Fall vor dem Amtsgericht Waldbröl

40-Jährige wegen Pferdebetrugs verklagt

Symbolfoto

Symbolfoto

Windeck/Waldbröl. Eine Frau aus Windeck muss sich vor dem Amtsgericht Waldbröl verantworten: Die vermeintliche Tierfreundin soll Besitzer von kranken Pferden getäuscht haben.

Zwei Pferdebesitzer haben eine 40 Jahre alte Windeckerin vor dem Amtsgericht Waldbröl verklagt. Die Frau soll laut Klageschrift die ihr geschenkten Pferde entgegen vertraglicher Vereinbarungen verkauft haben.

Wie ein Engel war dem Pferdebesitzer aus Aachen die Frau zunächst erschienen, die sich um den Lebensabend seiner geliebten Stute "Roulette" kümmern wollte. Das einstige Sportpferd, 2004 geboren, litt an einer arthritischen Sprunggelenkserkrankung, auch eine Hufgelenksentzündung machte das Tier für Turniere ungeeignet. Im Internet hatte der Aachener inseriert, dass er die Stute "unentgeltlich in gute Hände" abgeben wolle. Da meldete sich die 40-jährige Beklagte und gab vor, für ihr eigenes Pferd einen Gefährten zu suchen. Keine Frage, dass sie "Roulette" geschenkt bekam. Am 1. November 2015 holte sie die Stute ab.

An der Geschichte der Frau stimmte offenbar nichts, wie jetzt durch eine Zivilklage am Amtsgericht Waldbröl offenbar wurde. Denn der Ex-Besitzer von "Roulette" hat die vermeintlich fürsorgliche Pferdefreundin auf Schadenersatz verklagt, wie Amtsgerichtsdirektor Fabian Krapoth bestätigte. Die Windeckerin habe sein Pferd bereits einen Tag vor der Abholung - am 31. Oktober 2015 - an einen Pferdehändler nach Würselen verkauft. In einem sogenannten Schutzvertrag war jedoch vereinbart worden, dass "Roulette" weder für Turniere noch für Training eingesetzt werden darf, andernfalls werde eine Vertragsstrafe von 2500 Euro fällig.

Dasselbe Schicksal erlitt offenbar auch der Wallach "Damon Hill": In diesem Fall hatte die Windeckerin im Mai 2015 online inseriert, dass sie ein Beistellpferd suche. Die Besitzerin von "Damon Hill", der wegen einer degenerativen Erkrankung im Rücken nur bedingt als Reitpferd einsetzbar war, meldete sich und glaubte, ihr Tier "in gute Hände" zu geben. Erste Zweifel kamen der Essenerin später. Durch eine Suchanzeige des Tierschutzvereins Aachen stellte sich schließlich heraus, dass ihr "Damon Hill" nicht in Windeck lebt, sondern auf einen Reiterhof nach Düren verkauft worden war - als gesundes Reitpferd.

"Roulette" hingegen konnte trotz Suchanzeige und 1000 Euro Belohnung bislang nicht gefunden werden: Nicht auszuschließen, so der Verdacht, dass das Tier längst geschlachtet wurde. Offenbar sind die beiden Fälle nur ein kleiner Teil einer Betrugsserie. Nach Angaben des Tierschutzvereins sollen in diesem Zeitraum bei weitem mehr Pferde verschwunden sein als die besagten zwei. Der Lebensgefährte der Windeckerin hatte nach Angaben der Tierschützer eingeräumt, dass die 40-Jährige bis zu elf geschenkte Pferde an einen Tierhändler in Würselen verkauft habe. Für die geschenkten Pferde soll sie jedes Mal 500 Euro eingesteckt haben.

AZ: AG Waldbröl 3C 85/16 und 3 C 45/16