Neues Wohnmodell für Senioren Hennefer Senioren leben in einer WG

Träger, Pfleger und Bewohner: Alle sind zufrieden mit dem Start der Senioren-WG in Hennef.

Hennef. "Villa Lebenswert" aus Winterberg kümmert sich um pflegebedürftige ältere Menschen und will ein selbstständiges Leben bis ins hohe Alter gewährleisten. Die Betreuung wird auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmt.

Hans Lutz sitzt mit seinen Mitbewohnern auf der Terrasse und spielt Karten. Neben ihm eine Tasse Kaffee und eine Packung Zigaretten. Ein normaler Vormittag in der Wohngemeinschaft (WG) an der Willi-Lindlar-Straße. Was nach Studentenbude klingt, ist in Wirklichkeit eine Senioren-Wohngemeinschaft. Das Unternehmen „Villa Lebenswert“ aus Winterberg hat das Berliner Modell in den Rhein-Sieg-Kreis gebracht. Ähnlich wie Studenten leben hier derzeit drei Senioren zusammen und führen mit Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes und der Unterstützung von Angehörigen ein selbstständiges Leben, soweit es ihnen möglich ist.

„So eine WG ist deutlich persönlicher. Jeder kann individuell entscheiden, wie lang er schlafen oder wann er frühstücken möchte und einfach selbstbestimmt leben“, hebt Petra Engemann von der „Villa Lebenswert“ hervor. Seit 2007 hat das Unternehmen in Zusammenarbeit mit lokalen Pflegediensten Senioren-WGs in ganz Nordrhein-Westfalen etabliert. Das Konzept: Die Firma mietet Wohnraum an, der pflegebedürftigen Menschen eine Alternative zum Altenheim bietet. In einer solchen Wohngemeinschaft leben bis zu zehn Personen. Jede Bewohner erhält seinen privaten Raum. Küche und Wohnzimmer stehen allen zur Verfügung, die Badezimmer teilen sich je zwei Personen. Die Bewohner können ihr Zuhause selbst gestalten, und auch die Angehörigen bringen sich aktiv ein, etwa durch Entscheidungen bei der medizinischen Versorgung, durch Mitgestaltung des Lebensstils und der Tagesgestaltung. Die Betreuung der Bewohner wird ambulant und 24 Stunden am Tag gewährleistet, abgestimmt auf die jeweiligen Bedürfnisse.

Die 250 bis 300 Quadratmeter großen Wohnungen sollen vor allem drei Dinge haben: Eine gute Lage, Charme und einen Wohlfühlfaktor. „Es muss wohnlich sein und nicht wie in einer Krankenhauseinrichtung“, sagt Engemann. Daher bringen die Bewohner ihre eigenen Möbel mit. Zentrumsnähe ist absolute Bedingung, damit die Bewohner möglichst eigenständig zum Arzt oder nächsten Café kommen. Wer in einer solchen WG wohnt, kommt in den eigenen vier Wänden nicht mehr zurecht, ist pflegebedürftig und einige Bewohner sind dement. Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 85 Jahren. Bis auf Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen oder Beatmungs-Patienten kann jeder Teil einer Senioren-WG werden.

„Pflege 2000“ aus Sankt Augustin ist der zuständige Pflegedienst für die Hennefer Senioren-WG. Leiterin Sabine Schäfer nimmt in Beratungsgesprächen mit Kunden Skepsis wahr, aber auch mehr und mehr Aufgeschlossenheit, dieses vergleichsweise neue Wohnmodell auszuprobieren. Sie ist überzeugt von dem Konzept: „Das gibt einen wahnsinnigen Zusammenhalt. Demente werden mitgezogen.“ Auch das Pflegepersonal sei weniger gestresst als im Altenheim, wo oft nur Zeit für die Grundpflege bleibt.

Hans Lutz lebt seit Juli in der Hennefer Senioren-WG. Er hat sich selber zu dem Schritt entschieden, nachdem seine Frau verstorben war. „Hier bin ich frei und besser versorgt. Altenheim ist 08/15. Hier ist das viel familiärer“, findet der 75-Jährige. Er schätzt es sehr, nicht mehr alleine zu leben, auch wenn er im Vergleich zu früher Abstriche machen muss. „Es war schon schwierig, sich zu verkleinern. Nur ein Zimmer – da muss man sich erst dran gewöhnen.“ In seinen 17 Quadratmetern gefüllt mit handgemachten Schränken, Vitrinen voller Habseligkeiten und einem Blick ins Grüne fühlt er sich inzwischen aber schon ganz heimisch.

Die „Villa Lebenswert“ bietet individuelle Beratungen an. Ein WG-Platz ist ab etwa 1800 Euro im Monat zu haben. Darin sind die monatliche Miete samt Nebenkosten, die individuellen Pflegeleistungen und ein Haushaltsgeld enthalten. Je nach Pflegegrad sowie Vergütungszuschlägen für zusätzliche Betreuung müssen die Bewohner wenig Eigenleistung aufbringen. Eine Besonderheit: Im Vergleich zu konventionellen Pflegeheimen können die Angehörigen bei nicht ausreichender Rente und Vermögen nicht zu Zahlungen verpflichtet werden. Im Falle von Zahlungsunfähigkeit übernimmt daher der Sozialamtsträger die monatlichen Kosten für die Bewohner.

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