Schluss für 300 Schüler

Letzter Schultag am Berufskolleg in Hennef

Das Europäische Berufskolleg in Hennef ist geschlossen. Die Schüler sollen in anderen Schulen untergebracht werden.

Das Europäische Berufskolleg in Hennef ist geschlossen. Die Schüler sollen in anderen Schulen untergebracht werden.

Hennef. Private Einrichtung am Geistinger Park in Hennef ist nach Insolvenz des Trägers geschlossen. Kollegs im Kreis wollen Schüler übernehmen. Lehrer müssen sich einen neuen Job suchen.

Es war vermutlich die letzte offizielle Amtshandlung am Europäischen Berufskolleg am Geistinger Park in Hennef. Am Mittwochnachmittag sollten die Absolventen ihre Zeugnisse erhalten. Doch auch für alle anderen Schüler war es der letzte Unterrichtstag an der Schule. Wie Schulleiterin Christiane Fahrbach in einer Erklärung mitteilte, ist das private Berufskolleg ab Ende Mai geschlossen. Die Fortführung sei nach Insolvenz der Trägergesellschaft nicht gelungen – trotz intensiver Bemühungen der Lehrerschaft und der Insolvenzverwaltung, heißt es in der Mitteilung weiter. Die Schulleitung habe für alle Bildungsgänge aufnehmende Schulen im Umkreis gefunden, die Abschlussprüfungen hätten noch durchgeführt werden können. Betroffen sind nahezu 300 Schüler sowie die Lehrer und Verwaltungskräfte.

Wie berichtet, hatte der Geschäftsführer der Vesbe Trägergesellschaft gGmbH, Udo Hermesdorf, am 12. April beim Amtsgericht Bonn den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Die Gesellschaft hatte 2016 die Trägerschaft des Berufskollegs übernommen, das 2012 an den Start gegangen war. Finanzielle Probleme soll es seit einiger Zeit gegeben haben. Schulleitung sowie Lehr- und Verwaltungskräfte hatten kurz vor den Osterferien die Nachricht erhalten, kein Geld mehr ausgezahlt zu bekommen. Der Schulalltag lief zunächst jedoch wie gewohnt weiter. Erst als die finanzielle Notlage publik wurde, informierten Schulleitung und Lehrer die Schüler in einer Vollversammlung. Der bestellte Insolvenzverwalter Jörg Bornheimer verhandelte mit möglichen Interessenten. Er war am Mittwoch kurzfristig nicht zu erreichen.

Noch Mitte Mai hatte Fahrbach weiterhin auf eine mögliche Übernahme durch einen neuen Träger gehofft. Lehrer und Schüler appellierten an die Verantwortlichen, alle Möglichkeiten zum Erhalt auszuschöpfen. Ende vergangener Woche hätte es einen weiteren Versuch gegeben: Auf Initiative des CDU-Landtagsabgeordneten Björn Franken hätten Gespräche mit einem Interessenten stattgefunden, teilt die Schule mit. Aber es sei in der kurzen Zeit nicht zu schaffen gewesen, berichtete Rainer Eickel, der als Politiklehrer am Berufskolleg arbeitete.

"Für viele Kollegen schwierig"

Laut Schule sollen die Schüler nun vom Carl-Reuther-Berufskolleg des Rhein-Sieg-Kreises in Hennef, vom Berufskolleg des Kreises in Siegburg, dem Georg-Kerschensteiner-Berufskolleg des Kreises in Troisdorf und dem Kölner Berufskolleg Südstadt übernommen werden. Wie viele Schüler die einzelnen Einrichtungen aufnehmen, dazu konnte die Kreisverwaltung am Mittwoch auf Anfrage noch nichts sagen. Es fehlten noch Daten von der Bezirksregierung Köln, so Kreissprecherin Bettina Heinrichs-Müller. „Im Rahmen der Möglichkeiten nehmen wir auf, was geht. Wir wissen aber noch nicht, ob unsere Kapazitäten ausreichen“, sagte sie. Auch die Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde über Ersatzschulen konnte dazu kurzfristig keine Zahlen liefern. Aber die Bezirksregierung lasse niemanden auf der Straße stehen, sagte Sprecher Dirk Schneemann. Sollte es Schulplatzprobleme geben, kümmere sie sich darum, dass die Schüler unterkämen.

Neue Arbeitsstellen müssen sich die Lehrer und Verwaltungskräfte suchen. „Es ist für viele Kollegen eine sehr schwierige Situation“, sagte Eickel. Man müsse sich erst einmal neu sortieren. „Es sind sehr viele Kollegen, die engagiert und mit dem Herzen dabei sind.“ Sie hätten viele Schüler unterrichtet, die in ihrer schulischen Laufbahn zuvor durch die Raster gefallen seien. Zum Angebot des Berufskollegs gehörten Bildungsgänge in den Fachrichtungen Sozialpädagogik, Erziehung und Soziales, Wirtschaft und Verwaltung, Ernährung sowie berufsvorbereitende Kurse.

Wie das Gebäude an der Schulstraße künftig genutzt wird, ist noch offen. Die Immobilie gehört dem Verein für Europäische Sozialarbeit, Bildung und Erziehung (Vesbe), der bis 2016 Träger des Berufskollegs war. Sie solle wieder vermietet werden, sagte Johanna Lau, Mitglied des geschäftsführenden Vesbe-Vorstands. „Der Tag heute ist auch für uns nicht schön.“