Vergewaltigung am Allner See

Hennefer soll 34-Jährige misshandelt und mehrfach vergewaltigt haben

Ort des Geschehens: Am Allner See brachte der psychisch kranke Obdachlose das 34-jährige Opfer in seine Gewalt.

Ort des Geschehens: Am Allner See brachte der psychisch kranke Obdachlose das 34-jährige Opfer in seine Gewalt.

Hennef/Bonn. Der als schizophren geltende 53-jährige Obdachlose hatte sein Opfer fast elf Stunden in seiner Gewalt. Die Staatsanwaltschaft Bonn beantragt eine dauerhafte Unterbringung des mutmaßlichen Täters in einer psychiatrischen Klinik.

Fast elf Stunden war eine 34-jährige Frau aus Buchholz im Mai in der Gewalt eines psychisch kranken Gewalttäters und erlebte einen Alptraum, der nicht zu enden schien: Als sie am Abend des 18. Mai mit ihren zwei Hunden in der Nähe des Allner Sees spazieren ging, geriet sie in die Fänge eines als schizophren geltenden Obdachlosen, der sie immer wieder vergewaltigte und schwer misshandelte. Nun hat die Staatsanwaltschaft beim Bonner Landgericht den Antrag gestellt, den 53-Jährigen dauerhaft in einer psychiatrischen Klinik unterzubringen, wie Landgerichtssprecher Tobias Gülich am Mittwoch mitteilte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Beschuldigte die Vergewaltigung und Körperverletzung im Zustand erheblicher eingeschränkter oder völliger Schuldunfähigkeit begangen hat.

Alles begann den Ermittlern zufolge am Tatabend vor 19 Uhr, als die 34-Jährige mit den kleinen Hunden auf dem Siegdamm in Richtung Allner See entlanglief. Dort traf sie eine 55-jährige Hundehalterin, die ebenfalls ihre beiden Vierbeiner ausführte. Die beiden Frauen blieben stehen, um sich zu unterhalten, als der 53-Jährige sich ungefragt zu ihnen stellte und ins Gespräch einmischte. Nachdem sich die Frauen getrennt und in entgegengesetzte Richtungen ihren Weg fortsetzten, lief der Beschuldigte neben der 34-Jährigen her in Richtung See und erzählte laut Antragsschrift wirre Geschichten.

Den Ermittlern zufolge wollte die 34-Jährige nur noch weg von ihm. Doch er lief hinter ihr her, holte sie ein, küsste sie unvermittelt, umschlang sie und riss sie zu Boden. Die Frau fiel auf den Bauch, und er legte sich so auf sie, dass es ihr nicht mehr möglich war, sich zu befreien. Als sie um Hilfe rief, bedrohte er sie laut Antragsschrift. Er drehte sie um und begann, sie auszuziehen und zu missbrauchen. Vergeblich bat sie ihn, von ihr abzulassen. Stattdessen setzte er sich auf ihren Brustkorb, öffnete seine Hose, vergewaltigte sie und beschimpfte sie. Nachdem er sich befriedigt hatte, legte er sich komplett auf sie und schlief ein. Und diese Chance versuchte die 34-Jährige zu nutzen, um sich zu befreien: Sie nahm von seinem Hosenbund den Beutel, in dem er eine Taschenlampe und ein Teppichmesser stecken hatte. Doch er wachte auf und drehte ihr die Arme und Finger so nach hinten, dass sie den Beutel fallenließ.

Opfer völlig entkräftet

Inzwischen war es kalt geworden, sie fror und zitterte. Da schleppte er sie zu seinem zehn Meter entfernten Lager, wo er sie hinlegte und mit seinen Armen und Beinen laut Antragsschrift so umklammerte, dass sie nicht entkommen konnte. Schließlich versuchte er erneut, sie zu vergewaltigen. Doch als er ihr laut Antragsschrift noch einmal versuchte, die Hose auszuziehen, bekam sie eine Hundeleine zu fassen, schlang sie um den Hals des Mannes und zog zu. Doch inzwischen war sie so entkräftet, dass er es schaffte, sich zu befreien. Und nun schlug er ihr voller Wut so hart mehrfach mit der Faust ins Gesicht, dass sie nicht nur schwere Hämatome erlitt, sondern auch einen Bruch des Augenhöhlenbodens.

Als es hell wurde, packte er laut Antragsschrift sein Lager zusammen, legte ihr die Hundeleine um den Hals, zwang sie, seine Tüten zu tragen und führte sie über Waldwege in Richtung Hennef. Und die ganze Zeit rannten ihre Hunde hilflos um sie herum. Nach 200 Metern sah die Frau zwei Zelte und schaffte es mit letzter Kraft, ihm zu entkommen: Als der 53-Jährige in den Tüten nach seinen Zigaretten kramte, befreite sie sich von der Leine um ihren Hals, rannte zu den Zelten, in denen zwei junge Angler waren, und schrie um Hilfe. Die beiden 23-jährigen Freunde hatten zwar keine Handys dabei, begleiteten sie aber zum nächsten Haus und alarmierten die Polizei. Die 34-Jährige rief ihren Freund an, der bereits die ganze Nacht vergeblich nach ihr gesucht hatte. Inzwischen war es kurz vor 6 Uhr. Mit Verletzungen am ganzen Körper wurde die 34-Jährige ins Krankenhaus gebracht.

Am 22. Mai wurde der 53-Jährige gefasst. Seitdem ist auf richterlichen Beschluss vorläufig in einer forensischen Klinik untergebracht. Er ist bereits mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten, auch wegen Gewalttaten. Doch, so erklärte Gülich: „Bisher wurden alle Verfahren eingestellt, weil er als schuldunfähig eingestuft wurde.“