Prozess in Bonn

Hennefer bewusstlos geschlagen und ausgeraubt

Symbolfoto.

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Hennef. Die Bonner Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen zwei Mädchen und einen 25-Jährigen erhoben. Die Mädchen sollen einen Hennefer angelockt, der Komplize soll ihn misshandelt und ausgeraubt haben.

Es war ein Alptraum, den der 22-Jährige am 27. Juli 2017 erlebte: Der Hennefer wurde per Facebook zu einem Treffen gelockt, bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen und getreten, ausgeraubt und stundenlang ohnmächtig liegengelassen. Nun hat die Bonner Staatsanwaltschaft zwei heute 19-jährige Mädchen und einen 25-Jährigen für diese Tat angeklagt. Das Trio muss sich demnächst vor einer Jugendstrafkammer des Bonner Landgerichts verantworten, wie Behördensprecher Tobias Gülich am Mittwoch mitteilte.

Die Anklage wirft ihnen gemeinschaftliche besonders schwere räuberische Erpressung vor, dem 25-Jährigen darüber hinaus noch gefährliche Körperverletzung. „Laut Anklage planten sie, ihr Opfer an eine einsame Stelle zu locken und auszurauben“, sagt der Gerichtssprecher. Den Ermittlungen zufolge soll sich am Tattag Folgendes zugetragen haben: Die damals noch 17-jährige Angeklagte verabredete sich mit dem 22-Jährigen über Facebook für 22.30 Uhr auf dem Gelände eines großen Möbelhauses in Hennef, und dort forderte sie ihn laut Anklage auf, sie zum Schulgelände in der Nähe zu begleiten. Der arglose 22-Jährige folgte ihr.

Doch auf dem Weg dorthin sprang der Anklage zufolge plötzlich die damals 18-jährige Angeklagte, die er als seine Mitschülerin kannte, aus einem Gebüsch und forderte ihn auf, ihr fünf Euro Schulden zurückzuzahlen. Als er versicherte, er habe kein Geld dabei, rief sie laut Anklage per Handy-Textnachricht den 25-Jährigen herbei.

Klinge an den Hals gedrückt

Den Ermittlern zufolge erschien der wenig später – bewaffnet mit einem Messer. Damit habe er den 22-Jährigen bedroht und ihm die Klinge schließlich von hinten so fest an den Hals gedrückt, dass es eine leichte Schnittverletzung verursachte. Daraufhin machten sich die Mädchen der Anklage nach davon, hörten aber noch Geräusche, die nach Gewalt klangen.

Tatsächlich soll der 25-Jährige auf das Opfer losgegangen sein. Als der ihm nämlich kein Geld geben konnte, forderte der Angeklagte ihn laut Staatsanwaltschaft auf seine Taschen zu leeren, nahm ihm Handy, Brieftasche mit Personalausweis und Kopfhörer ab. Dann verlangte er laut Anklage auch Brille, Baseballkappe und Schuhe des Opfers.

Als er der Anklage zufolge dann auch noch die Hose des Opfers forderte, der 22-Jährige dies jedoch verweigerte, ging der Angeklagte den Ermittlern zufolge brutal gegen das Opfer vor: Mehrfach soll er ihm so massiv mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben, dass der 22-Jährige zu Boden stürzte. Dann soll der Angeklagte mit der Hacke seines Schuhs so auf das Gesicht des wehrlosen 22-Jährigen eingetreten haben, dass der das Bewusstsein verlor. Der 25-Jährige ließ ihn laut Anklage einfach liegen und ging.

Viereinhalb Stunden bewusstlos

Inzwischen war es der Anklage nach 0.30 Uhr. Das Opfer kam erst um fünf Uhr, also viereinhalb Stunden später, wieder zu sich. Der 22-Jährige hatte insofern Glück, dass keine Hirnschädigung davontrug, so die Anklage. Den Ermittlern zufolge leidet er aber unter Dauerschmerzen, Schlafstörungen und Ängsten und ist seitdem in Behandlung.

Der 25-Jährige benutzte laut Anklage den Personalausweis des Opfers, um auf dessen Namen ein Konto zu eröffnen und einen Kredit zu beantragen sowie für einen Internetkauf. Das Trio, das sich laut Anklage vom Drogenhandel kennt, ist justizbekannt. Der 25-Jährige hat 13 Einträge. Er bestreitet die Tat und bezichtigt einen anderen.