GA-Serie Hennefer Köpfe

Ranga Yogeshwar von "Quarks und Co" plädiert für digitalen Wandel

Sind bewusst aufs Land gezogen: Uschi und Ranga Yogeshwar fühlen sich in ihrem Hennefer Dorf sehr wohl.

Sind bewusst aufs Land gezogen: Uschi und Ranga Yogeshwar fühlen sich in ihrem Hennefer Dorf sehr wohl.

HENNEF. Viele kennen Ranga Yogeshwar als Moderator von „Quarks und Co“. Warum der gebürtige Luxemburger seit 25 Jahren in Hennef wohnt und was er sich für die Stadt wünscht, erklärte er dem GA.

Ranga Yogeshwar, diplomierter Physiker, Autor und Wissenschaftsjournalist, ist ein vielbeschäftigter Mann, der immer wieder und das gerne die Welt erklärt. „Das Weltbild wird allerdings immer komplizierter. Es lässt sich nicht alles einfach in Schwarz und Weiß oder Gut und Böse unterteilen“, sagt der 1959 in Luxemburg als Sohn eines indischen Ingenieurs und einer luxemburgischen Kunsthistorikerin geborene Hennefer.

Yogeshwar, der selbst komplizierteste naturwissenschaftliche Zusammenhänge in seinen Büchern, aber auch Fernsehsendungen wie „Quarks und Co“ verständlich machen kann, ist der Meinung, dass die Welt sich in sämtlichen Bereichen gerade neu sortiert und dass die Digitalisierung in alle Lebensbereiche eingreifen wird. „Die Menschen sollten aber mutig sein und diesen Wandel auch als Chance begreifen“, sagt Yogeshwar, der die Thematik in seinem aktuellen Buch „Nächste Ausfahrt Zukunft“ aufgegriffen hat.

Yogeshwar, Vater von vier mittlerweile erwachsenen Kindern, lebt mit seiner Ehefrau Uschi seit 25 Jahren in einem malerischen Dorf in seiner Wahlheimat Hennef. „Unsere Kinder sollten nicht in der Stadt groß werden, darum sind wir damals aufs Land gezogen, weil ich Natur als Umgebung für unwahrscheinlich wichtig halte“, sagt Yogeshwar. Nach Hennef zu ziehen, sei für ihn auch etwas Besonderes gewesen. „Bevor wir hier unser Haus gekauft haben, bin ich 18 Mal umgezogen. Ich war ständig auf allen Kontinenten unterwegs. Die vergangenen 25 Jahre sind die längste Zeit, die ich je an einem Ort gelebt habe. Es hat definitiv eine andere Qualität, als in einer Großstadt zu leben“.

Yogeshwar wünscht sich "Hennef digital"

Unterm Strich fühlen sich die Yogeshwars in Hennef sehr wohl. „Es ist allerdings mein tiefer Wunsch, dass Hennef der gesamten Republik zeigt: Wir haben die digitalen Dörfer“, sagt Yogeshwar, der in seinem Garten sogar eine Sternwarte stehen hat. Als Stadt der 100 Dörfer könnte Hennef eine Vorreiterolle einnehmen, um von Natur umgebende Dörfer als Alternative zu den Städten kenntlich zu machen. Dafür sollten für alle Bereiche die nötige Infrastruktur geschaffen und genügend

Glasfaseranschlüsse installiert werden, damit auf dem Dorf schnelles Internet kein Luxus bleibe. Auch der soziale Aspekt dürfe dabei nicht zu kurz kommen. „Es sollten in den Dörfern neue Formen von Begegnungsstätten geschaffen werden, um das Miteinander zu fördern. Früher waren das die Kirche, die Kneipe und ein Laden“, sagt Yogeshwar.

Die Dinge neu durchdenken, um den Veränderungen Rechnung zu tragen: Dafür plädiert der Wissenschaftler. Um den digitalen Wandel vernünftig umsetzen zu können, sollte jeder den Sprung wagen, auch die Kommunen. „Ein Beispiel: Zwischen Chur und Arosa ist eine Bahnstrecke in nur drei Jahren gebaut worden, weil jede Kommune ihren Teil dazu beigetragen hat. Es geht um ein paralleles Miteinander, mit dem sich viel mehr erreichen lässt, als mit einer Zentralisierung“, sagt Yogeshwar.

Bildungspolitik in Deutschland ein "Armutszeugnis"

Dass ein Land wie Deutschland sich nach wie vor beim Thema Bildungspolitik so schwer tut, ist für den Wissenschaftler unbegreiflich. „Ich bin da sehr klar. Das, was wir heute haben, ist das Armutszeugnis einer unfähigen Bildungspolitik“, sagt Yogeshwar. Ein Sanierungsrückstau in den Schulen, Lehrer, die mit den täglichen Herausforderungen alleine gelassen werden – all das erfordere einen kompletten Umbau des Bildungssystems, um die Herausforderungen der Zukunft bewältigen zu können.

Er wünscht sich beim Thema Bildung mehr Geld, mehr Personal, Planstellen für Digitalisierungsbeauftragte und möchte die die Schulen mit mehr Kompetenz und Infrastruktur versehen. Für ihn wirken zudem die föderalen Strukturen des Landes im Zeitalter der Globalisierung antiquiert.

Gemeinsam mit seiner Frau Uschi ist Yogeshwar auch sozial sehr engagiert. Vor mehr als zwölf Jahren war er Gründungsmitglied der Kinder- und Jugendstiftung Hennef, die sich mit Hilfe von rund 50 Ehrenamtlern auf den Weg gemacht hat, mit zahlreichen Projekten wie den „Lesepaten“ Kinder und Jugendliche bereits früh zu fördern und möglichen Fehlentwicklungen entgegenzuwirken. „Uns geht es um Chancengleichheit, Prävention und Nachhaltigkeit. Dabei steht immer im Fokus, was das einzelne Kind benötigt“, sagt Uschi Yogeshwar, Geschäftsführerin der Stiftung.

Am Sonntag, 11. März, öffnet sich um 15.30 Uhr in der Aula der Gesamtschule Hennef-West der Vorhang zum Traditions-Benefizkonzert „Hennef zeigt Herz“, das wie immer von der Bürgerstiftung Altenhilfe und der Kinder- und Jugendstiftung Hennef ausgerichtet wird. Neben zahlreichen Gästen wie „Antweiler, Graf und Co“ erhalten die Gäste überdies die Möglichkeit, die Sopranistin Uschi Yogeshwar zu hören, die gemeinsam mit Annette Chang-Küsche und Brigitte Krahe auftreten wird. Der Eintritt kostet zwölf Euro.