Interview mit Rüdiger Hoffmann

"Am Anfang kamen nur zwei Gäste"

"Teilweise wollte mich keiner sehen": Rüdiger Hoffmann erinnert sich noch gut an seine Anfänge. Nun tritt er in Windeck auf. FOTO: DET KEMPE

"Teilweise wollte mich keiner sehen": Rüdiger Hoffmann erinnert sich noch gut an seine Anfänge. Nun tritt er in Windeck auf.

Windeck. Schnelligkeit ist nicht Rüdiger Hoffmanns Sache. Der Comedian geht es langsam an. In diesem Jahr steht Hoffmann seit 30 Jahren auf der Bühne. Und am Donnerstag, 24. September, tritt er im Windecker Bürger- und Kulturzentrum "kabelmetal" auf.

Im Gepäck hat er sein Live-Programm "Aprikosenmarmelade". Einige wenige Restkarten ab 27,55 Euro gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen. Mit Hoffmann sprach Matthias Hendorf.

Herr Hoffmann, eine Mitarbeiterin von uns ist gerade Anfang 20, mit Ihrem Namen wusste sie nichts anzufangen. Ihr Markenzeichen, den Einstiegssatz "Ja, hallo erst mal. Ich weiß gar nicht, ob Sie es wussten", kannte sie aber. Können Sie den Satz eigentlich selbst noch hören?
Rüdiger Hoffmann: Ja, natürlich, ich habe ihn ja erfunden. Der Literaturkritiker Hellmuth Karasek hat einmal gesagt, es gebe nur wenige Sätze, die in den deutschen Sprachgebrauch eingehen. Und meiner gehöre dazu. Das empfand ich schon als Ehrung.

Werden Sie mit dem Satz schon mal angesprochen?
Hoffmann: Klar. Aber er hat mich ja mitunter bekannt gemacht, das gehört dazu.

Also keine Abnutzungserscheinungen wie bei Sängern, die immer wieder ihren einen Hit spielen müssen?
Hoffmann: Nein, das ist bei mir nicht so.

Erinnern Sie sich noch an die Entstehung des Satzes?
Hoffmann: Ja, das war vor 30 Jahren. Ich war damals völlig unbekannt, keiner kannte mich. Also musste ich mir ausdenken, wie ich auf die Bühne komme und das Publikum verunsichere. Also habe ich mir überlegt, was der mieseste aller Anfänge wäre. Es ist also ein Anti-Anfang. Die Leute waren immer total verunsichert, bis sie gemerkt haben: Ach, das gehört zur Nummer. Dann fanden sie es witzig.

Sie schildern in ihren Programmen das ganz normale Leben. Warum ist der Alltag so voller Komik?
Hoffmann: Der Alltag ist voller Komik, wenn man sie wahrnimmt. Und die Komik funktioniert, wenn die Leute sich darin wiederfinden.

Ist das das Erfolgsgeheimnis? Dass die Menschen sich selbst in Ihrem Programm entdecken?
Hoffmann: Man muss etwas darstellen, damit die Menschen denken: "Stimmt, so einen kenne ich auch." Aber eigentlich lachen sie über sich selbst, nur merken sie es nicht.

"Aprikosenmarmelade" ist Ihr mittlerweile zehntes Live-Programm: Ist es immer noch richtig harte Arbeit, ein Programm zu schreiben?"
Hoffmann: Das ist schon anstrengend. Das war immer so und wird auch immer so sein.

Und das machen Sie in einem Kreativraum bei sich zu Hause?
Hoffmann: Ja, genau. Ich notiere mir das ganze Jahr über Sachen, die mir auffallen und arbeite die dann ab.

Sie gelten als Entdecker der Langsamkeit. Das gedrosselte Tempo ist ihr Stil. Fällt Ihnen das schwer oder spiegelt es auch ihre Persönlichkeit wider?
Hoffmann: Ach, das hat sich so entwickelt. Als Ostwestfale ist man ohnehin etwas wortfauler und redet nicht so übertrieben viel wie im Rheinland. Und ich habe gemerkt, dass meine Geschichten, die ich erzähle, Zeit brauchen, um ein Kopfkino beim Zuhörer zu entwickeln.

Sie stehen dieses Jahr 30 Jahre auf der Bühne. Eine lange Zeit. Wie haben Sie sich in dieser Zeit als Künstler verändert?
Hoffmann: Ich habe einfach viel erlebt. Am Anfang die Tingeltour durch die kleinen Läden. Teilweise wollte mich keiner sehen. Oder es kamen nur zwei Gäste.

Ist das die kleinste Besucherzahl, vor der Sie je aufgetreten sind?
Hoffmann: Ja, ich glaube schon.

Und in den 1990er Jahren hatten Sie dann großen Erfolg.
Hoffmann: Ja, da war ich die absolute Nummer eins bei den Verkäufen, habe in riesen Hallen gespielt.

Und haben Sie sich verändert in der Zeit?
Hoffmann: Ich glaube nicht, aber man bekommt viel mit im Business und ist nicht mehr so blauäugig.

Und das Publikum? Was ist heute anders als vor 20 Jahren?
Hoffmann: Bei meinem Publikum hat sich nicht so viel getan. Wer zu Rüdiger Hoffmann kommt, will Rüdiger Hoffmann sehen.

Sie haben einmal erzählt, dass Sie trotz Sehschwäche ohne Brille und Kontaktlinsen auftreten. Warum?
Hoffmann: Ach, das ist vorbei. Ich habe mir Linsen implantieren lassen.

Sie sehen Ihr Publikum also nicht mehr verschwommen?
Hoffmann: Ja, genau.

In den 1990ern sind Sie schon vor 80 000 Menschen im Vorprogramm der Rolling Stones aufgetreten. In Windeck ist Ihr Publikum deutlich kleiner. Ändert das irgendetwas an Ihrer Herangehensweise an einen Auftritt?
Hoffmann: Überhaupt nicht. Ich spiele vor 80 000 Leuten genauso wie vor zehn Leuten.

Sie kommen ursprünglich aus Paderborn, wohnen jetzt in Bonn. Was gefällt Ihnen an Bonn und dem Umland?
Hoffmann: Bonn ist für mich schön gemütlich. Es ist ein bisschen wie in Paderborn, nicht so hektisch.

Puh, das werden nicht alle Bonner gerne hören.
Hoffmann: Das meine ich aber als Auszeichnung. Ich bin ja viel unterwegs und freue mich dann immer, wenn ich zurück nach Bonn komme. Dort habe ich meine Ruhe. Es ist landschaftlich schön gelegen, es gibt den Rhein, das Siebengebirge. Ich fühle mich sehr wohl in Bonn.

Zur Person

Rüdiger Hoffmann, 51, ist seit Anfang der 1990er Jahre einem größeren Publikum bekannt, als er häufiger im "Quatsch Comedy Club" auftrat. Sein Markenzeichen ist seine sehr langsame und betont entspannte Sprechweise.

Hoffmanns erste Solo-Tournee im Jahr 1995 "Der Hauptgewinner" war vor dem Start ausverkauft. Die gleichnamige CD war damals die meistverkaufte Sprach-CD der Welt. Hoffmann spielte auch in den Kinofilmen zu den "Sieben Zwergen" von Otto Waalkes mit.

Der gebürtige Paderborner lebt mittlerweile in Bonn. Er ist verheiratet und Vater eines Kindes