Festival im Kulturzentrum Kabelmetall in Schladern

„Unsere Musik versteht man überall“

Windeck-Schladern. Das Kulturzentrum Kabelmetal in Windeck-Schladern richtet das Festival „Schwingungen am Wasserfall“ mit Konzerten, Sessions und Vorträgen aus. Dort treten Größen der elektronischen Musikszene auf. Ein Gespräch mit Thorsten Quaeschning von Tangerine Dream.

Für das Genre der elektronischen Musik gilt die 1967 gegründete Gruppe Tangerine Dream als stilprägend. Ebenso wie Kraftwerk genießen die Berliner heute noch international Anerkennung. 2015 starb Gründer Edgar Froese, der als einziger Musiker die ganze Zeit dabei war und mit vielen verschiedenen Besetzungen arbeitete. Die drei verbliebenen Musiker machen weiter und treten am Samstag, 3. September, beim Elektronik-Festival „Schwingungen am Wasserfall“ bei Kabelmetal in Windeck auf. Einer von ihnen ist Thorsten Quaeschning. Mit ihm sprach Dominik Pieper

Haben Sie sich den Entschluss leicht gemacht, ohne Edgar Froese mit Tangerine Dream weiterzumachen?

Thorsten Quaeschning: Das habe ich gar nicht entschieden. Edgar hat noch zu Lebzeiten sehr genau bestimmt, wie und mit wem Tangerine Dream weitergehen soll. Er hatte einen lange vorbereiteten Plan mit dem Ziel, dass seine Vision fortgesetzt wird. Seine Frau Bianca hat nun die administrative und visuell-kreative Rolle, und musikalisch sind wir jetzt ein Trio. Hoshiko Yamane, Ulrich Schnauss, der 2014 vor unserer Australien-Tour dazu stieß, und ich.

Tangerine Dream gibt es seit fast 50 Jahren, die Diskographie besteht aus weit mehr als 100 Veröffentlichungen. Ist es eine Last, dieses Erbe anvertraut zu bekommen?

Quaeschning: Eher eine Ehre. Ganz neu ist die Situation für mich allerdings nicht. Ich bin ja auch schon seit 13 Jahren dabei, mindestens für mich ist das eine lange Zeit, und seit elf Jahren bin ich ebenfalls an den Kompositionen beteiligt. Tangerine Dream war nie eine stagnierende Band. Es war immer eine Idee, die ständig weiter entwickelt wurde. Es wurden neue Produktionsmethoden erforscht und die neuesten Technologien und Instrumente eingesetzt, um Musik elektronisch zu erzeugen. Daran haben über die Jahrzehnte viele Musiker mitgewirkt. Klaus Schulze, Steve Schroyder, Chris Franke, Peter Baumann, Johannes Schmoelling, Paul Haslinger, Jerome Froese – um nur ein paar zu nennen. Durch die verschiedenen Besetzungen variierte der Stil und wurde manchmal durch rockigere, manchmal durch klassisch inspirierte Momente beeinflusst. Allein Edgar war immer dabei. Er fehlt uns natürlich. Für mich war er auf verschiedenen Ebenen ein wichtiger Ratgeber, eine Kontrollinstanz.

Ist das Festival in Windeck der erste Auftritt nach seinem Tod?

Quaeschning: Wir spielten schon zwei Konzerte im privaten Rahmen, und im Juni gab es ein ausverkauftes Konzert in der Philharmonie Stettin. Nach dem Auftritt in Windeck folgt fünf Tage später ein Konzert Basel. Das ist der Vorteil an instrumentaler Musik: Wir sind nicht sprachgebunden, man versteht uns überall. England, Amerika, Spanien, Italien, Japan – überall gibt es Anhänger.

Erwarten Sie in Windeck ein internationales Publikum?

Quaeschning: Davon gehe ich aus. Es gibt zum Beispiel eine Fangruppe aus England, die uns immer nachreist. Das Festival ist interessant besetzt, unter anderem kommt ja auch Peter Heppner. Es steht insgesamt in der Tradition der WDR-Radiosendung „Schwingungen“, die von Winfrid Trenkler moderiert wurde. Bei der ersten, etwas kleineren Ausgabe des Festivals im vergangenen Jahr, spielte ich mit meiner anderen Band „Picture Palace music“ an einem Abend als Hauptact, so kam der Kontakt zustande.

Nehmen Sie weiter Alben auf?

Quaeschning: Auf jeden Fall. Wir arbeiten gerade am Album „Quantum Gate“. Edgar hat uns einiges Material hinterlassen. Wir wollen uns Zeit nehmen, damit wir ihm und der Musik gerecht werden.

Die Gruppe hat eine schier unüberschaubare Zahl von Alben veröffentlicht. Ist es leichter, Musik elektronisch zu erzeugen – im Vergleich zu herkömmlichen Instrumenten?

Quaeschning: Man komponiert meist direkt am Computer und kann im Anschluss direkt mit den Entwürfen arbeiten, so muss man nicht immer alles neu aufschreiben oder Demoaufnahmen wiederholen. Insofern hat man vielleicht einen zeitlichen Vorteil.

Nächstes Jahr wird Tangerine Dream 50. Planen Sie aus diesem Anlass etwas Besonderes?

Quaeschning: Es ist vorstellbar, dass wir mit ehemaligen Mitgliedern ein einmaliges Projekt machen. Das ist aber noch nicht spruchreif.