Landwirtschaftlicher Familienbetrieb

Getreideernte findet früher als sonst statt

Hennef. Schon vor 30 Jahren machte Landwirt Uwe Matzel aus Hennef ein heißer Sommer zu schaffen. Gerade jetzt, wenn andere in den Urlaub fahren, steht für Matzel der vielleicht arbeitsreichste Monat des Jahres an.

Uwe Matzel stellt den Motor ab und schwingt sich aus dem Sitz. Das gut drei Meter breite Schneidwerk legt noch ein paar Umdrehungen hin, dann ruht der rote Riese. Mit einem Sprung überwindet Matzel die letzten Stufen der Tritteiter an der Seite des Mähdreschers und landet sicher auf dem Acker. Erst jetzt verzieht sich die Wolke aus Staub und Diesel, die das Gefährt umhüllt. Es ist 15 Uhr, einer der heißesten Tage des Jahres. Schatten ist auf dem Feld in Hennef-Stoßdorf nicht in Sicht. Matzel scheint sich nicht daran zu stören. Eine Kappe schützt sein staubüberzogenes Gesicht vor der stechenden Mittagssonne. „Ja, der Staub ist ein Problem“, sagt der 45-jährige Landwirt. Zwar habe er eine Maske zum Schutz vor Mund und Nase, doch sei die „bei dem heißen Wetter nicht sehr angenehm zu tragen“.

Gerade jetzt, wenn viele Familien die Koffer packen und in den Urlaub fahren, steht für Matzel der vielleicht arbeitsreichste Monat des Jahres an. Wenn für den Hennefer Landwirt die Dinkelernte ansteht und das Stroh eingefahren werden muss, kann ein Arbeitstag schon mal gerne 16 Stunden haben, so Matzel. Sein Mähdrescher erledigt die verschiedenen Ernteaufgaben in einem Arbeitsgang: Zuerst wird der Weizen abgemäht, anschließend werden die Körner aus den Ähren gedroschen und das Korn vom Stroh getrennt. Während die Körner aufgefangen und in einem Anhänger abgefahren werden, wird das Stroh später zu Ballen gepresst.

Matzel bewirtschaftet in Hennef rund 65 Hektar Ackerfläche mit Schwerpunkten ökologischer Getreideanbau und Mutterviehzucht. In dem Familienbetrieb packen alle mit an, auch seine Frau Sonja sowie die Töchter Heidi (14) und Christine (11). Ob sie einmal in die Fußstapfen des Vaters treten? „Das wird die Zeit zeigen, zunächst einmal hat die Schule und später die Berufsausbildung Vorrang“, so Matzel. Er selbst hat den 1956 gegründeten Betrieb von seinem Vater Georg Matzel übernommen. Ihn hatte der GA fast auf den Tag genau vor 30 Jahren getroffen.

Damals führte ein sehr trockener Frühsommer zur vorgezogenen Ernte des Getreides. „Genau wie in diesem Jahr“, sagt Matzel. Einen entscheidenden Unterschied zu damals gebe es allerdings: „1988 betrug der Preis für den Doppelzentner Wintergerste rund 33 D-Mark, heute liegt er bei rund 13 Euro“. Bedenke man, was die D-Mark damals wert war und die allgemeine Preissteigerung, sei das keine positive Entwicklung für die Landwirte. „Für die Ernte ist das trockene Wetter natürlich perfekt“, sagt Theo Brauweiler, Landwirt und Vorsitzender der Kreisbauernschaft Bonn/Rhein-Sieg. Problematisch sei die frühe Hitze in diesem Jahr gewesen. Eigentlich sei die Weizenernte erst Ende Juli fällig.

Trend der vergangenen Jahre

„Die Monate Mai und Juni waren extrem warm und trocken“, so Brauweiler. Je nach Bodenbeschaffenheit der Äcker im Kreis wirke sich die Trockenheit in diesem Jahr mehr oder weniger negativ aus. In Sankt Augustin etwa sei der Boden lockerer mit kiesigem Untergrund – „da versickern die Niederschläge schneller, als in Wachtberg, wo der Boden tiefgründiger ist“. In beiden Orten bewirtschaftet Brauweiler selbst Äcker.

„Insgesamt setzt sich ein Trend fort, den wir schon seit Jahren feststellen“, sagt er. In Zeiten des Klimawandels seien inzwischen verstärkt Züchtungen gefragt, die trockenheitsresistenter seien. Der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) erwartet mit Blick auf die Ernte in NRW etwa zehn bis 30 Prozent Einbußen beim Weizenertrag. Im Rheinland werden auf circa 32 000 Hektar Gerste und auf 90 000 Hektar Weizen angebaut. „Im Vergleich zum Rest Deutschlands sind wir noch gut weggekommen“, sagt Marilena Kipp, Sprecherin des RLV. „Wir hoffen, dass wir für die Ernte gute Erlöse bekommen.“ Für die Verbraucher wird es wohl – etwa beim Bäcker – keine spürbaren Preiserhöhungen geben.

Hoffen auf Regen

Getreide und Raps hätten in diesem Jahr zweifelsohne gelitten, bei der Maisernte werden sich die Folgen der Dürre noch herausstellen: „Wir hoffen auf Regen, kein Starkregen, sondern anhaltender, ergiebiger Landregen“, sagt Kipp. Matzel möchte mit Blick auf seinen Ernteertrag nicht klagen: „Probleme haben vor allem die Bauern im Osten und Nordosten. Ich kenne einen Kollegen, bei dem ist seit Mai kein Liter Regen gefallen“, so Matzel. Trotz extremer werdender Wetterlagen blickt er positiv in die Zukunft. „Et kütt wie et kütt“, so Matzel. Bauern bleibe nur, sich möglichst gut vorzubereiten. Auch deshalb setzt er nicht mehr allein auf Landwirtschaft. Halbtags arbeitet er als Mechaniker in der Werkstatt des Golfclubs Rhein-Sieg in Hennef. Mit diesem Arbeitsmodell ist er nicht alleine: Im Rheinland werden laut NRW-Landwirtschaftskammer rund 40 Prozent der Landwirtschaftsbetriebe in Nebenerwerb geführt, NRW-weit bereits fast jeder zweite Betrieb.