Flughafen Köln/Bonn

Nächtlicher Fluglärm in der Region nimmt weiter zu

Maschine im Anflug auf Köln/Bonn: Der nächtliche Fluglärm belastet die Region.

Maschine im Anflug auf Köln/Bonn: Der nächtliche Fluglärm belastet die Region.

HENNEF. Helmut Schumacher von der Lärmschutzgemeinschaft präsentierte im Hennefer Umweltausschuss die aktuellen Auswertungen der Messstellen auf Hennefer Gebiet. Sie zeigen: Der nächtliche Fluglärm über der Region hat im Vergleich zum Vorjahr erneut zugenommen.

Ein Mal pro Jahr präsentiert Helmut Schumacher, Vorsitzender der Hennefer Ortsgruppe der Lärmschutzgemeinschaft Flughafen Köln/Bonn, dem Ausschuss für Klima- und Umweltschutz die Auswertung der insgesamt sechs Messstellen auf Hennefer Gebiet. Gute Nachrichten hat er nie im Gepäck. So auch am Mittwoch nicht, als Schumacher im Ausschuss zum Thema Fluglärm referierte. Fazit: Der nächtliche Fluglärm über Hennef und der Region hat im Vergleich zum Vorjahr erneut zugenommen.

Der Ausschuss beschloss nach Schumachers Ausführungen einstimmig eine Resolutionsempfehlung an den Rat, nach der eine Verlängerung der Nachtflugerlaubnis über 2030 hinaus auf keinen Fall vor Abschluss des laufenden Planfeststellungsverfahrens erfolgen darf. Zudem votierte der Ausschuss einstimmig für einen Antrag der CDU, der vorsieht, dass zur nächsten Präsentation des Fluglärmberichtes ein Verantwortlicher des Flughafens eingeladen werden soll.

Insgesamt sechs Messstellen dienen Schumacher zur Auswertung seiner Ergebnisse. Davon befinden sich drei im Besitz der Lärmschutzgemeinschaft, die Messstelle in Lichtenberg wurde von den Hennefer Grünen gesponsert und zwei Messstellen sind Flughafeneigentum.

Das, was die Mikrofone aufgenommen haben, ist eindeutig. „Auch im vergangenen Jahr hat der nächtliche Fluglärm über Hennef wieder zugenommen“, sagte Schumacher. 42.406 Nachtflüge seien 2017 in der Zeit zwischen 22 und 6 Uhr registriert worden. „Das sind fünf Prozent mehr als 2016 und 17 Prozent mehr als 2014“, so Schumacher.

Ausweitung der Nachtflug-Erlaubnis bis 2050?

Besonders deutlich hat die Zahl der Flugbewegungen laut Schumacher in der Zeit von 0 bis 5 Uhr während der so genannten Kernruhezeit zugenommen. Dort wurden 2017 insgesamt 26.816 Maschinen gezählt, also eine Steigerung um 7,3 Prozent gegenüber 2016. Mit insgesamt 7705 Passagierflugzeugen verzeichnet der Bericht auch hier eine Steigerung um 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Diese seit Jahren anhaltende Fehlentwicklung zeigt einmal mehr, dass die vom früheren Flughafenchef Michael Garvens 2013 angekündigte Verlagerung von Flugbewegungen aus der Nacht in den Tag durch eine entsprechend gestaltete Gebührenordnung krachend gescheitert ist“, sagte Schumacher. In Frankfurt würden hingegen pro Start oder Landung einer MD 11 zwischen 23 und 5 Uhr 3512 Euro als Nachtzuschlag fällig. Düsseldorf verlange zwischen 22 und 23.59 Uhr sogar 46.450 Euro (für Flüge ab 24 Uhr 49 000 Euro). „Köln/Bonn hingegen scheint mit seinem unglaublich günstigen Nachtzuschlag von gerade mal 925 Euro für diese 'Krachbombe' offenbar weitere MD 11-Flüge geradezu anlocken zu wollen“, monierte der Experte. Er bezeichnete das Gebührenmodell des Kölner Airports als „lupenreinen Propagandatrick“.

Dass Fluglärm krank mache, ist laut Schumacher vor allem nach den Ergebnissen der Greiser-Studie erwiesen. Laut Greisers Forschungsergebnissen, die Schumacher bereits mehrfach präsentierte, besteht für 40 Prozent der Hennefer Männer und 48 Prozent der Hennefer Frauen ab einem Alter von 40 Jahren ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten aufgrund des Fluglärmes.

Zwar hat es die Lärmschutzgemeinschaft in einem Rechtsstreit um die Erweiterung des Vorfeldes A geschafft, dass der Flughafen sich erstmalig einem Planfeststellungsverfahren unterziehen muss. Dennoch ist die Aussicht auf Besserung beim Thema Fluglärm laut Schumacher eher trüb. Aus gut unterrichteten Quellen habe die Lärmschutzgemeinschaft von Bestrebungen der in Köln/Bonn ansässigen Frachtunternehmen erfahren, bei der Landesregierung eine neuerliche Ausweitung des 24-stündigen Flugbetriebes bis 2050 zu erreichen.

Das allerdings mochte der Flughafen nicht bestätigen. „Darüber haben wir keinerlei Kenntnis“, sagte Flughafensprecher Alexander Weise am Donnerstag auf GA-Anfrage.