusammenspiel aus Drücken, Pusten und Fingerbewegen bis zur Perfektion beherrschen will, muss sein ganzen Leben üben. Wie lange man braucht, um mit der Band auftreten zu können? „Mindestens zwei Jahre“, sagt Klaus Zumhoff (48). Die sind für ihn gerade herum. Angefangen hat er mit einer günstigen Übungspfeife, so wie jeder im Verein. Die wird auch jetzt noch von allen zur wöchentlichen Probe in der Ruppichterother Grundschule ausgepackt. Dann sitzen sich alle an einem Gruppentisch im Klassenraum gegenüber. Die beiden Trommler hauen mit den Schlegeln auf den Tisch – weil das leiser ist. Denn auch die Übungspfeife, die ohne Dudelsack und Bordunen auskommt, ist um einiges leiser und vor allem kleiner.

Tradition ist der Band wichtig

Die Mitglieder kommen aus der ganzen Region: Siegburg, Bonn, Köln. Vom Heavy-Metal-Schlagzeuger bis zum Immobilienmakler. Der Sitz des Vereins ist in Hennef, dem Wohnort von Mertens. Aber in Ruppichteroth wurde die Nutscheid Forest Pipe Band im Jahr 2000 gegründet. Seitdem hat sich die Gruppe komplett verändert. „Von den alten Mitgliedern, die aus der Gegend kamen, ist kaum noch jemand dabei“, sagt Mertens. Doch der Probenort, den die Gemeinde den Musikern kostenlos zur Verfügung stellt, ist geblieben. Genau so wie der Name, der sich vom nahe gelegenen Waldgebiet Nutscheid ableitet.

Tradition ist der Band wichtig. Die Uniformen werden in Schottland maßgeschneidert und haben das Muster des weltweit bekannten Clans MacLachlan. „Und wir haben als einige der wenigen die Erlaubnis, es zu tragen“, erklärt Mertens. Das macht ihn stolz. Diesmal wird in der Uniform geprobt, denn in Kürze steht ein Auftritt an. „Man kann uns für alles buchen“, sagt Mertens. Sie standen schon bei Konzerten auf der Bühne, spielen aber auch Solos bei Beerdigungen. „Es gibt nichts, was der Dudelsack nicht begleiten kann. Er ist so vielseitig und so wuchtig“, schwärmt er. Deshalb liebt er das Instrument.

Ein Lied sorgt bei jedem Zuhörer für Gänsehaut: „Highland Cathedral“. Im Rheinland ist die Melodie durch „Du bes die Stadt“ bekannt. „Spätestens wenn das ertönt, hasst niemand mehr den Dudelsack.“