Kultur in Neunkirchen-Seelscheid

Die ewige Frage und Suche nach Gott

Sibylle Kuhne in "Die amerikanische Päpstin"

Sibylle Kuhne in "Die amerikanische Päpstin"

NEUNKIRCHEN-Seelscheid. Im Theater Haus Birkenried fällt mit dem Stück „Die amerikanische Päpstin“ der letzte Vorhang.

Ein weißer Stuhl, ein Rednerpult. Ansonsten karges Interieur statt prunkvoller Ausstattung. „Das Unfassbare ist geschehen – Habemus papessam (Wir haben eine Päpstin)“, sagt eine Dame im eleganten schwarzen Kleid, Paillettenjäckchen und einem Rosenkranz um den Hals. Sie stellt sich als die erste Päpstin der über 2000 Jahre langen Geschichte der katholischen Kirche unter dem Namen Johanna II. vor. Es folgt ihre Antrittsrede zur offiziellen Amtsübernahme.

Gespielt wird das Ein-Personen-Stück, das auf dem Buch „Die Antrittsrede der amerikanischen Päpstin“ von Esther Vilar basiert und im Jahr 2022 angesiedelt ist, von Sibylle Kuhne im Theater Haus Birkenried. Mit „Die amerikanische Päpstin“ geht die 20-jährige Ära des Theaters zu Ende. Nachdem Kuhnes Ehemann Jörg Kaehler im Juli 2015 verstorben ist, hat sie sich entschlossen, das Theater nicht alleine weiterzuführen.

Zum Stück: Als Johanna II. den Heiligen Stuhl besteigt, befindet sich die Kirche aufgrund jahrzehntelanger Liberalisierung in einem desolaten Zustand, von ihrer Strenge ist nicht mehr viel übrig geblieben. Seit 1991 gibt es in der katholischen Kirche auch Priesterinnen, seit 1998 wird das Oberhaupt demokratisch von allen Gläubigen auf vier Jahre gewählt. Aber anstatt Menschen durch immer weitere Lockerungen an die Kirche zu binden, wenden die sich ab. Die Zahl der Katholiken sank in den letzten Jahren von 580 auf nur noch 22 Millionen, von denen gerade noch ein Viertel „praktiziert“, wie die Päpstin feststellt.

 Sie macht den Untergang an ihren männlichen Vorgängern fest. Der Deutsche Johannes XXV. habe beispielsweise den gesamten vatikanischen Besitz veräußert und den Erlös Armen gespendet, außerdem die Unfehlbarkeit abgeschafft. Pablo, der Spanier (Johannes Paul III.), beseitigte den Zölibat und gestattete die kirchliche Ehescheidung. Sein Nachfolger musste wegen einer Korruptionsaffäre nach fünf Tagen abdanken. Es folgte Oscarius I., der sich als überzeugter Homosexueller öfter mit seinem jungen Priester aus dem Seminar an der Hand zeigte und „Der Fliegende Holländer“, der so genannt wurde, weil die niederländische Fluggesellschaft KLM seine Wahlkampfreisen finanzierte, warf ein letztes Tabu über Bord. Er heiratete eine protestantische Kollegin.

Johanna möchte das Ruder umreißen, zurück zu den Grundwerten der „alten“ Kirche mit ihren Dogmen. Die Päpstin, die sich schon zu Beginn ihrer Ausführungen als Atheistin outet, ihre eigene Sehnsucht nach Glauben aber stets erkennen lässt, versucht auch die Zuhörer davon zu überzeugen, dass jeder einen Glauben braucht. Sie bietet ihre Kirche zur Erfüllung menschlicher Ur-Bedürfnisse nach Führung, dem Wunsch, die persönliche Verantwortung in andere Hände zu legen an.

Sibylle Kuhne sieht in Vilars Stück eine Anregung, sich Gedanken über das Zusammenleben und das Verhältnis zum Glauben zu machen. Aber auch darüber, ob der Mensch in der Lage ist, mit seiner Freiheit umzugehen, ob die Entzauberung der Kirche die Menschen für Mystisches anfällig macht, ob grenzenlose Freiheit zu Radikalisierung führt und letztendlich natürlich, ob ein Gott gebraucht wird. Der Schauspielerin ist es mit eindringlichem und überzeugendem Spiel gelungen, die Fragen, Zweifel und Ängste der Johanna zu transportieren, die Vilar bereits 1982 niedergeschrieben hat und die bis heute nichts an Aktualität verloren haben.

Das Stück „Die amerikanische Päpstin“ im Theater Haus Birkenried, Hohner Straße 13, Neunkirchen-Hohn, ist noch am Samstag, 9. Juli, ab 19.30 Uhr und Sonntag, 10. Juli, ab 16 Uhr zu sehen. Restkarten sind noch zu bekommen.