Hennefer Gesamtschule

Zeitzeuge berichtet über sein Leben in der DDR

Zeitzeuge: Peter Keup erzählt den Schülern im Filmraum der Gesamtschule Meiersheide seine bewegende Geschichte.

Zeitzeuge: Peter Keup erzählt den Schülern im Filmraum der Gesamtschule Meiersheide seine bewegende Geschichte.

Hennef. Peter Keup berichtet Hennefer Gesamtschülern über seine Zeit und sein Leben in der DDR. Der Historiker wollte 1981 flüchten, wurde verhaftet und 39 Stunden am Stück von der Stasi verhört.

Ein Innenhof: sechs Meter lang, vier Meter breit, begrenzt von drei Meter hohen Mauern und überspannt von einem Wellblechdach. Immerhin eine Möglichkeit, sich etwas zu bewegen, außerhalb der kleinen Einzelzelle. „Gesicht zur Wand“ ist alles, was der Häftling hört. „Beim Hofgang musste ich den Blick immer auf den Boden richten, Blickkontakt mit den Wärtern war nicht erlaubt“ sagte Peter Keup. Die Beschreibungen seines Aufenthaltes als politischer Häftling in einem Stasi-Untersuchungsgefängnis in Dresden nach seiner versuchten Flucht aus der DDR und das spätere Einsitzen in der Haftanstalt Cottbus, wo er sich die Zelle mit 17 Männern teilen musste, sind bildgewaltig. Sie hinterlassen Spuren bei den Zehntklässlern der Gesamtschule Meiersheide, denen der 60-jährige Historiker und ehemalige Tanzschulbetreiber am Donnerstag über sein Leben in der DDR, seinen gescheiterten Fluchtversuch 1981 und seine Ankunft in Westdeutschland 1982 berichtete. Sein bitteres Fazit: „Diktaturen machen Menschen krank.“

Keup war bereits zum zweiten Mal zu Gast an der Gesamtschule, um den Schülern Einblicke in die DDR-Diktatur zu eröffnen. Verantwortlich zeichnen dafür das Institut für Deutschlandforschung der Ruhr-Universität Bochum sowie die Vereinigung der Opfer des Stalinismus, die gemeinsam mit Schulen für diesen lebendigen Geschichtsunterricht sorgen. Keups Schilderungen sind ergreifend. Seine Familie war nach dem Zweiten Weltkrieg auf Wunsch des Vaters, der ein überzeugter Kommunist gewesen war, nach Ostdeutschland gegangen.

Geboren wurde Keup 1958 in Radebeul bei Dresden, wo er auch aufwuchs. Der Mauerbau sei ein einschneidendes Erlebnis gewesen, da seine Mutter, die nie nach Ostdeutschland gewollt habe, keine Reiseerlaubnis mehr erhalten habe, um in Essen ihre Familie zu besuchen. Ende 1974 stellte Keups Familie schließlich einen Ausreiseantrag. „Dieser Antrag machte uns zu Aussätzigen in der DDR. Ich musste die erweiterte Oberschule nach der zehnten Klasse verlassen und einen Lehrberuf als Schriftsetzer ergreifen.“

1981 flüchtet Peter Keup

Als es jahrelang keine Antwort auf den Ausreiseantrag der Familie gab, entschloss sich Peter Keup 1981 zur Flucht. „Ich informierte nur meine Mutter und wollte über die Tschechoslowakei nach Ungarn und von dort nach Österreich fliehen“, erzählte Keup. Früh sei er aber im Zug von der Polizei entdeckt worden. „Ich hatte 80 Deutsche Mark in meine Jeans eingenäht und einen Kompass im Gepäck.“ Keup wurde festgesetzt und 39 Stunden von der Stasi verhört, bis er endlich zugab, dass er die DDR „ungesetzlich“ verlassen wollte. Über drei Monate verbrachte er im Stasi-Untersuchungsgefängnis in Dresden und wurde zu zehn Monaten Zuchthaus wegen Vorbereitung zur Republikflucht verurteilt.

Nachdem ihm die Staatsbürgerschaft aberkannt worden war, wurde er 1982 für 100 000 Mark von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft. Danach begann er ein neues Leben in Essen, betrieb eine Tanzschule und schloss ein Geschichtsstudium erfolgreich ab. „Ich arbeite in Berlin, aber ich lebe in Essen“, sagte Keup. Von seiner Familie, die 1984 in den Westen kam, lebt nur noch seine Schwester. Durch Einsicht in die Stasi-Akten erfuhr er, dass sein verstorbener Bruder als inoffizieller Mitarbeiter der Stasi tätig war. „Sind Sie Ihrem Bruder deshalb böse?“, wollte ein Schüler wissen. „Nein, ich habe bisher nicht feststellen können, dass er freiwillig für die Stasi gearbeitet hat“, sagte Keup.