Extremsportler aus Hennef

Steffen Neupert aus Hennef läuft 250 Kilometer durch die Wüste

Hennef. Der 35-jährige Steffen Neupert nahm an einem Lauf in Namibia teil. Die härteste Etappe ging über 81 Kilometer. Für den guten Zweck hat er dabei 1600 Dollar gesammelt.

Die Sonne brennt. Die Quecksilbersäule des Thermometers steht bei 45 Grad Celsius. Es ist heiß, er hat Blasen an den Füßen, aber der Hennefer Steffen Neupert (36) gibt nicht auf. Er läuft und läuft. Zehn Kilogramm Gepäck hat er auf dem Rücken, davon größtenteils wasserlösliche Nahrung, Salztabletten, ein Zelt und natürlich Wasser. All das ist notwendig, denn schließlich befindet er sich in der ältesten Wüste der Welt in Namibia. Der Hobby-Läufer aus Hennef nahm vom 30. April bis zum 6. Mai an einem Wüstenrennen teil und legte in der Namib-Wüste innerhalb von sechs Tagen 250 Kilometer zurück. Von den 94 gestarteten Teilnehmern landete Neupert am Ende auf dem 35. Platz und war überglücklich, es überhaupt geschafft zu haben.

„Ich habe mehrfach während des Rennens darüber nachgedacht, aufzugeben“, gibt der selbstständige Mediengestalter, der mit seiner Ehefrau und seinen beiden Kindern im Hennefer Siegbogen lebt, unumwunden zu. Nur einen Ruhetag habe es während des Rennens gegeben, und der sei auch nötig gewesen. Während die meisten Etappen über 37 bis 42 Kilometer gingen, war es die vierte Etappe über 81 Kilometer, die Neupert beinah den Schneid abkaufte. „Ich war an diesem Tag knapp 24 Stunden unterwegs. Wir hatten Gegenwind, mir war schlecht, ich hatte Schwindelgefühle, und die Ärzte wollten mich fast aus dem Rennen nehmen“, erinnert sich Neupert.

„Nach zwei Dritteln der Distanz dachte ich mir, jetzt steige ich aus“. Aber Neupert kämpfte. Er gönnte sich zwei Stunden Schlaf, lief gemeinsam mit einer Kollegin weiter und schaffte die Etappe schließlich. Er erholte sich sogar soweit, dass er auch den Rest des Rennens absolvieren konnte, trotz zahlreicher Blasen an den Füßen. „Die Schmerzen an den Füßen habe ich irgendwann ignoriert“.

Während des Laufs nahm Neupert jede Stunde „wegen des Schwitzens“ eine Salztablette zu sich. Morgens aß er Haferflocken, abends gab es kohlenhydratreiche Kost. „Alle zehn Kilometer gab es ein Camp mit ärztlicher Betreuung, einem Plätzchen im Schatten und reichlich Wasser. Der Lauf war super organisiert“, sagte Neupert. Dass er sich solch körperlichen Strapazen freiwillig aussetzt, hätte er vor einigen Jahren allerdings nicht vermutet.

"Das werde ich so nicht mehr machen"

„Ich habe zwar zur Vorbereitung an einigen Marathons in Köln, Bonn und Frankfurt teilgenommen, ich laufe aber erst seit vier Jahren“. Auf die Idee, durch eine Wüste zu laufen, sei er erst nach der Lektüre des Buches „Running Wild“ des Hennefer Extremsportlers Rafael Fuchsgruber gekommen. „Ich hatte ihn in einer Fernsehsendung gesehen und mir danach sofort das Buch besorgt“, erinnert sich Neupert. Mittlerweile kennen sich Fuchsgruber und Neupert recht gut. „Ich laufe regelmäßig mit ihm und auch in der Namib-Wüste war er natürlich mit dabei“.

Während seines Laufes in den Pausen drehte er Sequenzen für einen Dokumentarfilm, der in Ausschnitten demnächst im Fernsehen gezeigt wird. „Das war schon eine Doppelbelastung, und das werde ich in dieser Form wahrscheinlich nicht noch mal machen“. Einen Wüstenlauf will er dennoch gerne wieder absolvieren. „Es muss zeitlich passen, da ich das Laufen ja mit Beruf und Familie vereinbaren muss“. Wer glaubt, dass Laufen in der Wüste ein günstiges Hobby ist, täuscht sich. „Das Startgeld für das Rennen in Namibia betrug 3000 Dollar, hinzu kommen natürlich noch die Flugkosten“, so Neupert.

Der sympathische Hennefer hat mit seinem Extremlauf allerdings noch etwas für den guten Zweck getan. Er sammelte über Sponsoren insgesamt 1600 Dollar, die dem Kölner Verein „Tangeni-shilongo-namibia“ zugutekommen. „Das Geld fließt in die Sportausrüstung einer Schule in einem Slumviertel Swakopmunds in Namibia, die von dem Verein betreut wird“.