Landwirt auf den Lohmarer Höhen

Albert Trimborn ist für den Ceres Award nominiert

Seinen Tieren soll es gut gehen: Landwirt Albert Trimborn mit einem Kälbchen auf seinem Hofgut Schiefelbusch.

Seinen Tieren soll es gut gehen: Landwirt Albert Trimborn mit einem Kälbchen auf seinem Hofgut Schiefelbusch.

Lohmar. Die Philosophie auf Gut Schiefelbusch aus Lohmar heißt Tierwohl. Landwirt Albert Trimborn arbeitete nur mit tiergerechter Haltung und zieht so unter anderem 1400 Gänse für das Weihnachtsgeschäft auf.

Man muss schon heraus aus der Stadt, hinauf auf die nördlichen Lohmarer Höhen, um zum Schiefelbusch zu kommen. Dort, wo der Blick fast ungestört über die Kölner Bucht schweift, liegt Gut Schiefelbusch. Es gehört Albert Trimborn, der einer alteingesessenen Lohmarer Bauern-Dynastie entstammt. Der 57-Jährige ist jetzt für den sogenannten Ceres Award als Manager des Jahres vorgeschlagen worden. Das scheint Trimborn nicht sonderlich aufzuregen: Ja, irgendwer aus dem Büro habe ihn wohl vorgeschlagen, berichtet er.

Der Landwirt sah, wie viele Kollegen ihre Betriebe schlossen

Als er mit 18 Jahren dort oben auf dem Schiefelbusch anfing, seinen Betrieb aufzubauen, habe er sich bereits gefragt, was er damit wohl machen solle. „Weiterbildung war mir immer wichtig“, sagt Trimborn, springt auf, um einer Mitarbeiterin seines Bauerncafés beim Öffnen eines Sonnenschirms zu helfen, und berichtet weiter von seiner Aus- und Weiterbildung an der Andreas-Hermes-Akademie in Bonn und bei den Steyler Missionaren in Sankt Augustin. „Das waren schwierige Zeiten damals“, erinnert er sich, „viele Berufskollegen schlossen ihre Betriebe, einen neuen Betrieb aufzubauen war total gegen die Richtung.“

So begann er zunächst mit der Haltung von Mastvieh, dann stellte er auf Milchwirtschaft um. „Es musste ja täglich etwas Geld in die Kasse kommen, um den Betrieb weiter aufbauen zu können“, aber auch damals habe er schon den Blick auf anderes gehabt. Und legte sich Legehennen zu. Aber wie brachte er die Idee zum Erfolg? Weiterbildung half.

Mehr als 30 Mitarbeiter sind auf dem Hof beschäftigt

„Ich, beziehungsweise meine Frau Helga und ich begannen, die Kunden ins Visier zu nehmen“, was damals die Einrichtung eines Hofladens bedeutete. Für die Hühner wurden nicht nur freundliche Laufställe gebaut, auch das Futter für das Federvieh baut Trimborn seither selbst an. Industriefutter habe er nicht haben wollen. „Wie bringt man die Dinge zusammen“, sei seine Auffassung von Management, „daraus muss man positive Dinge entwickeln“, lautet sein Credo. Heißt für ihn auch, die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen mit der Landwirtschaft zusammenzubringen.

140 Hektar bewirtschaftet er mittlerweile, mehr als 30 Mitarbeiter sind auf dem Hofgut beschäftigt. Vom Hofladen aus – dort gibt es von A wie Apfelsaft aus eigenen Früchten über Gemüse, Käse, Marmeladen bis W wie Wurstwaren aus eigener Herstellung alles zu kaufen, was der Hof produziert – kann der Kunde einen Blick in den Kuhstall werfen. Schwarz-weiße Kühe gehen dort ein und aus, schubbern sich an einer rotierenden Bürste und machen einen zufriedenen Eindruck. Eng und dunkel und nur im Stall, wie es ganz früher oft der Fall war, kommt für Trimborns Kühe nicht in Frage.

Auch Schwäbisch-Hällische Landschweine leben bei Trimborn sehr komfortabel. Die können auch rein und raus, wie sie wollen. Einige Borstentiere stehen in einer Box, um die Schulkinder zu bestaunen, die fast täglich auf dem Hof zu Besuch sind – oder staunen die Kinder die Tiere an? Ein einzelnes Schwein hat es sich in einem Außengehege im Stroh gemütlich gemacht und lässt sich durch nichts stören. Schweine können nicht schwitzen, erklärt Trimborn, darum müssten sie die Möglichkeit haben, sich je nach Wetterlage wärmer oder kühler zu betten, ganz wie ihre Natur es erfordert. „Das Tierwohl steht bei uns ganz oben. Darum gibt es bei uns auch keine Wachstumsbeschleuniger und Medikamente nur, wenn Tiere richtig erkrankt sind“, verdeutlicht Trimborn einen ganz wesentlichen Punkt der Hof-Philosophie. Die Koteletts im Hofladen sprechen für sich.

Sogar die Gänsefedern werden vermarktet

So unterhält er auch einen ganz speziellen Stall für etwa 1400 Gänse, die er für das Weihnachtsgeschäft aufzieht. „Komm, komm, komm“ ruft er in den luftigen und geräumigen Stall, und die Kinder einer Grundschulklasse sind ganz begeistert, wie die zum Teil noch flaumigen Gössel angewatschelt kommen. Wenn zum Jahresende die Endzeit für die Gänse kommt, werden sogar die Federn vermarktet. Die seien wegen der Aufzucht mit natürlichem Futter von besonderer Qualität, und ein Kölner Bettenhaus nimmt nicht nur die Federn ab, sondern kommt sogar mit den Kunden auf den Hof, um ihnen die gute Aufzucht der Gänse zu zeigen. Bergische Daune heißt das Produkt dann.

Eine fünf Hektar große Wiese mit einer Maisinsel darin hält Trimborn für die Tiere bereit. „Sie suchen bei Hitze gerne Schatten und kühlen Boden“, sagt der Bauer. „Die Gänse fressen die Maisstangen unten kahl – dann haben sie Platz und nach oben Schatten.“ Alle Tiere brauchen nach Trimborns Erkenntnis Klimareize. So immunisierten sie sich von selbst und würden eher selten krank. Auch die Mitarbeiter sollen hinter der Philosophie Trimborns stehen. „Da geht ganz viel über Wissenstransfer“, sagt er. Und: „Wir Landwirte tragen eine große Verantwortung, vernünftige Lebensmittel herzustellen.“